Paar in Outdoorbekleidung (Foto: picture-alliance / Reportdienste,  Christin Klose)

Nachhaltigkeitsexpertin Katharina Schickling

"Überlegen Sie sich, wie viel PFC Sie am Körper tragen wollen."

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Funktionsbekleidung hat jetzt im Herbst wieder Hochkonjunktur. Sie hält trocken, befördert den Schweiß vom Körper weg und ist bei Bedarf auch warm. Für die Umwelt ist sie aber nicht immer gut. Wir haben mit der Autorin und Nachhaltigkeitsexpertin Katharina Schickling gesprochen.

SWR1: Regenfest und umweltfreundlich, warum ist das so schwierig?

Katharina Schickling: Das Problem bei modernen Regenjacken ist, dass das, was die Jacke wasserabweisend macht, oft sehr giftig ist. Im Prinzip machen zwei Schichten die Jacke wasserfest. Das ist einmal die Imprägnierung. Die lässt das Wasser außen abperlen und verhindert, dass der Stoff sich mit Wasser vollsaugt. Und dann gibt es die sogenannte Membran. Das ist eine zweite Schicht unter dem Oberstoff. Die Membran soll den Körperschweiß als Wasserdampf nach Außen befördern, aber kein Regenwasser nach Innen durchlassen.

In beiden Schichten setzen die Hersteller Chemikalien ein. Dabei handelt es sich oft um sogenannte "Perfluorcarbone", kurz PFC. Diese Perflourcarbone können sowohl bei der Herstellung der Kleidung als auch später beim Waschen ins Wasser gelangen und damit auch in die Umwelt. Das Problem ist, dass PFC persistent ist, also von der Natur nicht abgebaut werden kann. Darüber hinaus sind diese Stoffe auch noch "bioakkumulativ". Das bedeutet, PFC reichert sich im Gewebe von Lebewesen an. Bei Untersuchungen von Greenpeace konnten Perflourcarbone auch in abgelegenen Bergseen und im Schnee auf drei verschiedenen Kontinenten nachgewiesen werden. Dabei stehen die Perflourcarbone weiter im Verdacht Auswirkungen auf unsere Fruchtbarkeit zu haben, wenn wir zu viel davon in unserem Organismus haben. Schon deshalb ist es eine gute Idee, sich Gedanken zu machen, ob und wie viel PFC man am Körper haben möchte.

SWR1: Kann ich beim Kauf erkennen, welche Materialien eingesetzt wurden?

Schickling: Leider ist das aktuell nicht möglich und es gibt auch keine Deklarationspflicht. Es gibt aber inzwischen eine ganze Reihe von Herstellern, die freiwillig auf PFC verzichten. Darauf können Sie beim Kauf achten. Aber auch die Alternativen zum PFC sind nicht unbedingt ideal. Viele Hersteller arbeiten jetzt mit Polyester in Textilien. Diese Stoffe schuppen beim Waschen und erzeugen kleinste Partikel, die wir überall in der Natur wieder finden: Mikroplastik. Und auch recycelte Materialien sind nicht unbedingt eine umweltfreundliche Alternative. Viele Hersteller werben damit, dass sie ihre Funktionsbekleidung aus Meeresplastik oder aus PET-Flaschen herstellen. Das ist nicht so umweltfreundlich, wie es klingt, weil bei der Herstellung aus den PET-Flaschen sehr viel Energie aufgewendet werden muss.

SWR1: Worauf sollte man noch achten, wenn man neue Regenbekleidung kauft?

Schickling: Greenpeace hat zum Beispiel im Internet ein Factsheet, in dem aufgelistet ist, welche Hersteller mit welchen Materialien arbeiten und sich freiwillig verpflichtet haben, auf PFC zu verzichten. Das finde ich eine gute Idee. Außerdem arbeiten einige Hersteller gebrauchte Jacken ihres Labels wieder auf und verkaufen sie second-hand. Und viele Jacken kann man mittlerweile nach-imprägnieren lassen. Auch das ist eine gute Idee. Die Stiftung Warentest hat auch herausgefunden, dass es bei Funktionsbekleidung nicht so sehr auf das Material ankommt, sondern mindestens genauso darauf, wie die Textilien verarbeitet sind.

Das Gespräch führte Frank Jenschar.

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