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Wir Deutsche gelten als extrem reiselustig - Tendenz steigend. 2018 verreisten 62 Prozent der Bundesbürger - so viele wie nie zuvor. Das belegen Zahlen der Stiftung für Zukunftsforschung. Auf der Strecke bleibt beim Kurzurlaub auf Malle, beim Shopping in London, oder dem Club-Urlaub in der Dom-Rep leider die Nachhaltigkeit. Obwohl das eigentlich kein Problem wäre …

Professor Dirk Reiser von der Hochschule Rhein-Waal in Kleve beziffert die Zielgruppe für nachhaltiges Reisen auf bis zu 20 Millionen Bundesbürger. Oft werden die Interessenten laut Reiser nur von fehlenden Gütesiegeln, unzureichenden Angeboten oder zu hohen Preisen von nachhaltigen Reisen abgehalten. Wichtig, so der Professor für "Nachhaltiges Tourismusmanagement" weiter, ist dass bereits bei der Planung einer Urlaubsreise die Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. Folgende Tipps könnten Ihnen dabei helfen.

Möglichst wenig fliegen

Fliegen schadet dem Klima! Zum einen werden zum Beispiel bei einem Urlaubsflug in die USA rund 3.600 Kilogramm CO2, beim Flug auf die Urlaubsinsel Mallorca rund 600 Kilogramm klimaschädigendes CO2 pro Kopf (!) freigesetzt. Im Vergleich dazu liegt der Jahresausstoß eines Mittelklassewagens mit 12.000 Kilometern Fahrleistung pro Jahr bei 2.000 Kilogramm. Hinzu kommt die Tatsache, dass in großen Höhen ausgestoßenen Abgasen eine bis zu vierfach höhere Treibhauswirkung zugerechnet wird. Experten raten deshalb dazu, längere Strecken auf einem Kontinent per Bahn, Bus oder Pkw zurückzulegen. Wer den Pro-Kopf-Ausstoß des anstehenden Urlaubsfluges oder der nächsten Kreuzfahrt berechnen möchte, findet bei Atmosfair.de einen entsprechenden Rechner.

Warum in die Ferne schweifen?

Blick auf den Schweingartensee im Nationalpark Müritz in Mecklenburg-Vorpommern (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/imageBROKER)
Im Naturpark Müritz gibt es idyllische Flecken wie den Schweingartensee picture alliance/imageBROKER

Sieh, das Gute liegt so nah! Warum also nicht einmal bewusst Urlaub im eigenen Land oder bei unseren angrenzenden Nachbarn machen? Einige Reiseanbieter haben sich auf nachhaltige Reisen in Deutschland spezialisiert: Von der Anreise per Bahn bis zum fünf Sterne Öko-Hotel ist alles dabei. Zu beachten ist aber: Es gibt keinen universell gültigen Standard und kein überall gültiges Siegel für nachhaltige Angebote.

Nachhaltige Unterkünfte

Auch wenn es weiter kein solches Siegel für Nachhaltigkeit gibt, spezialisieren sich immer mehr Hotel- und Gastronomiebetriebe auf derartige Angebote. Bei einem Hotel beginnt das zum Beispiel mit nachhaltiger Wassernutzung, klimaverträglicher Energiegewinnung oder der konsequenten Verarbeitung von saisonalen und regionalen Produkten.

Informationen einholen

Informieren sie sich vor der Reisebuchung im Internet konkret über die Region und die dort angebotenen nachhaltigen Urlaubsmöglichkeiten. Dabei geht es nicht nur darum bei einer Fernreise Land, Leute, Kultur und ein paar Brocken Landessprache zu recherchieren, vielmehr fällt auch ein Überblick über nachhaltige Angebote, zum Beispiel in Form von nachhaltigen Ausflügen deutlich einfacher. Eine solche Recherche verschafft einen ersten wertvollen Überblick und spart jede Menge bunt bedruckte Prospekte. Und das schont wiederum die Umwelt.

Nachhaltige Ausrüstung

Nachhaltig reisen beginnt mit Ausrüstung aus fairer und umweltfreundlicher Herstellung. Im Outdoor- und Reisebereich gibt es dazu entsprechende Markenware zu kaufen. Die hält zum einen oft deutlich länger, zudem haben sich inzwischen viele Hersteller der nachhaltigen und fairen Herstellung verschrieben. Welche Hersteller das sind, darüber finden Sie ausführliche Informationen bei der eoca, der "European Outdoor Conservation Association". Einen Überblick über weitere Nachhaltigkeitslabel für Bekleidung finden Sie auch bei bergzeit.de.

Nachhaltiger Transport

Mann fährt Fahrrad - Ayers Rock im Hintergrund (Foto: Colourbox)
Urlaub mit dem Fahrrad

Endlich vor Ort, sollten dort notwendige Fahrten möglichst mit lokalen öffentlichen Anbietern oder dem Fahrrad durchgeführt werden. Lassen Sie Ihr Auto im Urlaub also möglichst oft stehen oder verzichten Sie auf einen Mietwagen.

Einbringen vor Ort

Auch vor Ort gilt es den ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Kaufen sie lokale Produkte, nehmen Sie lokale Services wahr und achten Sie darauf, dass die Dinge die Sie kaufen nicht aus raren natürlichen Ressourcen entstehen. Passen Sie Ihre Aktivitäten im Urlaub an die Gegebenheiten an. Jet-Ski fahren auf dem Amazonas oder Gletschertouren mit dem Monstertruck sind da wenig zielführend. Respektieren Sie nicht nur Land und Leute, sondern setzen Sie auch in Sachen Umwelt vor Ort auf den Grundsatz: Weniger, wiederverwendbar und wieder verwertbar!

Erfahrungen weitergeben

Ein großes Problem bei nachhaltigen Reisen ist die mangelnde Akzeptanz. Denn, nachhaltig reisen kann anstrengender und teurer sein, als konventioneller All-Inclusive-Urlaub von der Stange. Teilen Sie deshalb positive wie negative Erfahrungen zu nachhaltigen Services, Produkten, Unterkünften oder ganzen Reiseangeboten mit anderen! Bewerten und kommentieren Sie nachhaltige Angebote. Das hilft, so Experten, bei der Verbreitung und der Verbesserung derartiger Angebote.

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