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Not macht erfinderisch - und solidarisch. Wie Pilze schießen in Rheinland-Pfalz Angebote für Hilfsbedürftige aus dem Boden. Ein kleiner Überblick - und ein Vordruck, wenn Sie selber helfen wollen.

Möglichst wenige soziale Kontakte, das ist das Gebot der Stunde, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Ganz besonders gilt diese Regel für alle Risikogruppen: Alte Menschen oder auch Menschen mit Vorerkrankungen. Lebensmittel oder Medikamente müssen trotzdem her. Und seit Tagen finden die Rheinland-Pfälzer Wege, um auf "kurzem Dienstweg" zu helfen.

Vordruck zum Ausdrucken

Wenn auch Sie helfen möchten: Hier finden Sie einen Vordruck, mit dem Sie Nachbarn Ihre Unterstützung anbieten können. Einfach runterladen und ausdrucken:

Analoges Networking

Die bundesweite Initiative #nachbarschaftschallenge macht genau das: Zeigen, dass es reicht, einfach einen Zettel mit einem Hilfsangebot an die Nachbarn zu verteilen. Der Hashtag geht seit einige Tagen viral mit den Posts der Menschen, die genau das getan haben.

Zettel im Hausflur

In der Landeshauptstadt Mainz gibt es in mehreren Stadtteilen Nachbarschaftsinitiativen. Die gab es zwar schon vor Corona, jetzt aber bekommen sie nochmal eine ganz andere Bedeutung und einen anderen Schwung. Vielfach sind die Menschen dabei über Whatsapp vernetzt, aber es werden auch ganz klassisch Zettel verteilt. Denn zur Risikogruppe gehören vor allem ältere Menschen, die nicht unbedingt digital vernetzt sind.

In Mainz hat eine Studentin die "Einkaufshilfe Mainz" ins Leben gerufen. Auch diese Initiative soll im Prinzip wie ein Schwarzes Brett funktionieren: Helfende Hände und Hilfesuchende miteinander in Kontakt bringen.

Eine ältere Frau bekommt von einer Nachbarn Einkäufe zur Haustür gebracht - Nachbarschaftshilfe in Corona-Zeiten (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Roland Weihrauch/dpa)
Älter Menschen bleiben derzeit besser zuhause, um sich nicht mit dem Corona-Virus zu infizieren (Symbolbild) picture alliance/Roland Weihrauch/dpa

Weiter im Süden von Rheinland-Pfalz hat sich die private Facebook-Gruppe "Coronahilfe Haßloch" zusammengefunden – Ziel ist es auch hier, dass Ehrenamtliche für Menschen aus der Risikogruppe Aufgaben übernehmen. In Thallichtenberg im Kreis Kusel organisiert sich das ganze Dorf, um ältere und kranke Menschen zu unterstützen. 50 Helfer haben sich schon gemeldet.

Ein besonderes Hilfsangebot kommt von einer Dachdeckerei in Imsbach im Donnersbergkreis. Das Unternehmen Schultz bietet eine Kinderbetreuung an, zu der auch Kinder kommen können, deren Eltern nicht bei der Firma arbeiten.

In der Pfalz will eine regionale Online-Plattform helfen. Auf Nachbarhilfe-Pfalz.de können sich diejenigen eintragen, die helfen wollen, und diejenigen, die Hilfe suchen. Wer keinen Internetanschluss hat, kann sich außerdem unter der Telefonnummer 06233-3539573 melden. Nach Angaben des Initiators gibt es schon über 65 Freiwillige im Raum Frankenthal, Ludwigshafen und Rhein-Pfalz-Kreis.

Auch Sportler sind am Start

Aus der sportlichen Ecke kommt an verschiedenen Orten im Land ebenfalls der Anpfiff für solidarische Projekte. So hat die TuS Winzeln in Pirmasens einen Einkaufsservice organisiert.

Supermarkt statt Turnhalle

Auch die Sportler vom SV Landau West wollen helfen: Sie machen bei der Aktion "Landau hilft Landau" mit und haben eine Art Lieferservice eingerichtet und kaufen für alle ein, die es gerade nicht können: für Ältere zum Beispiel oder auch für Alleinerziehende. "Landau hilft Landau" zieht Kreise: Der SV Herxheimweyher hat nachgezogen, ebenso der Schwimmverein. Eine Internetseite hat die Aktion inzwischen auch. Dort gibt es mittlerweile einige Hilfsangebote für Landau und die Umgebung.

Auch im Norden von Rheinland-Pfalz zeigt man sich solidarisch mit hilfsbedürftigen Menschen. Ein Beispiel: Die Facebook-Gruppe "Wäller helfen". Von 25 Mitgliedern am Samstag, 14. März, wuchs die Gruppe auf über 2.200 Mitglieder am Sonntag, 15. März. Mitbegründer Björn Flick sagt: "Die Hilfsangebote sind überwältigend."

Auch in Koblenz hat sich eine Initiative aus fünf Studierenden gegründet. Die "Studis gegen Corona" bieten einen Einkaufsservice für Risikogruppen an. Per Telefon und E-Mail können sich Menschen melden, die Hilfe beim Einkaufen benötigen. Die Lebensmittel werden dann vor die Tür gestellt. Erreichbar sind die Helfer unter 0159-01170989 oder per Mail an studisgegencorona@gmail.com.

Auch politische Parteien werden aktiv

Die politischen Parteien im Land werden derweil ebenfalls aktiv: In Wallhalben im Kreis Südwestpfalz hat zum Beispiel die FWG einen Einkaufsservice organisiert. Die Junge Union Zweibrücken sucht "Einkaufshelden" für alte und kranke Menschen. Und die Jusos Rheinland-Pfalz haben gemeinsam mit der SPD Rheinland-Pfalz das Internetportal Nachbarschaftshilfe Rheinland-Pfalz ins Leben gerufen – auch das ein virtuelles Schwarzes Brett, über das sich Helfer und Hilfesuchende vernetzen können.

"Soziale Distanz, nicht soziale Kälte", war vor einigen Tagen die Botschaft von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) an die Rheinland-Pfälzer und Rheinland-Pfälzerinnen. Diese Botschaft ist ganz offenbar quer durchs Land angekommen.

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