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"Grüß Gott, Hollywood" SWR1 Blitzlicht mit Harold Faltermeyer

Harold Faltermeyer, einer der international erfolgreichsten deutschen Komponisten und Produzenten (Beverly Hills Cop, Top Gun u.a.), hat nach "Grüß Gott, Hollywood" mit "Sweet Home Bavaria" gerade sein 2. Buch herausgebracht und bekommt am 3. November in Halle den deutschen Filmmusikpreis für sein Lebenswerk. Beim SWR1-Interview kam es zu einem Wiedersehen mit Musikredakteur und Bassist Thomas "Chuck" Tscheschner, beide haben in den 80er Jahren zusammen mit Udo Jürgens und der Pepe Lienhard Band gearbeitet.

SWR1 Musikredakteur Thomas Tscheschner mit Harold Faltermeyer

SWR1 Musikredakteur Thomas Tscheschner mit Harold Faltermeyer

Lieber Harold, herzlich willkommen bei SWR1! Du bist jetzt auch Buchautor und hast mit "Grüß Gott, Hollywood" und "Sweet Home Bavaria" schon zwei Bücher herausgebracht - was ist schwieriger: Ein Album zu produzieren oder ein Buch zu schreiben?

Ein Buch schreiben ist schwieriger als ein Album zu machen. Weil es erstens ja nicht meine Kernkompetenz ist und ich nicht wirklich ein guter Literat, also Schriftsteller bin - Ich musste schon sehr viele Klimmzüge machen, um diese Bücher fertig zu stellen und Gott sei Dank gibt es meine liebe Frau, Birgit Wolff, die mir dabei geholfen hat. Eine professionelle Journalistin, die den Büchern den letzten Schliff gegeben hat. Bei "Sweet Home Bavaria", das eigentlich das Kochbuch meiner Familie ist, haben mir meine Tochter Bianca, mein Bruder Ralf (ein gelernter Koch) und viele andere Familienmitglieder sehr geholfen. 

"Grüß Gott Hollywood" ist Deine Autobiographie – hattest Du Notizen von früher oder alles aus dem Gedächtnis aufgeschrieben?

Beides. Ich habe ein unglaubliches Gedächtnis, das meine Zeitgenossen immer zur Verzweiflung bringt, ich kann mir wirklich fast alles merken. Dazu kommt, dass ich sämtliche Tagebücher seit 1970 aufgehoben hatte, auf die ich zurückgreifen konnte. Drittens hatte ich einen Historiker und Amerikanist an meiner Seite, der die Geschichten aus den 70ern usw. mit damals aktuellen Ereignissen verbinden und in Einklang bringen konnte.

Welche 4 Songs von Dir würdest du für eine Sendung auswählen?

Harold Faltermeyer: Wenn ich 4 Songs auswählen müsste, würde ich natürlich die Highlights vorschlagen, angefangen mit Donna Summer und "Hot Stuff", Marietta mit "Fire and Ice",  natürlich "Axel F" und auch das Thema von Top Gun ("Top Gun Anthem").

Als der Soundtrack zu "Beverly Hills Cop" herauskam, wann hast du gemerkt, dass sich "Axel F" zum Hit entwickelt?

Es fing damit an, dass es niemand haben wollte. Es war irgendwann als Thema im Film, aber viel mehr wollte niemand davon wissen. Es war die große Zeit der erfolgreichen Multi-Platinum-Soundtracks,  wie z.B. "Saturday Night Fever" oder "Flash Dance", und dann kamen wir mit "Beverly Hills Cop" und verkauften auch Millionen. Aber es war schwierig, niemand wollte ein Stück von der eigentlichen Filmmusik auf einem  Soundtrack haben, man wollte nur Hits, und "Axel F" war ja ein Instrumental-Stück! Ich habe lange kämpfen müssen, um es überhaupt auf den Soundtrack zu bekommen. Als nächstes war es eine B-Seite einer Patty LaBelle-Single. Dann passierte, was in der Branche oft vorkommt, man sagte dazu: Das Ding dreht sich! Die B-Seite wurde zur A-Seite und alle haben "Axel F" gespielt, am Ende haben es in Amerika über 2000 Sender gelistet und unser Radio-Promoter sagte zu mir: „Harold, you have a big Hit!“ ... und der Rest ist Geschichte.

„The heat is on" war ein Hit für Glenn Frey von den Eagles. Wie war die Arbeit mit ihm?

Glenn war schwierig, er war nicht der pflegeleichte Teddybär - Glenn war ein Rockstar. Wie kriegt man den ins Studio? Uns kam zu Hilfe, dass Irving Azoff, Chef der Plattenfirma MCA, auch Manager der Eagles war. Er hat Glenn Frey gesagt: „Du wirst eine Solo-Karriere machen und gehst jetzt ins Studio, zu dem Faltermeyer und dem Keith Forsey und du singst das jetzt“. Also kam Glenn ins Studio und sagte: "Irving send me, I should sing a song“. Wir spielten ihm das Lied vor und er sagte: "Hey guys - I don't know" und wollte es nicht singen. Dann hat er wieder Irving Azoff angerufen und der sagte zu ihm: "Das wird der Titelsong von "Beverly Hills Cop", der Song ist akzeptiert und du wirst das jetzt singen. Aus - Ende - Amen." Die Macht der Manager da drüben ist ja ungleich größer als  bei uns und Azoff hatte auf Glenn Frey großen Einfluss. Letztlich war‘s dann so, dass wir während der Produktion gute Freunde geworden sind und er einen wirklich tollen Job gemacht hat. 

"Shakedown" war ein Nr.1-Hit für Bob Seger - war er der erste Kandidat für diesen Song?

Nein, das war Glenn Frey! Wir wollten wieder Glenn haben und er hat sofort zugesagt, denn "The heat is on" war sein größter Solo-Hit. Das Problem war, "Shakedown" hat ihm einfach nicht gefallen, er konnte sich damit nicht identifizieren und  hat gezögert, gezaudert und einfach nicht gesungen. Irgendwann sagte er, er wolle nochmal schnell heimfahren und später wiederkommen. Er kam aber nicht mehr - sein Roadie hat uns angerufen und gesagt: "Glenn ist auf dem Weg nach Detroit". Jetzt hatten wir ein Problem, der Film war fertig und es fehlte nur noch dieser Song. Wir telefonierten also wieder mit Irving Azoff, der kurzentschlossen Bob Seger vorschlug. Ich bin ins Auto gestiegen, mit der Kassette nach Santa Monica gefahren und treffe dort Bob Seger - in Badehose und T-Shirt - in seinem Appartement. Er hört sich das Lied an, nickt mehrfach und sagt dann: "I do it"! Am nächsten Tag haben wir den Song aufgenommen und es wurde ein Nr.1-Hit…

Du hast auch mit Billy Idol gearbeitet – wurde er seinem Rockstar-Image gerecht?

Ich kenne Billy entweder nur total clean, mit Work-out und braungebrannt oder absolut loose - Alkohol, Drogen, verschwunden, drei Tage lang nicht mehr aufgetaucht usw. - also fast wie bei Jekyll & Hyde. Obwohl er in jeder Phase mit mir unglaublich herzig war, ich habe mich mit ihm immer gut unterhalten. Billy Idol ist auch Schuld daran, dass "Top Gun Anthem" entstanden ist! Ich hatte dieses Thema für einen anderen Film komponiert. Billy Idol hat in New York im Nachbarstudio aufgenommen und irgendwann kommt er in den Kontrollraum und sagt: "Harold, das ist Top Gun -  this Song is great - this is Top Gun". Ich hab erst mal gedacht: Jetzt spinnt er vollkommen. Aber ich hörte mir das Thema nochmal an und dachte: Naja, vielleicht hat er nicht Unrecht. Als ich später von den Filmproduzenten Jerry Bruckheimer und Don Simpson gefragt wurde, ob ich schon eine Idee für das Top Gun-Thema hätte, habe ich gesagt: Ja!

Zusammen mit Giorgio Moroder hast Du Donna Summer schon in München und später in den USA produziert. Hat der Erfolg Donna verändert, wurde sie zur Diva?

Also ich glaube, dass Donna in ihrer Struktur eine Diva war - sie war "destined to be star" – sie war dazu geboren, ein Star zu sein. In München war sie noch ein kleines Licht, sie hat im Musical "Hair" sinnigerweise die Donna gespielt, und da habe ich sie kennengelernt. Nach den Vorstellungen kam sie bei uns im Club vorbei und hat ab und zu mitgesungen. Als später ein Hit nach dem anderen gelang, kam natürlich zu dem Star das Geld, zu dem Geld ein gewisser Lifestyle und den hat sie voll ausgelebt. Es war manchmal ein Kampf, bis wir sie endlich soweit hatten, zu erscheinen und endlich zu singen, aber wenn sie dann gesungen hat, war's natürlich zum Niederknien…

Die Pet Shop Boys waren auch in deinem Studio – wie haben sie die bayerische Lebensart so angenommen?

Das haben sie geliebt! Wir haben ja bei uns in Baldham eine schöne Almhütte aufgestellt und da gibt’s auch Bier vom Fass – und das hat ihnen sehr gut geschmeckt. Wir mussten dann Regeln aufgestellen: "First comes the work, then comes the beer" – also erst die Arbeit, dann das Bier. Sie haben dann immer schnell die Keyboards programmiert und gerufen: Song is ready! … und dann gab es wieder ein Bier (lacht). Das war wirklich sehr lustig und sie haben das sehr genossen, den "Bavarian Lifestyle".

Wir haben uns in den 80ern bei Udo Jürgens und der Pepe Lienhard Band getroffen. Wie und wann hast Du Udo kennengelernt?

Das erste Kennenlernen war kurios – Udo wohnte auch in Baldham und mein Vater wollte, dass er sich unsere Kinder-Band mal anhört und Ratschläge gibt. Und er hat’s geschafft, dass Udo eines Nachmittags bei uns aufschlug. Meine Mutter hat einen Kuchen gebacken und Udo hat ein Stück davon verkostet, und mit diesem einen Stück kam sein zweites, und so ging es weiter - ob er noch eines haben darf. Wir haben hinten gespielt und es hat ihn überhaupt nicht interessiert – es hat ihn nur der Aprikosenkuchen interessiert. Zum Schluss sagte er: "Was Ihr da macht ist ganz gut. Aber Ihr müsst noch viel üben – dann wird’s auch mal was mit Euch. Ich muss aber leider jetzt los …" und weg war er.

Das nächste Mal trafen wir uns, als ich schon in den USA aktiv und erfolgreich war. Von seinem Manager Freddy Burger kam das Angebot, mit Udo in den USA ein englischsprachiges Album zu produzieren - so kam ich zu Udo Jürgens zurück. Wir haben in Los Angeles mit den besten Musikern von L.A. das Album "Leave a little love" produziert und Udo war höchst professionell, konzentriert und kompetent – es war eine Freude, mit ihm zu arbeiten. Wir haben uns bei dieser Produktion angefreundet und dann in München ein weiteres Album "Silberstreifen" aufgenommen. Und aus diesem Album ist einer seiner größten Hits entstanden, nämlich: "Ich war noch niemals in New York".

Lieber Harold, vielen Dank für deinen Besuch und weiterhin viel Erfolg!

Lieber Chuck, vielen Dank für die Einladung, es hat richtig Spaß gemacht bei Euch!