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Lüften, lüften, lüften - das ist die Devise in der Corona-Pandemie. Sind mobile Luftfilteranlagen eine Alternative für die kalte Jahreszeit? SWR-Umweltredakteurin Sabine Schütze hat sich die Geräte genauer angeschaut.

Können uns diese Geräte wirklich vor Coronaviren schützen?

Sabine Schütze: Ja! Aber nur, wenn die Filteranlagen sehr leistungsstark sind. Und genau das ist bei den meisten derzeit angebotenen Geräten nicht der Fall. Außerdem kommt es auf die Art der Luftreinigung an. In Bezug auf das Corona-Virus stehen nur UV-Licht-Anlagen und HEPA-Filter im Ruf, einen ausreichenden Schutz bieten zu können - und das auch nur unter bestimmten Bedingungen.

HEPA-Filter gibt es auch in vielen Staubsaugern. Ist der Staubsauger eine Alternative?

Schütze: Nein, der Staubsauger ist keine Alternative. Denn er ist zu laut und seine Filter sind nicht fein genug, um die Coronaviren aus der Luft zu fischen.

HEPA-Filter im Flugzeug (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Kota Kawasak)
Große HEPA-Filter werden zum Beispiel auch in Flugzeugen zur Luftreinigung eingesetzt. Kota Kawasak

Damit das gelingt, müssen die Luftfilter der Geräte über einen so genannten H14-Schwebstoffteil-Filter verfügen. Das sind genau die selben Filter-Typen, die auch in Operationssälen eingesetzt werden. Und diese Filter müssen nach einer speziellen EU-Norm (EN1822-1) geprüft worden sein. Viele der jetzt angebotenen Geräte verfügen "nur" über einen H13-Filter. Dieser Filter ist grobporiger und schafft es nur, größere Bakterien aus der Luft zu filtern.

Ebenfalls sehr wichtig ist der Luftdurchsatz. Also: wie viel Kubikmeter Luft ein solches Gerät in der Stunde umwälzen kann. Experten gehen davon aus, dass ein rund 30 Quadratmeter großer Raum mindestens eine Luftumwälzung von 1.000 Kubikmetern pro Stunde benötigt. Die meisten Geräte schaffen aber gerade einmal 400 bis 500 Kubikmeter oder noch weniger.

Nicht zu vergessen: Ein solcher Luftfilter braucht Pflege. Die Filter müssen regelmäßig gewechselt werden, um effektiv arbeiten zu können.

HEPA-Filter (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Justin Tang)
Professionelle HEPA-Filter-Anlagen müssen nicht nur die H14-Norm erfüllen, sie müssen auch über genügend Leistung verfügen, um effektiv filtern zu können. Justin Tang

Wie funktionieren Geräte mit UV-Licht?

Schütze: Diese Geräte saugen die Raumluft an und führen sie an einer UV-Lichtquelle vorbei. Meist geschieht das in Kombination mit einem HEPA-Filter. UV-Strahlung ist sehr energiereich und die UV-C-Strahlung tötet auch Viren ab.

Bei solchen Geräten ist also vor allem die Leistung der Lichtquelle entscheidend. Nur wenn sie ausreichend ist, wirkt das Gerät auch. Da UV-C-Strahlen aber bei direktem Kontakt mit der Haut oder den Augen großen Schaden verursachen können, sollte ein solches Gerät unbedingt geprüft sein. Außerdem steht UV-Licht im Ruf, das Erbgut des Menschen nachhaltig zu schädigen. Ein unbeaufsichtigter Betrieb, zum Beispiel in Schulen oder Kindergärten, ist somit keine gute Idee.

Wie lautet also Ihr Fazit?

Schütze: Mobile Luftfilteranlagen sind kein Ersatz für konsequentes, regelmäßiges Lüften, da sie meist nicht leistungsfähig genug sind. Eine Ergänzung zum Lüften in der kalten Jahreszeit zum Beispiel in Schulen oder Restaurants können nur Geräte darstellen, die mindestens das Sechsfache des Rauminhaltes pro Stunde an Luft umwälzen können. Außerdem können solche Geräte eine direkte Ansteckung, zum Beispiel durch den Sitznachbarn, nicht wirklich verhindern. Für den Privatgebrauch sind solche leistungsfähigen Anlagen mit Preise ab rund 3.000 Euro dann aber zu teuer.

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