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Ein gutes Mittagessen und danach einen gepflegten Mittagsschlaf. Vielleicht besser nicht, denn Forscher wollen herausgefunden haben, dass ein langer Mittagsschlaf ungesund sein könnte.


Wir haben bei Dieter Kunz, Schlafforscher aus Berlin, nachgefragt, wie gesund ein kleines Nickerchen am Tage wirklich ist.

SWR1: Schlafen Sie mittags?

Dieter Kunz: Ich würde so gerne, aber ich tue es nicht. Ich habe auch allen meinen Mitarbeitern angeboten, dass sie bei uns schlafen können. Das macht aber auch keiner.

SWR1: Wie lange sollte der Mittagsschlaf sein?

Kunz: Kurz ist super. Es wird einmal das Gehirn reingewaschen. Innerhalb weniger Sekunden wird alles rausgeschmissen, was an Müll reingekommen ist. Bei kleinen Kindern ist der Mittagsschlaf essenziell für die Entwicklung des Gehirns, insbesondere den Bereich der Emotionalität. Längerer Schlaf ab einer halben Stunde kann Ausdruck dafür sein, dass ich in der Woche davor zu kurz geschlafen habe und ein riesiges Schlafbedürfnis habe. Dann ist ein längerer Schlaf auch gut. Aber in den meisten Fällen zeigt ein langer Schlaf, dass der Nachtschlaf qualitativ gestört ist und ich in der Folge ein erhöhtes Schlafbedürfnis habe.

SWR1: Was mache ich denn, wenn ich nachts keinen regelmäßigen Schlaf bekomme, weil ich vielleicht ein Baby habe oder mich die Müllabfuhr frühmorgens weckt. Ist dann ein längerer Mittagsschlaf gut oder ist der immer ungesund?

Kurz: Nein, der ist nicht immer ungesund. Und jeder weiß das im Grunde selbst. Wenn ich einen langen Mittagsschlaf gemacht habe und danach nicht mehr auf die Beine komme, dann sollte ich das in Zukunft sein lassen. Jeder sollte das an sich selbst ausprobieren. Das ist aber eine sehr einfache Antwort auf eine sehr komplizierte Frage. Das Gehirn ist nachts wahrscheinlich noch komplizierter als tagsüber. Einfache Antworten kann man nicht erwarten.

SWR1: Hilft es zu schlafen, wenn man müde ist?

Kurz: Wir unterscheiden schläfrig und müde. Müde ist ausgebrannt. Da wäre es schön, wenn man dann schlafen könnte, aber das können die meisten nicht. Aber wenn sie schläfrig sind, machen sie die Augen zu und schlafen sie.

SWR1: Es heißt, wer nach dem Nachtschlaf vom Wecker geweckt wird, hat nicht genug geschlafen. Das geht doch aber ganz vielen Leuten so. Was machen wir denn alle falsch und wie machen wir es richtig?

Kurz: Wir sollten den Wecker ausstellen.

SWR1: Dann verschlafen wir vielleicht.

Kurz: Das tut mir leid. Aber nachts wird gearbeitet und da laufen Programme ab. Wenn die nicht fertig sind, sind sie nicht fertig. Dann dürfen Sie sich tagsüber nicht wundern, dass Sie nicht ausgeruht sind und dass Sie ihre Leistungsfähigkeit nicht bringen.

SWR1: Muss man also um 22 Uhr ins Bett gehen damit man morgens um 6 Uhr fit ist?

Kurz: Ungefähr 70 Prozent der Bevölkerung sind dafür gebaut, von 22 Uhr bis 6 Uhr zu schlafen. Da ist das sicherlich klug. Aber es gibt ein System der "Inneren Uhren". Bei einigen Menschen ist die Schlafzeit genetisch bedingt nach hinten verschoben. Die können um 22 Uhr nicht schlafen. Wenn sie sich um diese Uhrzeit hinlegen müssen, passiert einfach gar nichts. Sie müssen dann schlafen, wenn Ihre innere Uhr dafür richtig steht.

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