Michael Patrick Kelly (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Dirk Pagels/SULUPRESS.DE)

Michael Patrick Kelly im SWR1 Interview

"Wir Musiker sind für die 'Emotions' da. Das ist unser Job."

STAND

Michael Patrick Kelly ist nach der Corona-Zwangspause zurück. "Boats" heißt sein neues Album und seine große Tour, auf der er Ende September auch in Mannheim Station macht. Wir haben mit ihm über die "Boats-Tour", seinen "Best Bad Friend" und die Ukraine gesprochen.

Audio herunterladen (6,3 MB | MP3)

SWR1: Sie gehen nach einer Zwangs-Pause wieder auf Tour, wie fühlt sich das an?

Michael-Patrick Kelly: Meine letzte Tour liegt fast drei Jahre zurück, und es ist für mich ein großer Traum, der in Erfüllung geht. Manchmal muss man etwas verlieren, um es dann wieder schätzen zu können. Ich kann es nicht abwarten, bis ich endlich wieder auf die Bühne kann und mit den Menschen meine neuen und die alten Songs feiern kann. Ich bin ein bisschen wie ein Rennpferd, das nur darauf wartet, bis die Schranke endlich aufgeht. Konzerterlebnisse sind im Moment sehr emotional. Viele Menschen haben die letzten zweieinhalb Jahre viel durchgemacht, und ich glaube Musik triggert einfach die Emotionen. Es ist auch gut, wenn man losheult oder losbrüllt, schreit, sich freut, tanzt - was auch immer. Dafür sind wir Musiker da. Mediziner sind für unsere Gesundheit da - die Feuerwehr und die Polizei für unsere Sicherheit. Wir Musiker sind für die "Emotions" da. Das ist unser Job.

SWR1: Die Tour steht so weit. Gibt es ein besonderes Highlight, auf das sich die Fans freuen dürfen?

Kelly: Diese Tour heißt "BOATS" und so heißt auch mein Album. Das sind die Initialen für "b-ased o-n a t-rue s-tory" , weil alle Songs auf wahre Geschichten basieren. So viel kann ich verraten: Es wird ein gelbes Boot dabei sein. Nicht so ganz so wie bei "Deichkind", wo die Musiker mit einem Schlauchboot über die Hände und die Köpfe der Zuschauer schwimmen. Ich habe ein gelbes Boot dabei, so wie auf dem Album-Cover.

SWR1: Sie haben als Kind angefangen Songs zu schreiben. Bis heute sind es über 300. Wie schwer ist es, da eine Set-List für die Tour zusammen zu stellen?

Kelly: Es ist sehr, sehr schwer. Ich hatte auch viele Anfragen von Leuten, die uns als Support-Act begleiten wollten und ich habe mit meinem Veranstalter hin und her gerungen, weil ich gesagt habe: Leute, ich habe so Bock, jetzt eine lange Show zu spielen. Wir reden hier von 25 bis 28 Songs. Deswegen haben wir uns gegen einen Support-Act entschieden. Damit kann die Show etwas länger dauern als sonst, weil es auch so lange gedauert hat, bis man wieder auf die Bühne konnte.

SWR1: Auf dem Album gibt es ja nur Songs mit wahren Begebenheiten. Jetzt gibt einen neuen Song zusammen mit Rea Garvey. Gibt es dazu auch eine wahre Geschichte?

Kelly: Tatsächlich ja. "Best bad friend" ist ein Song über Freundschaft und Humor. Rea und ich, wir wurden beide auch schon verhaftet. Ich einmal, Rea fünfmal. Aber bevor man uns jetzt schnell richtet: Es war immer für einen "guten Zweck". Ich wurde in New York bei einer Friedensdemo vor den Vereinten Nationen verhaftet. Rea in Irland. Da hat er bei einer Protestaktion für Menschenrechte mitgemacht. Wir haben aber das Ganze im Text ein bisschen so gedreht, als wären wir Ganoven. Sonst würde das ein bisschen "cheesy" klingen.

Ich glaube, jeder von uns hat irgendjemand in seinem Kontaktverzeichnis, den man anruft, wenn man wirklich "in trouble" ist. Das ist der "best bad friend". Manchmal ist das aber auch ein Freund oder eine Freundin, mit dem/der man auch Trouble machen und über jeden Unsinn lachen kann. Rea und mir war es einfach wichtig, einen Song über Freundschaft und Humor "rauszuhauen". Es ist wichtig in dieser Zeit, in der wir gerade sind, den Zusammenhalt durch dick und dünn zu feiern. Wir wollten mit diesem Song und mit dem verrückten Video, bei dem ich am Ende Farbe über den Kopf geschüttet bekomme und Rea sich kaputt lacht, den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das Ziel ist einfach, dass die Leute gute Laune bekommen und drei Minuten ihre Probleme vergessen – "a good time, good vibes".

Michael Patrick Kelly und Rea Garvey (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Ben Kriemann/Geisler-Fotopress)
Michael Patrick Kelly (l.) und sein "best bad friend" Rea Garvey (r.). Ben Kriemann/Geisler-Fotopress

SWR1: Neben der Musik versuchen Sie mit Ihren Mitteln die Welt etwas besser zu machen. Sie waren mit der "Sea-Watch 4" im Mittelmeer unterwegs, es gibt Schweigeminuten auf Ihren Konzerten, Sie haben das Projekt "Peace-Bell". Mit Blick auf die Situation in der Ukraine: Haben Sie den Eindruck, dass Sie da in ihrer Position etwas "verbessern" können.

Kelly: Ja. Freunde von mir sind gerade aus der Ukraine zurückgekommen. Die bringen Nahrungsmittel, Kleidung und Medizin lastwagenweise zu den Menschen, die da wirklich in Not sind. Die Organisation heißt "Art Helps" und die unterstütze ich gerade mit meinem "Peace-Bell"-Projekt mit Spenden. Rae Garvey tut das auch. Das ist wirklich konkrete Hilfe. Das ist nicht nur poetisch-idealistisches Friedens-Gelaber, sondern das ist humanitäre Hilfe. Das versuchen wir im Moment mit den Mitteln und dem Netzwerk, das wir haben, zu tun. Bei meinen Konzerten ist es so, dass ich immer eine Schweigeminute für den Frieden habe - mitten in einem Rockkonzert. Das ist wirklich ein sehr, sehr starker Moment, wenn 10.000 Leute kurz mal die Klappe halten und alle still sind. Das hat eine wahnsinnige Kraft. Um diese Friedensminute einzuleiten, da habe ich die "Peace-Bell". Das ist eine Friedens-Glocke, die aus Kriegsschrott gegossen wurde.

Peace-Bell (Foto: dpa Bildfunk, Dirk Pagels/SULUPRESS.DE)
Aus Kriegsschrott hat Michael Patrick Kelly diese "Peace-Bell" geschmietet. Dirk Pagels/SULUPRESS.DE

Es ist ja so: Im ersten und zweiten Weltkrieg wurden über 150.000 Kirchenglocken beschlagnahmt, um Waffen herzustellen. Man hat aus diesem Metall Granaten und Patronen und was weis ich alles hergestellt. Wir haben diesen Prozess umgekehrt. Wir haben Granathülsen, die in Kriegsgebieten gefunden wurden, gekauft, eingeschmolzen und eine "Peace-Bell" gegossen. Für die große Arena-Tour im September bin ich gerade dabei, eine 840 Kilo große "Peace-Bell" zu schmieden, mit Kriegsschrott aus der Ukraine. Wir haben Granathülsen aus Kiew und Metallteile von einem verschrotteten Panzer aus der Region Butscha und das wollen wir alles einschmelzen um diese große Glocke zu schmieden. Und diese Glocke wird auch beim Konzert in Mannheim die Schweigeminute für den Frieden einläuten.

Das Gespräch führte Torsten Buschmann.

23. September – SWR1 Thema Heute Autor Kaminer: "Putin bringt alle um"

Russen flüchten vor der Teilmobilmachung. Flüge ins visafreie Ausland sind ausgebucht. An der Grenze zu Finnland gibt es lange Schlangen. In Deutschland diskutieren Politiker darüber, russische Kriegsdienstverweigerer aufzunehmen. Auf EU-Ebene ist das Bild ein anderes: Die baltischen Staaten und Polen lassen keine Russen ins Land. Die Menschen in Russland können den Ukraine-Krieg nicht mehr verdrängen. „Putin in den Schützengraben“, rufen die Mutigen, die protestieren. In diesem Podcast: Ein Interview mit Autor Wladimir Kaminer. Bekannt wurde er durch das Buch „Russendisko“. Er sagt: „Putin bringt alle um.“ Und Kaminer erzählt, wie Verwandte in Russland versuchen, der Einberufung zu entgehen.  mehr...

1982 – SWR1 Meilensteine Dire Straits – "Love Over Gold"

"Love Over Gold" ist das vierte Studio Album der Dire Straits. Das Album erlangte weltweit zwölf Mal Platinstatus und wurde knapp drei Millionen Mal verkauft!  mehr...

Audio zur Sendung | 2.10.2022 Axel Stein | Schauspieler

Schon mit 15 startete Axel Stein als Schauspieler durch: Als dicker Sohn „Tommie“ bei „Hausmeister Krause“ hatte er die Lacher auf seiner Seite. Heute ist er 45 Kilo leichter, hat unzählige Rollen gespielt und ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden. Eines ist gleich geblieben: Schauspieler ist nach wie vor sein Traumberuf.  mehr...

Leute SWR1 Rheinland-Pfalz

Über neue Alben, Projekte und Konzerte MusikerInnen im SWR1 Interview

SWR1 Musik  mehr...

STAND
AUTOR/IN
SWR