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Adrian Beric (Foto: SWR, SWR1)

Totgesagte leben länger, heißt es immer so schön. Aber das Comeback der Tina Turner im Jahr 1984 wird zum globalen Phänomen. Im Grunde ist es ohne Beispiel in der Musik-Geschichte.

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Ein junger Australier hilft beim Neu-Anfang

Jeder Mensch weiß heute, dass Tina Turner eine Karriere vor ihrem Leben als Solo-Künstlerin hatte. Und jeder weiß – auch Dank eines Hollywood-Filmes – dass ihr Leben als Teil des Duos "Ike & Tina Turner" die Hölle gewesen ist. Es dauert Jahre, bis sie aus dieser Hölle heraus kommt. Und es dauert Jahre, bis sie sich auch musikalisch von ihrem Ex-Mann emanzipiert. Immer wieder bringt sie Solo-Alben heraus, die aber alles andere als kommerziell erfolgreich sind. Jahrelang tritt sie in kleineren Clubs auf – das Schicksal von Musikern, die mal bessere Zeiten gesehen haben. Einen erneuten Versuch durchzustarten gibt es Anfang der 80er Jahre. Sie braucht dringend ein neues Management, und wie Turner in ihrer aktuellen Biografie schreibt, ist es eine ihrer Tänzerinnen, die ihr einen Tipp gibt. Der Tipp führt zum Australier Roger Davies, der – für Tina Turner völlig überraschend – keine 30 ist, als er einen Deal mit der Sängerin eingeht.

Ein Album wird buchstäblich zusammengepuzzelt

In dieser neuen Biografie beschreibt Turner die abenteuerlichen Umstände, unter denen "Private Dancer" entsteht. Denn weder Sängerin noch Manager haben irgendeine Ahnung, wohin die Reise gehen soll. Tatsächlich geht die Reise nach London, wo zunächst nur wenige Wochen Studio-Zeit gebucht sind. Im Grunde genommen ein Harakiri-Unternehmen, denn teure Studio-Zeit ohne bestehendes Songmaterial zu buchen, grenzt an Größenwahn. – Roger Davies putzt Klinken, fährt mit dem Auto quer durch London; immer auf der Suche nach Material, nach Song-Schreibern, nach Produzenten. Und er wird fündig! Leute wie Mark Knopfler helfen gerne – auch zwei Drittel des Trios "Heaven 17" sind mit an Bord. Das ganze Album besteht aus einem Sammelsurium der verschiedensten Songwriter und Produzenten. Nichts ist aus einem Guss – und das macht diese LP so besonders. Jeder Song klingt anders – denn jeder Song trägt eine andere Handschrift. Alles wird zusammengehalten von Tina Turners Stimme, die ihre ganze Persönlichkeit hineintut. Die Titel "What's Love Got To Do With It" (den sie beim ersten Hören nicht ausstehen kann!) und "Private Dancer" werden zu besonderen Kostbarkeiten, weil sie persönlich viel Herzblut investiert.

Ein Comeback wie im Märchen

Als die LP dann 1984 veröffentlicht wird, kann keiner ahnen, welche Lawine da losgetreten wird. Millionenverkäufe, Grammy-Ehren, und, und, und… . "Private Dancer" ist für Tina Turner der Startschuss in ein neues Leben. Das Album zementiert ihren Ruf als Superstar. Finanziell hat sie ausgesorgt.

Cover: Tina Turner - "My Lovestory" (Foto: Random House/Penguin Verlag)
Das Buch "My Love Story" von Tina Turner ist im Penguin Verlag, München unter ISBN 978-3328105206 erschienen und kostet 14 Euro. Random House/Penguin Verlag

Und das nicht nur dank der Verkaufszahlen der LP. Das hat vor allem mit einer begleitenden Konzert-Tournee zu tun. Und man darf sich ruhigen Gewissens fragen, wo sie die schier übermenschschliche Kraft für diese Tournee herholt. Denn von Februar bis Dezember 1985 steht sie sage und schreibe 177 Mal auf der Bühne – auf vier Kontinenten. Kein einziges der Konzerte fällt aus. Sie steht ihre Frau.

Private Schicksalsschläge

Aber auch Tina Turner ist nur ein Mensch – trotz all der übermenschlichen Kraft, die sie irgendwie aus dem Nichts herzuholen scheint (ihr buddhistischer Glauben spielt dabei allerdings eine ganz große Rolle): In den letzten Jahren – sie ist mittlerweile deutlich jenseits der 70 – hat sie mit lebensbedrohlichen Krankheiten zu kämpfen gehabt – und die werden erst jetzt durch ihr neues Buch bekannt: Ein Schlaganfall, Krebs, Nierenversagen (ihr Ehemann Erwin Bach spendet ihr im Jahr 2017 eine Niere). Dazu kommt auch noch, dass sich ihr erstgeborenes Kind – Sohn Craig – im Jahr 2018 im Alter von 59 Jahren das Leben nimmt. Reichtum hin oder her: Tina Turner – geborene Anna Mae Bullock – hat es im Leben nie leicht gehabt. Dass sie immer kämpfen musste, hat dafür gesorgt, dass sie für viele, viele Menschen Idol und Inspirations-Quelle geworden ist.

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