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Adrian Beric (Foto: SWR, SWR1)

Die Scorpions – eine deutsche Band, die den internationalen Durchbruch geschafft hat. Und mit "Wind of Change" einer ganzen Generation eine Hymne schrieben.

Die Namenlosen

Am Anfang der Erfolgsgeschichte war das Nichts. Oder anders gesagt: Das Namenlose. "Nameless" nennen sich die Scorpions zu Beginn. Vielleicht nicht besonders kreativ. Aber: Gründungsmitglied Rudolf Schenker hat dann eines Tages doch noch einen besseren Einfall. Ein Bandname soll es sein, der gleichzeitig international, Sternzeichen und Synonym für die Nadel (dem Stachel) auf dem Plattenspieler ist. Die Geburtsstunde der Scorpions. Musikalisch wurde gespielt, was in der englischen Hitparade ganz oben war – und das waren hauptsächlich die Songs der Beatles.

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Von Hannover nach Japan

In ihrer Heimatstadt Hannover gewinnen die Scorpions auf Anhieb einen Nachwuchswettbewerb – gerade noch so, weil sie eigentlich ihre erlaubte Spieldauer überzogen haben. Nach dem Sieg dauert es nicht lange bis 1972 ihr Debüt erscheint: "Lonesome Crow". Was dann folgt, ist eine rasante Erfolgsgeschichte. Die erste Europatournee, später dann Co-Headliner der Band KISS, sogar Goldstatus in Japan. Besser könnte es nicht laufen.

Aber wie das so ist im Leben – mit manchen Dingen rechnet man einfach nicht. Anfang der 80er-Jahre verliert Sänger Klaus Meine seine Stimme. Eine schwere Zeit, in der die Versuchung aufzugeben groß ist. Langwierige Therapien und zwei Operationen an den Stimmbändern folgen. Die Band hält aber zusammen – und 1982 erscheint das Album "Blackout". Klaus Meine überrascht sogar mit neuem Stimmvolumen.

Präsidiale Inspiration

You have to realize, we live in a crazy world.

George Bush

"Ihr müsst einsehen, dass wir in einer verrückten Welt leben." Worte des ehemaligen US-Präsidenten George Bush. Und dieses Zitat hat eingeschlagen – zumindest bei den Scorpions. Bei denen war Ende der 80er auch ganz schön viel los. Sie trennen sich von ihrem langjährigen Manager Dieter Dierks und stehen jetzt auf eigenen Beinen, was das neue Album betrifft. Sänger Klaus Meine findet das aber gut. Er sagt damals selbst, dass sich die Band "wie Vögel fühlt, die man aus einem Käfig lässt." Als dann das Album produziert wird, steht schnell der dazugehörige Titel fest: "Restless Night". Doch irgendwie geistert Schlagzeuger Herman Rarebell immer noch das Zitat von Präsident Bush im Kopf herum – und er findet, es passt zum neuen Album der Scorpions. Eine verrückte Welt – "Crazy World".

Die Hymne der Wende

Ein Song wird aber zum absoluten Durchbruch und zum Sound dieser Zeit: "Wind of Change". Ganz oft hört man ja: "Wind of Change" wurde explizit über den Mauerfall geschrieben. Das stimmt aber nicht! Die Scorpions hatten zwar das Gefühl, dass sich was ändern wird – aber was und wann, das wusste niemand so genau. Die Inspiration zu "Wind of Change" kam dann nach einem Auftritt in Moskau. Und das war auch ein beeindruckendes Bild: Russische Staatsbürger singen gemeinsam mit den Scorpions, einer deutschen Band. Was für ein Wandel.

"Als ich den Song geschrieben habe, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt, dass sich die Dinge so schnell verändern in den Beziehungen zwischen Ost und West, dass die Berliner Mauer gefallen ist – wer hatte das gedacht damals?"

Klaus Meine

Wer hätte das gedacht – die Scorpions hatten es im Gespür. "Wind Of Change" wird zum erfolgreichsten Song des Jahres 1991. Und das zugehörige Album "Crazy World" ist absolut zurecht einer unserer SWR1 Meilensteine.

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