SWR 1 Meilensteine (Foto: SWR)

1971 - SWR1 Meilensteine

Jethro Tull - "Aqualung"

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"Aqualung" ist das vierte Studioalbum der britischen Band Jethro Tull. Als es am 19. März 1971 erscheint, ist noch lange nicht ausgemacht, dass es auch Erfolg haben würde.

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Im Vergleich zur heutigen Schnelllebigkeit, hatten die Fans offensichtlich viel mehr Zeit und Geduld. Das Album jedenfalls konnte reifen. Über die Jahre hat es sich immer besser verkauft und es gilt heute als eines der besten und auch erfolgreichsten Rockalben überhaupt. Ein SWR1 Meilenstein eben.

Die SWR1 Musikredakteure Frank König und Christian Pfarr besprechen ein Album, mit dem sich die Rockfans erst einmal anfreunden mussten. Vieles war eben nicht typisch für den Rock der frühen 70er. Ian Andersons Querflöte steht gleichberechtigt neben der E-Gitarre von Martin Barre - und wird zum Rockinstrument! Und dann gibt’s noch einen erstaunlichen Mix aus Folk, Prog- und Hardrock Elementen auf die Ohren.

Ian Anderson von Jethro Tull mit Querflöte (Foto: Veranstalter -)
Ian Anderson Veranstalter -

Klar wird auch: Songschreiber, Sänger, Flötist und Gitarrist Ian Anderson ist das Mastermind bei Jethro Tull. Er bestimmt den Gesamtsound des Albums - den kann man, auch eher ungewöhnlich für die frühen 70er, knochentrocken nennen. Mit Soundeffekten gehen Jethro Tull äußerst sparsam, aber umso effektvoller um.

Auch das inhaltliche Konzept des Albums ist keine leichte Kost

Die A-Seite beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Menschen am Rande der Gesellschaft. Der Obdachlose Stadtstreicher "Aqualung" oder die schielende Straßenprosituierte "Cross-Eyed Mary" werden von Ian Anderson beschrieben als Menschen, deren Würde genauso unantastbar sein sollte, wie die eines jeden andern Menschen auch. Die B-Seite mit dem Klagelied "My God" reflektiert über Gott und was wir Menschen aus ihm gemacht haben.

Jethro Tull - Locomotive Breath (Foto: Chrysalis)
Chrysalis

Hört man das Album zum ersten Mal oder nach langer Zeit wieder, klingt es ungewohnt und etwas sperrig. Bleibt man aber dabei, entfaltet sich eine Welt aus Klängen, Energie und Botschaften die eindringlicher kaum sein könnte. Alles gipfelt natürlich auf der vorletzten Nummer der B-Seite: "Locomotive Breath". Gemeint als Sinnbild für Gottes Schöpfung, kann er aber auch für das ganze Album stehen. Wie die Lokomotive, ist auch das Album ganz langsam angefahren und war dann nicht mehr zu stoppen.

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