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Live-Alben sind ein zweischneidiges Schwert. Oft sind sie Ladenhüter, denn meistens interessieren sich nur die Hardcore-Fans. Aber manchmal wird dann doch ein Klassiker daraus. So wie hier.

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Ein Welterfolg sorgt für ein Luxus-Problem

Im Jahr 1979 sind Supertramp auf dem Gipfel ihres Ruhms angelangt. Im März war ihr Klassiker "Breakfast in America" veröffentlicht worden. Ein Album, das sich weltweit zum Multimillionen-Seller entwickelt hatte. Wie üblich bei solchen Platten-Verkäufen, müssen die Künstler dem Erfolg Nahrung geben und anstrengende Touren unternehmen. Solche Erfolge sorgen gleichzeitig für Begehrlichkeiten bei den Platten-Firmen. Das ist damals bei Supertramp nicht anders. Die Briten stehen vor dem Druck, schnell ein neues Studio-Album nachschieben zu müssen. Ist der Zeitdruck zu groß, darf es auch gerne ein Live-Album zum Überbrücken sein.

Eigentlich ein "Crime Of The Century"-Live-Album

Erstaunlicherweise findet "Breakfast in America" auf dem Live-Album aber kaum statt. Tatsächlich werden nur drei Lieder davon gespielt. Laut Rodger Hodgson hatte das damit zu tun, dass die sehr lange Doppel-LP (94 Minuten Laufzeit!) dafür sorgen sollte, ein größeres Publikum auf die Supertramp-Songs VOR der "Breakfast"-Zeit aufmerksam zu machen. Man darf sich also nicht wundern, wenn man hier fast das komplette Supertramp-Album "Crime of The Century" zu hören bekommt.  Die beiden Alben dazwischen - also "Crisis? What Crisis?" und "Even In The Quietest Moments" werden nur mit drei bzw. zwei Titeln bedacht.

Supertramp live: ein Genuss!

Was man bei dem Pariser Live-Album bestaunen kann: Supertramp waren eine unglaubliche Live-Band. Alles sitzt. Manches ist nah an Studio-Qualität. Und das ist absolut nicht selbstverständlich! Besonders beim Gesang müssen Fans für gewöhnlich damit rechnen, dass da nicht unbedingt jeder Ton getroffen wird. Aber sowohl Rick Davis als auch Roger Hodgson beeindrucken hier mit ihren gesanglichen Fähigkeiten. Von den Instrumenten mal ganz zu schweigen. Die klingen in ihrer Perfektion fast so als hätte man es mit Playback-Studioaufnahmen zu tun. Hier ist aber rein gar nichts Playback. Davon kann man sich in Filmaufnahmen überzeugen. Denn das Konzert wird auf Film mitgeschnitten und kann heute auf DVD bewundert werden. Wie gut Supertramp live funktionieren,  erstaunt umso mehr, wenn man weiß, dass sich Hodgson und Davis im Grunde genommen nie besonders gut vertragen hatten.

Warum eigentlich Paris?

Warum wird aber nun eigentlich das Konzert aus Paris für die Veröffentlichung ausgesucht? Supertramp waren damals schließlich in vielen Ländern live unterwegs - sowohl in Europa als auch in Nord-Amerika. Die Antwort ist verblüffend einfach: Die Produzenten spielen allen fünf Band-Mitgliedern unabhängig voneinander Live-Mitschnitte aus unterschiedlichen Orten vor. Alle fünf finden unabhängig voneinander, dass die Aufnahmen aus Paris am besten klingen. Dass die Band ausgerechnet hier ihr Bestes gegeben haben sollte, klingt zunächst merkwürdig. Tatsächlich ist es so, dass Supertramp besonders in Frankreich eine extrem große und treue Fan-Basis hatten. Mal von den USA abgesehen, verkauft sich z.B. "Breakfast in America" nirgendwo sonst so gut wie in Frankreich. Es ist übrigens eines der letzten großen Konzerte, das man im Pariser "Pavillon" zu hören bekommt. 10.000 Zuschauer haben damals reingepasst. Wenige Monate später - im Frühsommer des Jahres 1980 - schließt der ehemalige Schlachthof seine Tore für immer. Roxy Music sind die Band, die dort das allerletzte Konzert geben. Am 2. Juni 1980. Es ist ein Montag.

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