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Adrian Beric (Foto: SWR, SWR1)

Eigentlich ist es das reinste Wunder, dass dieses Album überhaupt zustande kommt. Denn 1976 ist das reinste Katastrophen-Jahr für Fleetwood Mac.

Trümmer – wohin man nur sieht

Kurz zur Erinnerung - Die Band besteht aus fünf Mitgliedern: Sängerin Christine McVie und Bassist John McVie. Am Namen hört man schon: Die beiden sind verheiratet. Aber nach acht Jahren geht die Ehe ausgerechnet jetzt, wo ein neues Album geplant ist, in die Brüche. Sie reden nicht mehr miteinander – und machen nur rein beruflich eine Ausnahme – wenn es um Musik geht.

Dann sind da noch Sängerin Stevie Nicks und Gitarrist Lindsey Buckingham. Die beiden sind ein Paar. Eigentlich. Aber auch sie trennen sich gerade!

Der fünfte in diesem Unglücks-Bund: Drummer Mick Fleetwood. Man glaubt es kaum, aber auch er trennt sich von seiner Ehe-Frau. Er muss gerade erfahren, dass sie ihn betrogen hat – ausgerechnet mit seinem besten Freund!

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Phönix aus der Asche

Fünf Band-Mitglieder – und alle fünf erleben gerade die denkbar schlechteste Phase ihres Lebens! Alle trennen sich, sind aber mehr oder weniger gezwungen, stunden-, tage- und monatelang in einem Studio zusammen arbeiten zu müssen. Was für ein Irrsinn! Und was für ein Glück im Unglück! Denn wie bei vielen anderen Künstlern gilt auch hier: In niedergeschlagener Stimmung entstehen die größten Kunstwerke. Und keiner der Musiker ist sich bewusst – so sagen sie jedenfalls in späteren Interviews – dass bei "Rumors" jeder einzelne Titel (wirklich jeder!) von den Trümmern und neuen Hoffnungen ihres Lebens handelt.

Christine McVie und Stevie Nicks von Fleetwood Mac 1977 (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Christine McVie und Stevie Nicks von Fleetwood Mac 1977 Picture Alliance

Sprechende Titel

So absurd es scheint, aber die Truppe schafft es sogar, in den Titeln selber, die sie für ihre Musik-Stücke auswählen, deutliche Hinweise auf den eigenen Seelenzustand zu geben. "Second Hand News" als Opener macht klar, wie man sich fühlt, wenn man nur noch zweitrangig im Leben des anderen ist. "Dreams" handelt von Trennung – und vom Traum etwas Neues zu beginnen. "Never going back again" ist so eindeutig als Titel, dass man gar nicht groß interpretieren muss. Dasselbe gilt für "Go your own way" bzw. "The Chain".

Diese sprechenden Titel sind verblüffend. Verblüffend ist aber das, was am Ende dabei rauskommt. Alle fünf – so gebeutelt sie auch sein mögen – wissen zu Beginn der Studio-Sessions nur eines: Auf dem neuen Album (es ist Album Nummer elf) sollen keine Lückenfüller drauf sein. Jeder einzelne Song soll die Qualität einer möglichen Single-Auskopplung haben. Und genau dieses Kunststück gelingt ihnen auch.

Überwältigender Erfolg

Es gibt wohl kaum eine Band, die sich – und der Ausdruck muss erlaubt sein - auf einer Platte emotional so dermaßen ausgekotzt hat wie Fleetwood Mac das bei "Rumors" getan hat. Und genau das macht dieses Album zum Meilenstein – sowohl für die Band als auch für die Musikwelt. Keine Lückenfüller. Melodien, die auf Anhieb "sitzen". Arrangements, die Dank des knackigen Schlagzeugs opulent wirken, im Grunde aber extrem ökonomisch gewählt sind. – Gerüchte (und "Rumours" heißt übersetzt "Gerüchte"!), wie es um das Wohl der Band bestellt ist, sorgen für phänomenale Zahlen bei den Vorbestellungen.

Als die LP dann 1977 erscheint, ist es fast schon wie ein Dammbruch. Rekord-Verkaufszahlen überall. Bis zu Michael Jacksons "Thriller" gilt Rumours als das kommerziell erfolgreichste Album aller Zeiten. – In den Jahren und Jahrzehnten nach diesem Erfolg gibt es immer wieder Auflösungs-Erscheinungen bei Fleetwood Mac – aber immer wieder auch Wieder-Vereinigungen. Und das bis heute.

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