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Ein halbes Jahrhundert ist es her – da erscheint "Deep Purple in Rock". Ein Album, das musikalisch mit den 60er-Jahren abschließt und Platz macht - für Hard Rock und Heavy Metal.

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In Stein gemeißelt

"In Rock" heißt das vierte Studioalbum von Deep Purple. Und bei diesem Album ist etwas anders. Das merkt man schon, wenn man einen Blick auf das Cover wirft. "In Rock" verrät eigentlich schon ziemlich viel über den neuen musikalischen Stil - heißt aber auch "in Stein gemeißelt". Und so inszenieren sich die Bandmitglieder auch auf dem Cover: Sänger Ian Gillan, Gitarrist Richard Blackmore, Organist Jon Lord, Bassist Roger Glover und Drummer Ian Paice. Die klassische Mk-II-Besetzung. Alle in Stein gemeißelt am Mount Rushmore, wo sonst nur die Gesichter ehemaliger US-Präsidenten thronen. Und wer sich so ein präsidiales Outfit anzieht, muss auch liefern.

Schluss mit alten Angewohnheiten

Psychedelic Rock, Progressive Rock – und sogar Coverversionen von den Beatles. Deep Purple waren in den 60er-Jahren ziemlich experimentierfreudig. Als sie dann an "In Rock" arbeiten, gibt es aber einen wegweisenden Auslöser: den Song "Hard Lovin‘ Man". Deep Purple sind gerade im Studio, um ihn aufzunehmen. Und plötzlich ist da diese Energie: Die Wildheit, die gerade mehr und mehr in der Musikwelt aufblüht. Und die stecken sie in das komplette Album. Roger Glover findet sogar, dass das der Punkt ist, an dem die Band endlich ihren Stil gefunden hat.

"Du kommst an einen Punkt, wo du merkst, du hast plötzlich einen eigenen Stil. Und dieser Moment kann früher oder später im Leben passieren. Es war bei den Sessions zu "Deep Purple in Rock". Wir waren im Studio, um Hard Lovin‘ Man aufzunehmen. […] Auf dem Track hört man, wie Deep Purple geboren wurden.“

Roger Glover, Bassist von Deep Purple

Geniales Gemetzel

"Deep Purple in Rock" vereint den für die Band so typisch gewordenen Sound: Die markanten Gitarrenriffs von Blackmore, der schreiende und ekstatische Gesang von Gillan, die Orgelkadenzen von Lord – die auch immer offen gegen Blackmores exzentrische Gitarreneinlagen ausgetragen werden. Und obwohl auf dem Album nur sieben Songs sind, ist die Spieldauer ganz ordentlich. "Child in Time" zum Beispiel – über zehn Minuten lang! Und vielleicht braucht der Song auch diese Länge, um seine Botschaft zu vermitteln. "Child in Time" ist ein Protestsong gegen den Vietnamkrieg – verdeutlicht durch den klagenden Gesang von Ian Gillan. Der entstand übrigens ganz spontan - wegen einer zu eng sitzenden Hose. Und gerade diese Spontaneität ist es, die "Deep Purple in Rock" auszeichnet. Hier wird nicht viel überlegt und herumkomponiert. Das ist impulsive Musik. Und das hört man auch noch nach 50 Jahren.

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