Lüftn ist ein emotionales Thema  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Streit um frische Luft im Büro

Lüften ohne Konflikte: Mit klaren Regeln geht das

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Dem einen ist es zu warm, dem anderen zu kalt: Lüften ist nicht bei allen beliebt, aber in Corona-Zeiten besonders notwendig. Konfliktberaterin Ursula Waffzinek erklärt, wieso Lüften so ein emotionales Thema ist.

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In den Schulen muss alle zwanzig Minuten stoßgelüftet werden. In den Betrieben in Rheinland-Pfalz gibt es keine festen Vorgaben, aber die dringende Empfehlung, auch regelmäßig zu lüften, wenn man mit mehreren Leuten im Büro sitzt. Das kann zum Streitthema werden.

SWR1: Ist das Lüften nur jetzt wegen Corona ein Konflikt oder streiten die Leute da auch sonst drüber?

Ursula Waffzinek: Zuverlässig, mit Eintritt der kälteren Temperaturen, bricht auch der Streit ums Lüften aus. Spätestens wenn eine Frostbeule und ein Frischluftfanatiker in einem Raum sitzen, wird das Ganze schwierig.

Der eine will das Fenster aufreißen, der andere friert oder hat Angst sich zu erkälten - wie kann man sich da einigen?

Im Normalzustand, wenn wir nicht unter besonderen Bedingungen sind, wie im Moment mit Corona, geht es darum, dass wir die Bedürfnisse des Anderen ernst nehmen. Da muss man gemeinsam nach einer Lösung suchen, mit der beide gut leben können. Das sind dann Kompromisse, dass zum Beispiel gelüftet wird, wenn der Frierende Mittagspause hat.

Hilft es, sich eine feste Struktur zu überlegen, wie man sich aus dem Weg gehen kann?

Ja auf alle Fälle. Das ist in der Regel die Lösung, dass man einfach sagt: " Wir einigen uns darauf, so und so oft zu diesen Zeiten zu lüften." Dann kann sich jeder auch ein bisschen darauf vorbereiten.

Ist das Lüften unter Corona nochmal eine ganz besondere Herausforderung?

Ja tatsächlich. Bei Corona ist es eine Herausforderung, die uns alle betrifft. Da geht es um mehr, als nur um das persönliche Wohlgefühl, sondern, dass wir Empfehlungen umsetzen. Das erfordert Konsequenz und Arbeit von allen.

Weshalb ist das so ein emotionales Thema, über das man sich dann gerne richtig aufregt – was steckt dahinter ?

Corona ist ein Thema, das hat eine sehr hohe Bedeutung. Es geht um sehr viel. Es geht um unsere Gesundheit. Es geht um unseren Wohlstand. Dadurch, dass jeder eine ganze eigene Situation hat, ist es auch sehr gefährlich, dass man sich verletzt. Da können wirklich nachhaltige Konflikte entstehen. Das ist gerade im Job schwierig. Mit meinen Kollegen muss ich ja viel zusammen arbeiten.

Welche Bedeutung hat es, dass das Lüften jetzt quasi “von oben”, also vom Chef oder von einem Krisenstab in der Politik verordnet wird?

Ich finde es sehr hilfreich, wenn es so eine Vorgabe gibt. Das befreit uns davon, dass wir uns untereinander einigen müssen. Es gibt uns klar vor, was wir tun müssen. Wir brauchen dann diese Regeln nur akzeptieren und brauchen nur überlegen, wie wir sie umsetzten. Das kann uns viele mühsamen Diskussionen ersparen, die dann am Ende viel kaputt gemacht haben.

Haben Sie noch andere Tipps, wie wir Konflikte umschiffen können?

Da habe ich Tipps.

  • Das eine ist natürlich warme Kleidung. Jetzt kann man endlich seine schönen Winterklamotten zeigen oder sich für diese Zeit einen besonders kuscheligen Schal kaufen. Natürlich ist es auch wichtig, warme Schuhe zu tragen. Aber auch Pulswärmer helfen und sehen auch noch flott aus.
  • Dann: Bewegung. Also die Gunst der Stunde nutzen und während des Lüftens den Kreislauf in Schwung bringen. Das macht Spaß und tut auch dem Rücken gut. Dehnen, schütteln, tanzen, alles erlaubt.
  • Fleißig heiße Getränke trinken. Das wärmt von innen. Und auch scharfe Speisen wärmen. Das macht es auch leichter, die frische Luft genießen zu können.

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