Wasserglas wird unter einem Wasserhahn aufgefüllt (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Wasserqualität in RLP

So bleibt das Leitungswasser gesund

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Hahn auf und schon kommt frisches Wasser aus der Leitung. In Deutschland kann außerdem davon ausgegangen werden, dass das Wasser gesund und sauber ist. Ein paar Risiken bleiben jedoch bestehen.

Die Qualität des Trinkwassers ist in Deutschland in der sogenannten Trinkwasserverordnung (TrinkwV) geregelt. "Das Trinkwasser sollte immer, wenn es aus der Leitung kommt frisch und bekömmlich sein und mit Genuss getrunken werden können", sagt Jürgen Stein, Referent für Trinkwasserhygiene des Umweltministeriums Rheinland-Pfalz. Die Wasserqualität, die die Versorger vors Haus liefern, werde vom Gesundheitsamt überprüft und halte die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung ein.

Leitungswasser kann in Rheinland-Pfalz also ohne Bedenken zum Trinken und Kochen verwendet werden: "Die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung sind so festgelegt, dass bei einem lebenslangen Genuss keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen auftreten können."

Auf die letzten Meter kommt es an

Dass die Trinkwasserqualität in Deutschland gut ist, bestätigte 2021 auch Stiftung Warentest. Das einzige Problem: Die Wasserbetriebe garantieren die Qualität nur bis vor das Haus. Was in der Küche aus dem Hahn kommt, dafür sind die Hauseigentümer selbst zuständig.

Das gelte laut Stiftung Warentest ab dem Rohr hinter dem Wasserzähler. Über die tatsächliche Qualität, die das Wasser hat, entscheiden auf den letzten Metern die Rohre, Dichtungen und Armaturen. "Selbst geeignetes Material aus Metall und Kunststoff kann sehr geringe Mengen unerwünschter Stoffe abgeben, wenn Wasser darin stundenlang steht", heißt es von der Stiftung Warentest.

Risikofaktor Bleirohre

Ein Risikofaktor, der in Rheinland-Pfalz kaum noch existiert, aber nicht unterschätzt werden sollte, sind Bleirohre. Laut Umweltbundesamt wurden sie in Deutschland nur bis 1973 verbaut. Wer in einem Neubau wohnt, sollte sich deswegen also keine Sorgen machen müssen. Und auch in älteren Häusern sollten heute keine Bleirohre mehr verwendet werden.

Seit Dezember 2013 ist der Grenzwert für Blei im Trinkwasser in Deutschland so gering angesetzt, dass Wasser, das durch Bleirohre fließt, diesen in der Regel nicht einhalten kann, so Stein. Grund dafür ist, dass Blei im Trinkwasser schon in kleinen Mengen gesundheitsgefährdend wirkt. "Im Prinzip ist das eine schleichende Bleivergiftung. Das heißt, wenn man einmal aus so einer Leitung Wasser trinkt, dann passiert eigentlich nichts", erklärt der Referent für Trinkwasserhygiene. "Wenn Sie das aber über einen längeren Zeitraum tun, dann reichert sich das Blei im Körper an und es kann zum Beispiel zu einer Beeinträchtigung der Blutbildung bei Ungeborenen und Säuglingen kommen."

Die Zahl der noch existenten Bleirohre in Rheinland-Pfalz sei ungewiss. Wer in einem alten Haus wohnt und sich unsicher ist, aus welchem Material die Rohre im Haus bestehen, sollte diese Information beim Hausbesitzer erfragen können. Alternativ können Labore eine Trinkwasseranalyse durchführen und auf Schadstoffe prüfen. Eine solche Untersuchung ist kostenpflichtig, eine Liste der Trinkwasserüberprüfungsstellen in Rheinland-Pfalz findet sich auf der Website des Landesuntersuchungsamtes.

Ein Glas mit frischem Wasser und einer Limettenscheibe (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Die Versorger garantieren in Rheinland-Pfalz gute Trinkwasserqualität. Picture Alliance

Legionellen

Ebenso problematisch können Legionellen werden - Bakterien, die sich in warmem, stagnierendem Wasser besonders wohlfühlen. In Einfamilienhäusern sei das Wasserleitungsnetz in der Regel so klein, dass es kaum Stillstandbereiche gäbe, so Hans Weinreuter, Fachbereichsleiter Energie und Bauen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Dadurch bestehe hier kaum ein Risiko der Ausbreitung der Bakterien: "Das heißt, wir haben das Risiko dann, wenn wir weiterverzweigte Leitungsnetze haben und wenn es da Bereiche gibt, wo die Durchflussmenge gering ist und längere Zeit Stillstände stattfinden." Das betreffe zum Beispiel Hotels oder Duschen in Turnhallen und Schwimmbädern.

Laut Jürgen Stein vom Umweltministerium Rheinland-Pfalz können Legionellen vor allem dann in Häusern auftreten, wenn zum Beispiel die Vorlauftemperatur in den Warmwasserspeichern zu gering sei. Besteht ein Legionellenbefall, müsse das Gesundheitsamt verständigt werden. Dieses entscheide dann über Maßnahmen, zum Beispiel die Sanierung der Warmwasseraufbereitung.

Legionellen zu trinken sei laut Weinreuter unbedenklich, sie werden erst dann gefährlich, wenn sie in hoher Konzentration in die Lunge geraten: "Das Risiko besteht eigentlich nur beim Duschen. Weil die Dusche eine Mischung aus Duschstrahl und verdunstetem Wasser ist, das eben eingeatmet werden kann." Außerdem wenn das befallene Wasser für Inhalationsgeräte verwendet wird. Wie gefährlich das Einatmen von Legionellen ist, hänge dabei, laut Stein, nicht nur von der Intensität des Befalls ab, sondern auch davon, ob Vorerkrankungen bestehen.

Kalk ist nicht ungesund

Im Bezug auf Kalk erzählt Weinreuter, dass es viele Missverständnisse gäbe, denen er immer wieder begegnet: "Weil Kalk im Wasser für den Menschen selbst gesund ist. Das sind ja Kalzium und Magnesiumsalze, die der Körper braucht." Kalkflecken seien hingegen oft unbeliebt und werden mithilfe von chemischen Reinigungsmitteln bearbeitet. Hier mahnt Weinreuther es mit der Sauberkeit nicht unnötig zu übertreiben. "Es ist vor allem ein ästhetisches Problem."

Wenn sich alte Rohrleitungen allerdings über lange Zeit zusetzen und in den oberen Geschossen dadurch der Wasserdruck abfalle, dann könne Kalk durchaus auch zum technischen Problem werden. "Aber ansonsten richtet Kalk erstmal keinen großen Schaden an", so Weinreuter.

Gutes Trinkwasser in Rheinland-Pfalz

Wie oft Haushalte in Rheinland-Pfalz eine Wasseranalyse in Anspruch nehmen, lässt sich laut Jürgen Stein nicht genau sagen, da eine solche Untersuchung nicht beim Gesundheitsamt gemeldet werden muss. Die gute Nachricht ist: Eine derartige Untersuchung sei generell aber auch nicht notwendig, da sich die Wasserversorger in Rheinland-Pfalz an die Grenzwerte der Trinkwasserversorgung halten. "Wir haben in Rheinland-Pfalz eine sehr gute Trinkwasserqualität und die Versorger sind da sehr hinterher, dass diese auch so erhalten bleibt."

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