Immunzellen in vielen alten Blutkonserven (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Christian Charisius/dpa)

Forschungsteam untersucht alte Blutspenden

Schützt ein Schnupfen vor einer Corona-Infektion?

STAND
AUTOR/IN

Können frühere Erkältungen gegen COVID-19 schützen? Ganz abwegig ist die Idee nicht: Denn eigentlich sind Coronaviren für unseren Körper nichts Neues.

Denn hinter vielen Erkältungen stecken harmlose Coronaviren. Und die könnten vielleicht jetzt von Nutzen sein. "Die Hypothese könnte ja sein, dass die unser System gewissermaßen vorbereiten - auf die SARS-CoV-2-Infektion", sagt Juliane Walz, Oberärztin des Universitätsklinikums Tübingen. "Das heißt, dass es Immunzellen gibt, die im Körper vorhanden sind, die in gewisser Weise solche Coronaviren erkennen!"

Das Forschungsteam von Walz analysiert Blutspenden. Es interessiert sich vor allem für tiefgekühlte Blutproben und sucht bei diesen nach sogenannten T-Helferzellen - also nach Immunzellen, die harmlose Corona-Erkältungsviren, aber auch gefährliche Coronaviren - also SARS-CoV-2 - erkennen und bekämpfen können. Der Verdacht: Durch eine frühere Erkältung könnte dann das Immunsystem das gefährliche Coronavirus schneller bekämpfen.

Audio herunterladen (2,5 MB | MP3)

Viele Fälle mit Kreuzaktivität

Die Forscher schauen dabei vor allem auf die alten Blutproben, die noch aus der Zeit vor der Pandemie stammen. Eigentlich sollten hier keine Immunzellen vorhanden sein, die das SARS-CoV-2-Virus erkennen. Doch in 81 Prozent der alten Blutspenden gibt es genau solche Immunzellen, die auf das neue Coronavirus reagieren: eine sogenannte Kreuzaktivität.

"Wir waren absolut verblüfft, als wir die Ergebnisse gesehen haben", sagt Walz. "Natürlich ist das Phänomen der Kreuzaktivität vorhanden - für verschiedene Viruserkrankungen." Doch schützt eine frühere Erkältung auch wirklich vor COVID-19? Diese Frage ist mit Blick auf andere Studien umstritten.

Dass eine frühere Erkältung eine Infektion mit SARS-CoV-2 ganz verhindern kann, gilt eher als unwahrscheinlich. Ein amerikanisches Forschungsteam hat aber beobachtet, dass Menschen nach einer Erkältung durch ein harmloses Coronavirus zumindest nicht mehr so schwer an COVID-19 erkranken - bisher nur ein kleiner Hinweis mit wenigen Fällen.

Größere Studien nötig

Erst größere Studien mit zehntausenden von Blutspendern könnten das Rätsel lösen. Die Forscher schauen dabei vor allem auf Spender, in deren Blut Immunzellen gegen harmlose Corona-Erkältungsviren schwimmen. Dann heißt es abwarten, bis sich jemand mit dem gefährlicheren Coronavirus ansteckt. "Sich also über einen längeren Zeitraum anschauen, infiziert sich so jemand und wenn er sich infiziert, wie schwer verläuft die Erkrankung!"

Gleich mehrere dieser Studien werden gerade weltweit durchgeführt. Im Frühjahr hoffen die Tübinger auf erste Ergebnisse, ob und wie eine frühere Erkältung gegen COVID-19 schützen könnte.

Auf der Covid-Intensivstation Das bedeutet die Arbeit für Patienten und Mediziner

Viele Covid-Infizierte haben keine oder kaum Beschwerden. Für manche kann das Überleben nur auf einer Intensivstation gewährleistet werden. Aber wie schwierig ist dort die Situation für Patienten, Personal und Mediziner und wie sieht die tägliche Arbeit aus?  mehr...

Der Vormittag SWR1 Rheinland-Pfalz

Nahrungsergänzung Kann Vitamin D vor Covid-19 schützen?

Schützt Vitamin D vor Sars-Cov-2 – dem neuen Coronavirus? Studien beobachten vermeintliche Zusammenhänge. Ganz so einfach ist es aber nicht.  mehr...

STAND
AUTOR/IN