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Mit dem Jahreswechsel entfällt für die meisten der Solidaritätszuschlag, dafür haben aber viele gesetzlichen Krankenkassen ihre Beiträge deutlich erhöht. 

Ob Sie daher jetzt schnell noch die Krankenkasse wechseln sollen und wie das funktioniert, darüber hat SWR1 mit Herrmann-Josef Tenhagen vom Internetportal "Finanztip" gesprochen 

 

Hermann-Josef Tenhagen (Foto: SWR, SWR -)
Herrmann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von "Finanztip" SWR -

SWR1: Gibt es für die gesetzlichen Krankenkassen nicht so eine Art Einheitsbeitragssatz?

Hermann Josef Tenhagen: Nein, überhaupt nicht. Die Beitragssätze für die Krankenkassen sind sehr unterschiedlich. Mit dem Zusatzbeitrag ist man bei knapp 15 Prozent und für eine richtig teure Kasse, wie zum Beispiel die BKK ZF & Partner, sogar bei 16,4 Prozent. Wenn Sie diese 1,4 Prozent an Mehrkosten nehmen und über ein Bruttoeinkommen von beispielsweise 4.000 Euro verfügen, sind das 56 Euro pro Monat. Von denen trägt die Hälfte Ihr Arbeitgeber und die anderen 28 Euro sehen Sie weniger auf Ihrem Lohnzettel.

SWR1: Auf das Jahr hochgerechnet sind das mehr als 300 Euro. Ist jetzt ein günstiger Zeitpunkt, die Kasse zu wechseln?

Tenhagen: Ja, es ist aus zwei Gründen ein günstiger Zeitpunkt, die Kasse zu wechseln. Erstens haben viele Kassen erhöht, auch so große, wie die TK (Techniker Krankenkasse). Die Krankenversicherung hat um ein halbes Prozent erhöht. Und auch die AOK (Allgemeine Ortskrankenkasse) im Südwesten hat 0,2 Prozent erhöht. Und zweitens ist es einfacher geworden zu wechseln. 2021 können Sie im Grunde ihre Krankenkasse so wechseln, wie ein Stromvertrag. Sie gehen einfach zu der neuen Kasse, kündigen Ihren Wechsel an und dann erledigen die das alles für Sie. Aber ganz schnell geht es immer noch nicht. Wenn Sie im Januar sagen, Sie wollen zu dieser neuen Kasse, dann sind Sie zum 1. April in der neuen Kasse. Ihrem Arbeitgeber müssen Sie nur noch eine kurze Mail schreiben und ihn darüber informieren. Die neue Kasse meldet sich dann direkt beim Arbeitgeber.

SWR1: Betrifft das auch Privatversicherte?

Tenhagen: Nein, Privatversicherte haben nach wie vor ein Problem. Wenn Sie privatversichert sind, sind Sie mit dieser Versicherung verheiratet. Der Scheidungsprozess ist schmerzhaft und teuer.

SWR1: Die Leistungen der gesetzlichen Kassen unterscheiden sich. Wie findet man heraus, ob sich ein Wechsel wirklich lohnt und auszahlt?

Tenhagen: Wenn ich mich über meine Kasse geärgert habe, dann finde ich auf jeden Fall eine gute und preiswertere. Wenn meine Kasse eigentlich gut funktioniert, dann ist das nicht unbedingt der Anlass zum Wechsel, sondern dann bleibe ich im Zweifel bei meiner Kasse. Wir machen bei "Finanztip" jedes Jahr wieder eine Analyse. Letztes Jahr waren die IKK classic und die HEK (Hanseatische Krankenkasse) ganz weit vorne. Und ich glaube, die sind dieses Jahr auch gut.

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