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Kramp-Karrenbauer im SWR1-Interview "Ich weiß, was es bedeutet im Wahlkampf zu stehen"

Sie gilt als Wunschnachfolgerin von Angela Merkel für den CDU-Vorsitz: Annegret Kramp-Karrenbauer. Im SWR-Interview erklärt die CDU-Generalsekretärin, wie sie verlorene Wähler zurückgewinnen will und warum es hilfreich ist, schon Wahlen gewonnen zu haben.

 CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer

Zur Regionalkonferenz in Idar-Oberstein sind etwa 2.000 Menschen gekommen. Hätten Sie mit einem so großen Zulauf gerechnet?

Ich habe schon gespürt, dass es ein großes Bedürfnis gibt zu diskutieren, eine große Neugierde. Aber dass es so viele geworden sind, das überrascht mich auch. Das sehen wir ja auch an anderen Standorten. Wir müssen überall die Hallen wechseln, weil die Kapazitäten nicht ausreichen.

Sie selbst gelten ja als Merkel-nah. Vorteil oder Nachteil für Sie?

Jeder steht hier für sein ganz eigenes Programm – für seine Persönlichkeit, seine Inhalte, seine Art zu arbeiten. Wenn man ein Amt anstrebt, ist es immer so, dass man auf den Schultern des Vorgängers steht. Die Frage ist, was macht man Neueres und was macht Besseres daraus. Insofern hat jeder seinen ganz eigenen Charakter und seine ganz eigene Prägung.

Im Gegensatz zu ihren beiden Konkurrenten haben Sie ja auch schon mal Wahlen gewonnen. Ist das ein Vorteil?

Ja, das ist eindeutig ein Vorteil, weil ich eben auch weiß, was es bedeutet, in einem Wahlkampf zu stehen – gerade dann auch, wenn die Umfragen schlecht sind, wenn die Stimmung nicht für einen läuft, dann auch die Festigkeit zu haben, an seiner Politik, an den Positionen, festzuhalten, Menschen zu überzeugen. Das ist sehr hilfreich und charakterbildend.

Geht die CDU nach rechts? Verliert sie Stimmen in der Mitte? Bleibt sie da, wo Merkel sie hingebracht hat? Verliert Sie Wähler an die AfD? Was muss die CDU ihrer Meinung nach tun, um wieder richtig groß zu werden?

Sie muss sich auf ihre Stärke, auch diese neue Stärke, besinnen. Wenn wir den Befund haben, dass wir gleichermaßen an die AfD und die Grünen verloren haben, ist das ja erstmal ein Punkt, dass wir die Menschen beide bei uns in der Partei hatten. Also die Bindungskraft war da. Deswegen müssen wir an unserem Programm arbeiten, dass wir dort, wo Verunsicherung ist, insbesondere bei den AfD-Wählern, dass wir dort durch eine entsprechende Politik die Menschen zurückgewinnen. Dass wir aber auch durch einen sensiblen Umgang etwa mit dem Thema Klimaschutz auch wertegebundene Menschen ansprechen, die jetzt anscheinend bei uns kein Angebot mehr sehen und deswegen zu den Grünen gegangen sind.

Jens Spahn will ja auch, dass der Parteitag Anfang Dezember über den Migrationspakt diskutiert. Ist das eine gute Idee von ihm?

Der Antrag ist bereits aus der Mitte der Mitglieder erfolgt, dass auf dem Parteitag darüber diskutiert wird. Da sieht man auch, dass die neuen Methoden der Mitgliederbeteiligung schon wirken bei der CDU. Insofern ist das keine neue Idee. Ich halte es für richtig, dass die Debatte geführt wird. Ich sage allerdings auch ganz klar – und mache aus meiner Meinung keinen Hehl – ich halte diesen Migrationspakt für richtig. Am Ende des Tages hilft der uns eher, insbesondere in den Vereinbarungen mit den Ländern, aus denen viele Migranten kommen. Deswegen stehe ich dazu und bin auch bereit, im demokratischen Sinne für diesen Pakt zu streiten.