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Home-Schooling, Distanz-Lernen oder Fern-Unterricht: In Zeiten der Corona-Pandemie sind Lehrer für die Schüler meist sehr weit weg. Diese Tatsache wirkt sich natürlich auch auf das Schüler-Lehrer-Verhältnis aus. Wir haben darüber mit dem Psychologen Markus Herbert von der Erziehungs- und Lebensberatung Bad Kreuznach gesprochen.

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SWR1: Warum ist es so wichtig, dass Kinder und Jugendliche die Beziehung zu ihren Lehrkräften haben und erhalten?

Markus Herbert: Das ist ja für alle eine schwere Zeit. Für Kinder insbesondere, weil sie sehr soziale Wesen sind und weil die Schule im Moment eine der wichtigsten Quellen für das soziale Lernen ist. Alle vermissen ihre Freunde und auch die Lehrer, zumindest die, zu denen sie eine gute Beziehung haben.

SWR1: Wie können Lehrkräfte bei diesen schlechten Bedingungen die Beziehung zu den Kindern aufrechterhalten?

Herbert: Da gibt es schon sehr erfolgreiche Modelle. Zum Beispiel, dass man in der Videokonferenz die Beziehung mehr in den Mittelpunkt stellt als den Stoff. Es ist eine gute Idee, einfach mal zu fragen: Wie geht es Euch? Womit habt ihr Euch beschäftigt? Worüber habt ihr gestern gelacht? Und genau das tun auch viele Lehrer. Dann kann man gut auf der Beziehungsebene den Lernstoff durchgehen.

SWR1: Eine Voraussetzung ist dann aber, dass die Familien unterstützen können und dass die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Wenn das nicht der Fall ist, dann sieht es schlecht aus, oder?

Herbert: Ja, das ist leider so. Aber einige meiner Klienten haben mir erzählt, dass Grundschullehrer durchs Dorf oder durch den Stadtteil gegangen sind und den Schülern, die die technischen Möglichkeiten nicht haben, einen kleinen Brief eingeworfen haben. Oder manche telefonieren einfach mal mit den Schülern. Das ist alles beziehungsstiftend.

SWR1: Was ist Ihre Hauptbeschäftigung bei dem Thema in dieser Pandemie-Zeit?

Herbert: Das ist vor allem der immense Stress, der im Moment in den Familien herrscht. Es ist ja nicht so, dass man für das Homeschooling die Erwerbstätigkeit zurückstellen könnte. Meistens muss der eigene Job und das Betreuen der Kinder irgendwie unter einen Hut gebracht werden. Und da ist natürlich Stress vorprogrammiert.

SWR1: Haben Sie konkrete Tipps, wie man genau das gut hinbekommt?

Herbert: Ich tue mich mittlerweile ein bisschen schwer mit Tipps. Das impliziert, dass man das schon irgendwie hinbekommt. Ich glaube es hilft, einmal zu sagen, dass das im Moment eine schwere Zeit ist und dass wir als Eltern unheimlich viel leisten und dann auch einmal stolz darauf zu sein, dass man die Situation überhaupt bewältigt. Das wäre ein Anfang. Ich habe übrigens selbst drei Kinder im Homeschooling.

SWR1: Wie groß ist Ihre Befürchtung, dass die Kinder und Jugendlichen dauerhafte Schäden aus dieser Zeit davontragen?

Herbert: Wir gehen davon aus, dass wir als Beratungsstelle auch nach der Krise noch einige Monate, vielleicht auch ein paar Jahre die Folgen der Krise spüren werden. Es gibt Untersuchungen, wie Menschen in ganz schwierigen Situationen eine solche Krise bewältigen. Ein Drittel hat eine gute psychische Konstitution, die bekommen davon gar nichts mit. Ein Drittel ist zwar sehr belastet, aber wenn die Krise vorbei ist, schaffen sie das von alleine. Und ein Drittel der Menschen und der Kinder leiden oft auch danach noch unter den Folgen. Da ist es gut, Hilfe von außen zu bekommen.

SWR1: Welche Rolle spielen insgesamt die Eltern dabei, dass Kinder diese Krise vielleicht gar nicht so schlimm wahrnehmen?

Herbert: Die Eltern sind natürlich der entscheidende Faktor. Wenn es den Eltern gut geht und sie die Krise einigermaßen gemeistert bekommen, dann ist die Familie entspannter. Und dann können auch die Kinder entspannt sein. Aber wir dürfen nicht vergessen: Die Krise betrifft nicht nur die Kinder, sondern die Eltern genauso. Wenn man um die Erwerbstätigkeit fürchten muss oder selbst viele Aufgaben hat, dann ist es natürlich schwierig, gelassen zu sein.

SWR1: Was raten Sie Familien, in denen den Kindern die Motivation für den Fern-Unterricht fehlt?

Herbert: Natürlich ist es immer gut, spielerisch heranzugehen. Gerade in Mathematik gibt es unheimlich viele Möglichkeiten, daraus eine Art Wettbewerb zu machen, indem man zum Beispiel Aufgaben im Haus versteckt. Das ist quasi der Königsweg. Ansonsten gibt es noch das alte Belohnungsdenken. Wenn ich zum Beispiel auf eine Aufgabe keine Lust habe, sage ich mir immer: Okay, jetzt machst Du das eine halbe Stunde lang und dann gönnst Du Dir einen Kaffee. Kindern kann man sagen: Hier, das machst Du jetzt eine Stunde lang und dann kannst du zur Belohnung machen wozu du Lust hast.

Das Gespräch führte Hanns Lohmann.

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