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ARCHIV - Ein Rettungswagen fährt am 17.02.2014 mit Blaulicht durch die Innenstadt von München

Interview zum Datenjournalismus-Projekt "Zu viele Notfälle nicht ausreichend versorgt"

Wie gut sind eigentlich unser Rettungsdienst? Wie schnell sind Notärzte vor Ort, wenn sie Leben retten müssen? Zu diesen Fragen hatte der SWR Anfang des Jahres eine bislang einzigartige Dokumentation vorgelegt - Zahlen und Fakten für ein komplettes Jahr gesichtet und ausgewertet. Das Ergebnis im Januar 2017: In vielen Fällen schaffen es die Helfer nicht innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von 15 Minuten am Notfallort zu sein. Wir haben mit Johannes Schmid-Johannsen aus dem SWR-Team Datenjournalismus zu den aktuellen Entwicklungen in dieser Sache gesprochen.

Zum Ende des Jahres gibt es von Ihrer Seite neue Auswertungen. Was ist dabei herausgekommen? Was hat sich verbessert?

Johannes Schmid-Johannsen von der SWR Wirtschaftsredaktion

Johannes Schmid-Johannsen, SWR-Team Datenjournalismus

Das System bleibt strukturell überlastet. Das hat auch 2017 dazu geführt, dass zu viele Notfälle nicht ausreichend versorgt werden konnten. Der Rettungswagen war, legt man den gesetzlichen Maßstab an, in 1.260 Gemeinden in Rheinland-Pfalz besonders häufig zu spät. In über 1.100 Gemeinden haben sich die Anfahrtszeiten von 2016 auf 2017 deutlich verschlechtert. Es gibt auch Verbesserungen. Insgesamt bleibt es aber dabei, dass jeder dritte Notruf in Rheinland-Pfalz erst deutlich nach zehn Minuten erreicht.

Woran liegt das? Was sind denn die größten Probleme für die Rettungsteams und die Notärzte?

In Rheinland-Pfalz wurden dem Rettungsdienst über Jahre hinweg viele Bagatellfahrten "aufs Auge gedrückt". Dabei geht es um die sogenannten Krankentransporte. Dabei handelt es sich nicht um dringende Notfälle, für die aber zu oft Rettungswägen eingesetzt wurden und werden. Das Problem geht die Landesregierung jetzt entschiedener an. Außerdem gibt es auch in Rheinland-Pfalz einen großen Fachkräftemangel. So werden sowohl Notfallsanitäter als auch Notärzte dringend gesucht. Außerdem wird an einem neuen Rettungsdienstgesetz gearbeitet. Das soll dann helfen, dass zum Beispiel Rettungswachen schneller gebaut werden können. Die daraus resultierenden Verbesserungen werden sich dann aber erst in den kommenden Jahren auch in kürzeren Fahrzeiten zeigen.

So werden die gesetzlichen Vorgaben eingehalten

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Reicht das denn aus für eine medizinisch sinnvolle Versorgung?

Medizinische Studien belegen, dass es einen direkten Zusammenhang gibt: Die Überlebenschancen von schweren Notfällen sinken dort, wo die gesetzliche Frist sehr lange Eintreffzeiten für den Rettungsdienst zulässt. In Rheinland-Pfalz ist diese gesetzliche Hilfeleistungsfrist mit 15 Minuten relativ lang. In der aktuellsten Studie, die wir uns dazu angeschaut haben, wurden Notfälle beim Herz-Kreislauf-Stillstand ausgewertet. Fachärzte und Verbände fordern deshalb sogar, dass die Hilfe in den meisten Fällen innerhalb von acht Minuten da sein sollte.

Das wäre in Rheinland-Pfalz im Moment überhaupt nicht realisierbar?

Unsere Berechnungen zeigen, dass aktuell bei 67.000 Fällen der Rettungswagen über zehn Minuten braucht. Um in diesen Fällen deutlich schneller zu werden, bräuchte man entweder doppelt so viele Rettungswagen auf der Straße, oder man müsste eben noch restriktiver den Rettungsdienst ausschließlich für die lebensbedrohlichen Situationen einsetzen.