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Interview mit Soziologin Dr. Yvonne Lott Homeoffice - Fluch oder Segen?

Immer mehr Menschen arbeiten zumindest gelegentlich zu Hause. Welche Folgen das Homeoffice für den Mitarbeiter und das Unternehmen hat, verrät Dr. Yvonne Lott von der Hans-Böckler-Stiftung im SWR1-Talk.

Verändert sich die Arbeitsbelastung, wenn ich Zuhause arbeite?

Tatsächlich haben wir Studien gefunden und das haben wir auch mit deutschen Daten gesehen, dass Beschäftigte im Homeoffice häufig länger arbeiten, also eher Überstunden machen. Außerdem gibt es eine Intensivierung der Arbeit. Es wird also in der selben Zeit mehr Arbeit geleistet.

Gibt es da Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Tatsächlich ist es so, dass Männer eher die Tendenz haben, länger zu arbeiten im Homeoffice. Das wird wahrscheinlich daran liegen, dass Frauen doch häufiger noch die Kinderbetreuung übernehmen oder die Kinder von der Kita abholen. Die empfundene Arbeitsbelastung, das nicht abschalten können von der Arbeit, ist für Männer und Frauen im Homeoffice gleich.

Was hat das für Konsequenzen? Was macht das mit mir, wenn ich längere Zeit zu Hause arbeite?

Beschäftigte, die nur im Homeoffice arbeiten, können sowas wie eine professionelle Isolation erleben, eine Vereinsamung, weil der Kontakt und der Austausch zu Kollegen, den man in der Kaffeeküche oder auf dem Gang hat, fehlen. Es gibt aber auch Vorteile: Ich kann zum Beispiel lange Wegzeiten sparen. Wenn ich abends einen Sportkurs habe oder die Kinder von der Kita abholen muss, dann würde ich das jetzt nicht schaffen, wenn ich noch zur Arbeit fahren müsste und wieder zurück. Im Homeoffice geht das eher.

Hat es nicht auch Nachteile, wenn mein Chef mich selten sieht, zum Beispiel bei Beförderungen?

Wenn die Präsenzkultur noch stark in den Betrieben ist, dann kann das natürlich von Nachteil sein. Allerdings dürfen oft eher die höher Qualifizierten im Homeoffice arbeiten. Es ist oft noch ein Privileg in den Betrieben. Dann fühlt man sich vielleicht auch eher in der Situation, dass man besonders viel leisten muss.

Mittlerweile schaffen große Konzerne wie Microsoft Anreize, um Mitarbeiter wieder verstärkt ins Büro zurückzuholen, zum Beispiel mit kostenlosem Kantinenessen oder einem Fitnessraum. Was versprechen die sich davon?

Auch Unternehmen stellen fest, dass es gut ist, wenn die Beschäftigten am Arbeitsplatz zusammenkommen, sich austauschen und gemeinsam an Projekten arbeiten. Die Debatte rutscht immer schnell in die Entweder-Oder-Richtung. Entscheidend ist: Wie viele Tage in der Woche müssen Beschäftigte im Unternehmen anwesend sein, damit Arbeitsprozesse gut laufen?

Ihr Fazit also: Homeoffice ist grundsätzlich ok, aber nicht fünf Tage die Woche?

Genau, vielleicht zwei oder drei Tage die Woche - je nachdem, wie man selbst als Beschäftigter drauf ist, was man braucht und möchte. Was ich auch wichtig finde, sind Absprachen mit den Vorgesetzten. Es kann auch Betriebsvereinbarungen geben, was wird genau erwartet, wie oft muss ich meine E-Mails checken, wie lange darf ich wirklich offline sein und wann ist Feierabend, wenn ich im Homeoffice arbeite.