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Interview mit Antisemitismus-Beauftragtem Michael Blume "Terror begegnet man mit Ruhe, nicht mit Panik"

Die Aussage einer jungen Jesidin, die ihren IS-Peiniger in Deutschland wiedergetroffen haben will, ist laut dem Antisemitismusbeauftragten der Landesregierung Baden-Württemberg Michael Blume glaubwürdig. Doch sei eine Aufklärung nur durch seriöse Arbeit der Polizei und der Bundesanwaltschaft möglich.

Im Irak wurde sie vom Islamischen Staat verschleppt und verkauft, wie tausende andere jesidische Frauen. In Schwäbisch Gmünd hatte die junge Frau Zuflucht gefunden und sich sicher gefühlt  - bis sie im Februar ein Mann auf der Straße anspricht: Die heute 19-Jährige erkennt in ihm ihren Peiniger, geht zur Polizei, doch die kann offenbar nichts tun. Daraufhin flüchtet die junge Frau wieder zurück in den Irak, weil sie sich hier nicht mehr beschützt fühlt. Diese Geschichte hat die junge Frau in einem YouTube-Video erzählt und die Bundesanwaltschaft bestätigte am Freitag, dass die junge Jesidin im Februar Kontakt zur Polizei hatte. Man habe sie aber nicht mehr befragen können, weil sie schon ausgereist sei.

Michael Blume hat zur Hoch-Zeit des islamischen Staates 2015/16 ein Projekt geleitet, mit dem Frauen und Kinder aus dem Nordirak gerettet wurden und kennt die junge Jesidin persönlich. Er hält die Aussage des Opfers, dass sie ihren Peiniger in Deutschland wiedererkannt haben will, für glaubwürdig. Leider sei die junge Frau schon wieder in den Irak ausgereist und habe nicht die Ruhe gehabt, die Ermittlungen der Polizei und jetzt der Bundesanwaltschaft abzuwarten.

Aussage auf YouTube nicht hilfreich

Das Bedürfnis der Frau wieder zu fliehen kann Michael Blume nachvollziehen. Jedoch ist nicht geklärt, ob die Erinnerung dem Opfer vielleicht nicht einen Streich gespielt hat. Die Aussage der Frau in einem YouTube-Video hält er für wenig hilfreich. Die Ermittlungen der Polizei und Bundesanwaltschaft seien in einem Rechtsstaat notwendig. Am besten bei der Begegnung des Terrors sei Ruhe und nicht Panik.

Für Jesidinnen in Deutschland ist laut Blume ein eigenes Programm zur Aussage gegen ihre Peiniger geschaffen worden. Als Zeuginnen würden die Frauen einen wichtigen Beitrag zur Ermittlung der Täter leisten. Den langen Zeitraum zwischen dem ersten Kontakt der jungen Frau mit der Polizei und den jetzigen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft erklärt sich Blume mit den umfangreichen Ermittlungen der Polizei. Nachdem die Polizei ihre Möglichkeiten bei den Ermittlungen ausgeschöpft habe, sei nun die Bundesanwaltschaft mit ihren Fähigkeiten gefragt.