Verwischte Erinnerung (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Andreas Jopp im Interview

Wie Sie Demenz vorbeugen können

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Demenz und insbesondere ihre häufigste Form Alzheimer gelten als Volkskrankheit. Aber es gibt einiges, was Sie im Voraus dagegen tun können, sagt Medizinjournalist und Spiegelbestsellerautor Andreas Jopp. Wir haben mit ihm gesprochen.

Andreas Jopp (Foto: Andreas Jopp)
Medizinjournalist und Sachbuchautor Andreas Jopp. Andreas Jopp

SWR1: Alzheimer kann auch jüngere Menschen treffen. Welche Symptome sind da besonders häufig?

Jopp: Die Symptome betreffen meistens das Gedächtnis, insbesondere das Kurzzeitgedächtnis. Dann die Orientierung und später erst die Persönlichkeitsstruktur. Wenn man vergesslich wird, dann können das entweder Alzheimer- oder Demenz-Symptome sein. Das Interessante bei Alzheimer ist, dass sich diese Alzheimer-Veränderungen im Gehirn schon bei 50-Jährigen finden lassen und teilweise schon bei 30-Jährigen: Die Hälfte der 50-Jährigen hat schon diese Veränderungen am Gehirn und zehn Prozent der 30-Jährigen. Zum Tragen kommen diese kleinen Veränderungen erst später ab 60, 65 Jahren, während Demenz schon ein bisschen früher eintritt.

SWR1: Was ist der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer?

Circa 30 bis 40 Prozent der auslösenden Faktoren kann man über seine Lebensweise beeinflussen

Jopp: Es betrifft unterschiedliche Teile des Gehirns. Vor allem bei Alzheimer findet man diese typischen Alzheimer-Veränderungen. Die Wissenschaftler finden immer mehr heraus, dass es Faktoren gibt, die man beeinflussen kann. Circa 30 bis 40 Prozent der auslösenden Faktoren kann man über seine Lebensweise beeinflussen.

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SWR1: Was heißt denn Lebensweise? Wie wichtig ist zum Beispiel gesunde Ernährung?

Jopp: Man muss sich das so vorstellen: Unser Gehirn wird über die Blutbahnen versorgt. 1200 Liter Blut werden da reingepumpt und 70 Liter Sauerstoff. Wenn sich diese Blutgefäße verstopfen - vor allem durch gesättigte Fette - hat das Gehirn ein unheimliches Problem in An- und Abtransport. Tatsächlich geht die Alzheimer-Wahrscheinlichkeit um 89 Prozent hoch, wenn man viel gesättigte Fette isst - also Käse, Wurst, Fleisch, alles das, was die Gefäße zusetzt. Man sollte möglichst darauf achten, dass das Transportsystem gesund bleibt.

Cover: Andreas Jopp - "OnOff-Gesundheit" (Foto: Andreas Jopp)
Das Buch On/Off Gesundheit von Andreas Jopp is im Consult Media Verlag unter ISBN 978-3948319007 erschienen und kostet 18,90 Euro. Andreas Jopp

SWR1: Sport und Bewegung sind ebenfalls wichtig?

Jopp: Sport und Bewegung sind auch wichtig, weil es bestimmte Wachstumsfaktoren gibt, die im Gehirn ausgeschüttet werden. Das Gehirn wächst dann erneut, vor allem der Hypothalamus. Da, wo die Erinnerungen sind und auch Stimmungen entstehen. Der ist im ständigen Auf- und Abbau und Sport und Ernährung stimulieren Wachstumsfaktoren, dass sich der praktisch ständig erneuern kann.

Ein Klebezettel mit dem Schriftzug "Herd aus?" klebt als Erinnerung an einem Herd neben den Drehknöpfen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene)
In Deutschland leiden etwa 1,7 Millionen Menschen unter einer Demenzerkrankung. picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene

SWR1: Ist Vitamin D-Mangel schlecht fürs Gehirn?

Jopp: Ja, Vitamin D ist wichtig und senkt die Alzheimer-Rate um gut 50 Prozent. Es wirkt antientzündlich im Gehirn und sorgt dafür, dass Nerven besonders gut in der Übertragung funktionieren können. Fisch ist auch wahnsinnig wichtig, weil der ebenfalls antientzündlich wirkt und auch als Baustoff fürs Gehirn dient. Und das Dritte, was wichtig ist, sind sogenannte Neuro-Antioxidantien. Im Gehirn wird viel Energie verbraucht und Sauerstoff transportiert. Dann entstehen "freie Radikale", die sozusagen ständig die Gehirnzellen schädigen. Die Neuro-Antioxidantien stecken in tiefgrünem Blattgemüse, in Beerenobst und fangen im Gehirn diese schädlichen Radikale ab, damit das Gehirn vor Schäden geschützt ist.

Die Fragen stellte Frank Harbeck.

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