Tafelmitarbeitern mit Box mit Essen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Felix Kästle)

Rettungstüte und "too good to go"

Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung

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Alle Lebensmittel, die im Jahr bis zum 2. Mai produziert wurden, wandern rein rechnerisch in den Abfall. Was kann man dagegen tun?

Nach Schätzungen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft werden jährlich rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, das ist rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel.

Initiative von Discountern

Seit Anfang Mai hat der Discounter Lidl ein neues Angebot: Die sogenannte 'Rettertüte'. Für drei Euro gibt es äußerlich weniger perfektes, aber noch genießbares Obst- und Gemüse in einer fertig gepackten Tüte, außerdem wird Ware kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) reduziert. Bis die Tüte jedoch in jeder Filiale zu haben ist, wird es bis Sommer dauern. Nach Unternehmensangaben möchte Lidl so zu einer geringeren Lebensmittelverschwendung beitragen. Aber auch andere Discounter bieten Rabatte auf in ihren Augen nicht perfekte Ware. Auch die Rabattierung auf Lebensmittel kurz vor Ablauf des MHD bieten viele Supermärkte an.

Konzept bekannt

Die Idee der 'Rettungstüte' ist nicht neu. Verschiedene Lebensmittelhändler setzen sich schon seit Jahren auf diese Art und Weise gegen Verschwendung ein. So wird beispielsweise in einigen Bäckereien Brot und Brötchen vom Vortag zu einem günstigeren Preis angeboten, oft kostet es dann nur die Hälfte. Auch andere Supermärkte bieten solche Tüten an.
Zudem gibt es Apps wie "too good to go". Hier bieten schon seit längerer Zeit Unternehmen Überraschungstüten an. Dabei können sich Bäckereien, Supermärkte oder auch Cafés und Restaurants registrieren. Sie bieten zu einem Festpreis übrig gebliebene Lebensmittel oder Essen an. Kunden können per App bestellen und zu einem bestimmten Zeitpunkt die Einkäufe abholen.

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Sind die Tafeln die Leidtragenden?

Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu retten und auch Essen zu kaufen, das vielleicht nicht perfekt aussieht, das ist eine gute Idee, sind sich die meisten einig. Doch es hat auch Konsequenzen für die Tafeln im Land.

"Die aktuellen Lebensmittelspenden reichen eigentlich nicht aus, um alle Bedürftigen zu versorgen", stellt Sybille Becker-Pennrich, stellvertretende Geschäftsführerin der Tafel Bad Kreuznach fest. Die Logistik wird immer ausgefeilter, der Handel reduziert kurz vor Ablauf des Verfallsdatums die Lebensmittel, und dadurch bleibt immer weniger für die Tafel übrig", sagt sie. Trotzdem hält sie es für den richtig Weg, dass der Handel versucht, weniger Lebensmittelmüll zu produzieren.

Vermeidung von Abfällen auf Erzeugerebene

Die Alternative für die Tafeln ist, mit Unternehmern auf Erzeugerebene zusammenzuarbeiten. "Wenn es beispielsweise zehn Paletten Joghurt gibt, die nicht verkauft werden können, weil sie zu lange im Lager waren, nehmen wir diese ab", schildert Sabine Altmeyer-Baumann, Vorsitzende der Tafeln in Rheinland-Pfalz und des Saarlandes die Herangehensweise. Trotzdem trifft sie der Verkauf von Rettungstüten. "Alles, was jetzt in Rettungstüten verpackt und verkauft wird, kommt nicht bei den Tafeln an."

Foodsharing in Mainz

Eine weitere Initiative, um noch genießbare Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu retten ist Foodsharing. In Mainz stehen unter anderem acht sogenannte Fairteiler in verschiedenen Stadtteilen. In öffentlich zugänglichen Schränken können Menschen dort nicht mehr benötigtes, aber noch genießbares Essen ablegen. Andere wiederum können sich dann dort Lebensmittel abholen.

Lebensmittel retten

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert in einer Stellungnahme eine genauere Erfassung von Verschwendung und gesetzliche Regelungen, um auch Böden, Natur und Klima zu schützen. Lebensmittel vor dem Wegwerfen retten, das ist eine gute Idee. Vor dem Einkaufen überlegen, was gebraucht wird, rabattierte Lebensmittel kaufen oder Apps nutzen - all das hilft, um die Abfallmenge zu reduzieren. Und wer die Tafeln unterstützen möchte, kann das auch finanziell tun.

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