Helden der Flut: Olaf Justen

"Ein Menschenleben kann man nicht ersetzen"

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Auch fünf Monate nach der Flutkatastrophe im Ahrtal ist nichts, wie es war im Ahrtal. Im kleinen Ort Schuld hat der freiwillige Feuerwehrmann Olaf Justen viele Menschen gerettet und selbst sein Haus verloren.

Kein Stein ist mehr übrig geblieben von dem Haus in der Ortsmitte von Schuld. 21 Jahre hat Olaf Justen hier gewohnt. Der 50-Jährige hat einen kleinen Tannenbaum mit Kugeln geschmückt, dort aufgestellt, wo einst das Wohnzimmer war. Auf eine Lichterkette hat er bewusst verzichtet. Licht in der Adventszeit bedeutet Hoffnung und Neuanfang. Für dieses Grundstück aber gibt es beides nicht.

Weihnachtsbaum im Ahrtal (Foto: SWR)
Der Weihnachtsbaum steht an der Stelle, wo früher das Wohnzimmer im Haus von Olaf Justen war.

Die Trauer ist ihm anzumerken, auch wenn Justen immer wieder betont, dass es auch nur ein Haus gewesen sei. "Ein Haus ist ein Sachgegenstand und den kann man ersetzen, ein Menschenleben nicht. Das ist das was mich bei der Flut und in den Tagen danach angetrieben hat."

Seit 26 Jahren ist Olaf Justen in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Am Nachmittag der Flutkatastrophe begann auch sein Einsatz in Schuld. Seine Uniform zog er sich noch in seinem Haus an. "Als ich wieder im Abschnitt von Schuld war, in dem mein Haus stand, war es schon nicht mehr da und wir hatten einen Auftrag Menschen aus Häusern herauszuholen, das war wichtiger", sagt Justen.

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Zuerst warnte er die Anwohner direkt an der Ahr, dass sie ihre Häuser verlassen sollten. Als das Wasser immer schneller stieg, versuchte er gemeinsam mit seinen Feuerwehrkameraden so viele Menschen wie möglich aus den Gebäuden zu retten. In diesen Stunden und Tagen habe er nur funktioniert, erzählt er. "Die Angst und Trauer kamen erst viel später und es wird auch noch einige Zeit dauern bis das wieder weggeht."

Mithilfe einer Therapie versucht Justen die erlebten Ereignisse zu verarbeiten. Weihnachten und Heiligabend will er aber auch in diesem Jahr ein wenig feiern, bei einer Bekannten, wo er zurzeit wohnt.
Und auch wenn er für sein Grundstück keine Hoffnung mehr hat für den kleinen Ort Schuld hat er sie auf jeden Fall noch: "Ich habe immer noch den Glauben daran, dass wir das alles schaffen. Wir werden es nicht mehr so hinkriegen, wie es war, aber ich hoffe, dass es sogar schöner und besser wird."

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SWR