Erdwärmenutzung für ein Wohnhaus (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Klimaschutz

Heizen mit Erdwärme

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AUTOR/IN
Stefanie Peyk

Öl und Gas sind teuer und sie befeuern den Klimawandel. Kein Wunder, dass immer mehr Hauseigentümer auf Wärmepumpen setzen. Als besonders effizient gelten Erdwärmepumpen. Sie arbeiten mit erneuerbarer Energie aus dem Untergrund.

Wie funktioniert das Heizen mit Erdwärme?

Eine Erdwärmeheizung arbeitet im Prinzip wie ein Kühlschrank - nur im umgekehrten Betrieb, erklärt der Bundesverband Geothermie. Die Heizung entzieht dem Untergrund Wärme und gibt sie an das Haus ab.

In einem geschlossenen Rohrsystem im Boden fließt eine für die Umwelt ungefährliche Flüssigkeit. Sie nimmt Wärme aus dem Boden auf und überträgt sie an eine Wärmepumpe, die die Temperatur dann so anhebt, dass man heizen kann.

Allerdings braucht die Wärmepumpe für ihren Betrieb in der Regel Strom. Bezahlbar und klimafreundlich ist die Sache nur, wenn die Heizung effizient läuft, also mit möglichst wenig Strom möglichst viel Wärme erzeugt. Erdwärmepumpen sind in dieser Hinsicht besser als Luftwärmepumpen. Am besten fürs Klima ist es, wenn die Wärmepumpe mit Ökostrom betrieben wird. Mit Solarstrom vom eigenen Dach kann man während der Heizperiode im Winter zumindest einen Teil der benötigten Energie abdecken.

Erwärmepumpe im Keller eines Wohnhauses (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Erwärmepumpe im Keller eines Wohnhauses Picture Alliance

Was sind gängige Möglichkeiten, Erdwärme zu gewinnen?

Besonders verbreitet sind sogenannte Erdsonden. Das sind Kunststoff-Rohre, die meist über ein vertikal verlaufendes Bohrloch in den Boden eingelassen werden. In den Rohren zirkuliert eine Wärmeträgerflüssigkeit, die dem Boden in tieferen Schichten Wärme entzieht. Üblich sind Bohrtiefen zwischen einigen Metern bis über hundert Meter. An der Oberfläche ist dafür kaum Platz nötig. Sind die Sonden erst einmal im Boden verschwunden, sind sie von außen unsichtbar.

Dafür sind die Bohrungen recht teuer. Fachleute rechnen mit etwa 80 bis 150 Euro pro Meter – je nachdem, wie der Untergrund beschaffen ist. Deutlich günstiger sind sogenannte Flächenkollektoren. Sie werden in einer Tiefe von ca. 1,5 Metern horizontal im Boden verlegt. Bohrungen sind nicht nötig. Der Platzbedarf ist allerdings groß.
Als Faustformel wird genannt: zu beheizende Fläche mal zwei. Wer auf 100 Quadratmetern wohnt, müsste also im Garten bis zu 200 Quadratmeter für die Flächenkollektoren einplanen. Außerdem ist Heizen mit solchen Kollektoren etwa 10% weniger effektiv als mit einer Sonde. Der Grund: im Winter ist es in der Tiefe wärmer als in oberen Erdschichten.

Erdwärmenutzung für ein Wohnhaus (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Erdwärmenutzung für ein Wohnhaus Picture Alliance

Ist mein Grundstück für die Nutzung von Erdwärme geeignet?

Das hängt nicht nur von der Größe des Grundstücks ab, sondern auch vom Untergrund, etwa davon, ob das Grundstück in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt. Dann sind Erdwärmesonden nämlich tabu. Einen ersten Überblick bieten Online-Karten des Landesamts für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz.

  • In Rheinland-Pfalz braucht man für den Bau und Betrieb einer Erdwärmesonden-Anlage immer eine wasserrechtliche Erlaubnis der Unteren Wasserbehörde.
  • Zusätzlich müssen Bohrungen beim Landesamt für Geologie und Bergbau angezeigt werden.
  • Wird tiefer als 100 Meter gebohrt, muss außerdem geklärt werden, ob das die deutschlandweite Suche nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager stört. Aus diesem Grund wurde aber noch kein Projekt abgelehnt.

Um die Genehmigungen kümmern sich in der Regel die Heizungsbauer und Bohrunternehmen. Wichtig ist, das im Vertrag mit den Fachunternehmen festzuhalten.

Kommt eine Erdwärmeheizung auch bei Altbauten in Frage?

Erdwärmeheizungen rechnen sich am ehesten bei niedrigen Vorlauftemperaturen bis 55 Grad. Damit die Zimmer trotzdem warm werden, sind möglichst großflächige Heizkörper sinnvoll, etwa Fußboden- und Wandheizungen, aber auch große herkömmliche Heizkörper.

Ob sich im Altbau eine Wärmepumpe nachrüsten lässt, dafür gibt es einen einfachen Test: An einem sehr kalten Tag im Winter die Vorlauftemperatur begrenzen. Dann alle Thermostate aufdrehen. Wenn das Haus wohlig warm wird, kann sich die Wärmepumpe im Altbau lohnen. Falls nur ein oder zwei Heizkörper nicht genug Leistung bringen, kann es genügen, diese gegen leistungsfähigere Geräte auszutauschen.

Experten schätzen, dass gut ein Drittel der bestehenden Gebäude ohne weiteres mit Erdwärmeheizungen ausgerüstet werden können. Bei einem weiteren Drittel müsse man etwas genauer hinschauen und zum Beispiel über Einzelmaßnahmen nachdenken, wie neue Fenster oder eine gedämmte Kellerdecke. Rund ein Drittel der Altbauten müsse erst umfassend energetisch saniert werden, bevor eine Erdwärmeheizung installiert werden kann.

Wegen ihrer höheren Effizienz kommen Erdwärmepumpen für Altbauten eher in Frage als Luftwärmepumpen.

Mit welchen Kosten muss ich bei einer Erdwärmeheizung rechnen?

Bei Altbauten schätzt der Bundesverband Wärmepumpe e.V. die Kosten für eine neue 12 kW-Wärmepumpenanlage und die Anpassung des bestehenden Heizungssystems auf rund 35.000 Euro. Bei Neubauten rechnen die Fachleute eher mit 20.000 bis 25.000 Euro. Diese Schätzungen sind grobe Richtwerte. Installationskosten, Austausch einzelner Heizkörper, hydraulischer Abgleich und ähnliches sind schon enthalten. Dazu kommen die Kosten für die Bohrung (s.o.).

Für den Tausch einer Gas- oder Ölheizung gegen eine Wärmepumpe gibt es aber auch einen Zuschuss von bis zu 35 Prozent auf die gesamten Investitionskosten. Bei den besonders effizienten Erdwärmepumpen liegt der Zuschuss künftig bei bis zu 40 Prozent.

Erdwärmepumpen sind auch interessant, wenn ein Erdsondenfeld gleich mehrere Neubauten auf einmal versorgt. Dann verteilen sich die Bohrkosten auf mehr Parteien.

Dazu kommt: Wer mit Erdwärme heizt, braucht zwar Strom, muss aber keine Brennstoffe wie Gas oder Öl kaufen. Die Anlage ist wartungsarm. Auch die Kosten für den Schornsteinfeger kann man sich sparen.

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