Ein Laptop und Hände die auf der Tastatur tippen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / empics | Dominic Lipinski)

Interview mit Josephine Ballon von Hate Aid

Hilfe bei Hass im Netz

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Deeg Claudia

Drohungen, Hass und Hetze auf Social Media oder dem Handy: Wer betroffen ist, kann sich Unterstützung bei Hate Aid holen. Für die gemeinnützige Organisation arbeitet Josephine Ballon, die unsere Fragen beantwortet hat.

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SWR1: Kommen Sie mit Ihrer Hilfe und Beratung überhaupt noch hinterher? 

Josephine Ballon: Es wird immer schwieriger. Die Anfragen nehmen stetig zu. Ob der Hass jetzt tatsächlich mehr geworden ist oder nicht, können wir nicht sagen. Auf jeden Fall suchen sich mehr Leute bei uns Hilfe. Wir sind in erster Linie für Betroffene von digitaler Gewalt eine Anlaufstelle, die sie und ihr Problem ernst nimmt und mit ihnen herausfindet, was die nächsten sinnvollen Schritte sind.

SWR1: Wer meldet sich hauptsächlich bei Ihnen?

Ballon: Hauptsächlich Menschen, die ohnehin schon marginalisierten Gruppen angehören und die vor allem auf Social Media aktiv sind. Aber natürlich auch Journalisten, Aktivisten oder auch Politiker, sowohl auf bundes- als auch auf kommunalpolitischer Ebene.

Eine junge Frau hält ein Smartphone in der Hand. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Fabian Sommer)
Frauen trifft Hass im Netz anders als Männer. picture alliance/dpa | Fabian Sommer

Vor allem trifft es Menschen, die sich im Internet auch zu politischen Themen exponieren. Frauen werden dabei anders angegriffen. Bei Frauen geht es nicht darum, sich noch mit irgendetwas auseinanderzusetzen und sie zu kritisieren, sondern allein darum, sie fertig und mit sexualisierten Beleidigungen und Bedrohungen mundtot zu machen.

SWR1: Und raten Sie in jedem Fall auch juristisch dagegen vorzugehen?

Ballon: Im Internet haben wir komplizierte Fragen der Beweissicherung und manche Betroffene möchten es nicht. Grundsätzlich raten wir immer dazu sie anzuzeigen, wenn die Möglichkeit besteht, dass eine Straftat verwirklicht sein könnte. Auch wenn sich Betroffene davon nicht allzu große Erfolgsaussicht erhoffen, ist es wichtig, dass diese Anzeigen in den Statistiken der Polizei landen. Damit können wir darauf hinweisen, dass es ein Problem ist, was viele Leute betrifft und dass es keine traurigen Einzelfälle sind.

SWR1: Eine Bedrohung in sozialen Netzwerken kann auch zu einer realen Bedrohung werden. Ist das bisher eine unterschätzte Gefahr gewesen?

Ballon: Es ist eine unterschätzte Gefahr, weil es auch für die Ermittlungsbehörden neue Herausforderungen mit sich bringt. Eine Bedrohung im Internet passiert sehr anonym und auch sehr unkonkret. Die Situation heizt sich dann auf mit teilweise vagen Beschimpfungen. Dann ist es für die Ermittlungsbehörden eine Herausforderung, eine konkrete Einschätzung zu treffen, ob das eine reale Gefahr darstellt oder nicht. Vielleicht sollten wir es manchmal ernster nehmen.

Das Interview führte SWR1 Moderatorin Claudia Deeg.

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