Auf einem Sparschwein wurde eine Boersenkurve eingezeichnet. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Sascha Steinach)

Finanzexperte Hartmut Walz

Trotz Negativzinsen: Geld richtig anlegen

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Anstelle Zinsen zu erhalten, müssen Bankkunden immer häufiger für ihre Geldanlagen zahlen. Der unabhängige Finanzexperten Hartmut Waltz verrät uns, worauf man achten sollte.

SWR1: Kontogebühren werden erhöht und EC-Karten kosten plötzlich Geld: Lohnt es sich, dann über einen Bankwechsel nachzudenken?

Walz: Ja, der Vergleich lohnt sich auf alle Fälle, denn die Kostensituation bei den Banken ist sehr unterschiedlich. Doch wie immer, wenn ich einen Preisvergleich mache, muss ich auch die Leistung und damit verbundenen Kosten sehen. Erhebliche Kostenvorteile haben die Online-Banken, die keine Filialen betreiben. Wenn Sie zum Beispiel aber an etwas betagtere Mitbürgerinnen und Mitbürger denken, die durchaus auch mal mit einer Rechnung an den Schalter gehen und sagen: „Bitte überweisen Sie mir das und füllen Sie mir den Überweisungsträger aus“. So eine Dienstleistung ist natürlich teuer.

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SWR1: Gibt es einen Service, der einem hilft, die Angebote von Banken zu vergleichen?

Walz: Sie können für wenig Geld entweder gedruckt oder als PDF die Zeitschrift "Finanztest" von der Stiftung Warentest erwerben. Darin haben Sie einen übersichtlichen Vergleich über die Leistungsangebote der Banken. Es gibt in dem Bereich eine sehr hohe Leistungsdichte und einen beinharten Wettbewerb. Aber ich muss dann eben schauen, was für einen Kundentyp ich bin. Habe ich viele oder wenige Überweisungen? Brauche ich den persönlichen Kontakt oder nicht? Und wenn ich genau weiß, was ich möchte, dann finde ich bei einer solchen Übersicht relativ schnell Rat und Orientierung.

SWR1: Wie kann ich mein Geld derzeit anlegen, um es zu vermehren?

Walz: Die Antwort ist einfach, wenn Sie wissen, wie lange Sie Ihr Geld anlegen können. Wenn das Geld für die Altersvorsorge gedacht ist, dann würde ich es in einen preiswerten, transparenten und breit streuenden ETF-Sparplan anlegen. ETF ist die Abkürzung für "Exchange Traded Funds". Es handelt sich dabei um börsenfähige Fonds, die sehr preiswert sind und die überwiegend einen Index abbilden. Das wäre eine wirklich gute Lösung, wenn jemand Geld lange zur Seite legen kann. Denn langfristig ist es ein größeres Risiko, nicht investiert zu haben, als investiert zu haben. Denn auch wenn es früher schon Zinsen gab, wichtig und entscheidend wäre der Realzins - also Zinsen minus Inflationsrate. Und die Inflationsrate war auch schon lange vor der Einführung der Negativzinsen in weiten Phasen beträchtlich.

SWR1: Wo kann man solche Fonds abschließen?

Walz: Ganz sicher über eine Online-Bank. Bei den Hausbanken gibt einige, die sich zieren. Denn die Produkte sind so preiswert, dass die Banken wenig dran verdienen. Aus dem Grunde bieten es manche nicht an.

SWR1: Wie viel Sicherheit bietet so ein ETF?

Walz: Man kann Risiken etwas verkleinern, indem man sein Geld gut streut. Es gibt ETF, die Tausende von Unternehmen in einer Hülle verpacken - aus unterschiedlichsten Ländern, aus allen Branchen, aus verschiedenen Währungsräumen. Dadurch haben Sie eine Risikostreuung: Das Gesamtrisiko ist reduziert, aber ein Restrisiko bleibt.

SWR1: Also sollte man das Risiko in Kauf nehmen, anstatt das Geld auf der Bank zu lassen?

Walz: Ja, mit Sicherheit. Sie verlieren jedes Jahr Geld. Wir haben im Augenblick zwischen vier und fünf Prozent Inflation. Das ist Ihr Kaufkraftverlust. Das heißt, das ist in Wahrheit ein Mehrfaches von den Verwahrentgelten und die Prognose ist, dass die Inflationsrate im Jahr 2022 noch weiter steigt.

Das Gespräch führte SWR1 Moderator Frank Jenschar.

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