Bitte warten...

Grönemeyer im Interview III "Vor dem Texten habe ich einen großen Respekt"

Am 9. November wird das neue Album von Herbert Grönemeyer, "Tumult", offiziell vorgestellt. SWR1 Morgenmoderator Michael Lueg hat mit Herbert Grönemeyer vorab übers Texten und den neuen Sound gesprochen.

Sie schreiben ja normalerweise die Musik zuerst und dann kommen die Texte auf die fertigen Lieder. War das bei diesem Album auch so?

Das ist immer der gleiche Vorgang. Ich schreibe immer zuerst die Musik, nehme die auch auf und arrangiere sie, bis sie vernünftig klingt. Und dann weiß ich, jetzt kanns du Dich nicht mehr selbst belügen. Jetzt musst Du auch texten. Vor dem Texten habe ich einen großen Respekt und bin da auch sehr, sehr skeptisch. Aber dann setze ich mich hin und versuche, auf die Lieder einen Text zu basteln, der dann auch das Lied vergrößert oder verbessert und mir hoffentlich meine Musik nicht kaputt macht. Ich bin kein Freizeitlyriker. Ich schreibe die Texte zu meiner Musik und wenn ich die fertig betextet habe, dann bin ich auch heilfroh.

Bekommt die fertigen Lieder jemand zu hören, bevor sie gepresst werden, oder legen sie das hin und sagen: "Das bin ich, jetzt reibt Euch mal"?

Nein, ich habe schon Freunde die sich das vorher anhören und wir reden auch über die Texte. Dann spiele ich sie auch meiner Frau und meinen Kindern vor. Ich höre mir dann auch an, was die dazu sagen, und lasse mir auch Vorschläge machen. Die beachte ich nicht immer - oder eher selten! Aber grundsätzlich möchte ich natürlich vorab auch wissen, ob das, was ich da getextet habe, verständlich ist, oder ob es in seiner Unverständlichkeit irgendwann verständlich wird.

Wie reagieren die Kinder auf die Musik?

Grundsätzlich positiv [lacht] - obwohl die deutlich jünger sind. Bei den Texten gibt es dann schon Anmerkungen, was sie nicht so gut finden oder was sie nicht so verständlich finden. Dann versuche ich auch, das etwas klarer zu machen.

Auffällig beim neuen Album ist: So elektronisch waren Sie noch nie! Der Sound ist sehr modern. Haben Sie keine Angst damit die alten Fans zu vergraulen?

Neeee - ich glaube, dass ich schon immer moderne Platten gemacht habe. Ich habe sogar in den 90ern eine Techno-Platte gemacht und auch das Album "Bleibt alles anders" war ja sehr Drum&Bass "gepreaked" [lacht] … geprägt.
Ich muss ja für mich selbst weiterkommen. Ich bin kein Angestellter meiner Fans sondern ich nehme meine Fans so ernst, dass ich glaube, die wollen auch etwas Neues, Moderneres von mir hören und etwas Neues "zum Essen kriegen".

In diesem Fall, glaube ich, ist es sogar anders herum. Ich habe mich beim neuen Album stark an den 80ern orientiert. Nicht was die Sounds angeht, aber was die Art des Songschreibens angeht. Es ist, glaube ich, sehr klar und sehr direkt. Das sind die Momente, in denen man mit sich im Reinen ist, die einen völlig überraschend überfallen am Tag und bei denen man denkt: Das macht das Leben aus, deswegen lebe ich!

älä