STAND

Wer ab dem 23. Dezember 2020 eine Immobilie kauft, muss nur noch maximal die Hälfte der Maklerprovision zahlen. Zuvor mussten Käufer oft die gesamte Summe übernehmen. Wer durch das Gesetz am meisten profitiert und was sich dadurch noch ändert, verrät Michael Wegmer aus der SWR1-Wirtschaftsredaktion.

Vor einem Haus hängt ein "Zu Verkaufen"-Schild eines Maklers.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Wolfram Steinberg)
Wolfram Steinberg

Bisher war zum Thema Maklerprovision gesetzlich so gut wie gar nichts geregelt, deshalb profitieren pauschal erst einmal alle davon, sagt Michael Wegmer. Die unkonkrete Vorlage zum neuen Gesetz im Bürgerlichen Gesetzbuch stammt noch aus der Kaiserzeit. Damals war weder geregelt, wie hoch eine Provision sein darf, noch wer sie zahlt. In den einzelnen Bundesländern haben sich mit der Zeit unterschiedliche Modelle entwickelt. In vielen, wie Rheinland-Pfalz, teilen sich Käufer und Verkäufer die Provision auch bisher schon. In anderen, wie zum Beispiel in Hessen, bezahlt der Käufer allein.

Das neue Gesetz regelt auch, dass ein Maklervertrag in Textform vorliegen muss. Mündliche Absprachen darf es in Zukunft nicht mehr geben. "Grundsätzlich ist das mehr Rechtssicherheit für alle", schlussfolgert Wegmer.

Kosten für Käufer sollen gesenkt werden

Mit dem neuen Gesetz sollen die Nebenkosten beim Immobilienkauf für die Käufer gesenkt werden. Das ist eine Neuerung, die zumindest auf dem Papier allen hilft, die ein Haus oder eine Wohnung kaufen. Das Gesetz gilt bundesweit, es ist also nirgendwo mehr möglich, die Provision allein auf die Käufer abzuwälzen.

Diese haben ab sofort auch ein sogenanntes Zurückhaltungsrecht. So müssen Käufer ihren Teil der Provision erst dann zahlen, wenn der Verkäufer nachgewiesen hat, dass er auch gezahlt hat, erklärt Wegmer. Damit soll verhindert werden, dass Makler dem Verkäufer einen Rabatt gewähren.

Ändert sich die Höhe der Provision?

"Nein, und das ist ein Punkt, den Verbraucherschützer kritisieren, betont", Michael Wegmer. In diesem Fall gilt weiterhin das Gewohnheitsrecht, also was bisher so im Schnitt in diesem Bundesland verlangt worden ist. In Rheinland-Pfalz sind um die sieben Prozent plus Mehrwertsteuer üblich. Bei einer Immobilie, die 300.000 Euro kostet, wären das allein circa 25.000 Euro.

Jetzt könnte aber Folgendes passieren: Auch Verkäufer haben ja in Zukunft ein Interesse an einer niedrigen Maklerprovision, weil sie verbindlich die Hälfte davon zahlen. Also wird möglicherweise mehr verhandelt, denn auch bisher schon waren Provisionen Verhandlungssache. Die Prozentzahlen der Bundesländer waren eher Richtwerte und so könnten die Maklerprovisionen langfristig etwas sinken. In Deutschland sind sie im Vergleich mit anderen Ländern nämlich sehr hoch.

Die wichtigsten Fragen zum Immobilienkauf

Das Angebot auf dem Wohnungsmarkt ist knapp. Umso wichtiger ist es genau zu wissen, welche Regeln für Käufer, Verkäufer und Makler gelten.  mehr...

Marktcheck SWR Fernsehen

Maklergebühren in Deutschland Bestellerprinzip auch bald bei Immobilienkäufen?

Die Maklergebühren in Deutschland sind im europäischen Vergleich sehr hoch. Bundesjustizministerin Barley will, dass bei Immobilienkäufen in Zukunft auch das Bestellerprinzip gilt.  mehr...

STAND
AUTOR/IN