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Fünf Jahre nach Einsturz von Fabrik Arbeitsbedingungen bei H&M in der Kritik

Im November 2013 hatte die schwedische Modekette H&M ein Versprechen abgegeben: Innerhalb von fünf Jahren sollten sich die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken verbessern. Was hat sich geändert?

Passanten gehen an einer Filiale des schwedischen Bekleidungskonzerns Hennes & Mauritz (H&M) vorbei

Vor fünf Jahren hatte H&M Verbesserungen in Textilfabriken versprochen

850.000 Näherinnen sollten existenzsichernde Löhne bekommen. Jetzt sind die fünf Jahre um – doch getan habe sich nichts, beklagt jedenfalls die "Kampagne für Saubere Kleidung". Die Organisation setzt sich für die Rechte von Textilarbeitern ein. Sie hat deshalb die Aktionswoche "Turn Around, H&M" gestartet, ein Appell an die Modekette, jetzt die Kurve zu kriegen. Ab heute finden weltweit Proteste statt, in Deutschland gibt es nächste Woche unter anderem in Berlin, Mannheim und Stuttgart Aktionen.

Tamara Land aus der SWR Wirtschaftsredaktion, was wirft die "Kampagne für saubere Kleidung" H&M denn genau vor?

"Dass der Konzern H&M nicht Wort gehalten hat. 2013 war ja die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch eingestürzt und daraufhin hatte H&M ein Strategiepapier veröffentlicht für existenzsichernde Löhne. Sie hatten versprochen, dass alles binnen fünf Jahren verbessert wird. In den Zuliefererbetrieben wird dafür gesorgt, dass die Näherinnen, die da beschäftigt sind, fair bezahlt werden.

Die "Kampagne für saubere Kleidung" hat dieses Jahr eine Recherchereise gemacht und sich mit Näherinnen in Bulgarien, der Türkei, Indien und Kambodscha unterhalten. Das Ergebnis war: Die Frauen können von den Löhnen, die sie bekommen, nicht leben. Beispiel Bulgarien, da gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn von gut 200 Euro Netto im Monat bei Vollzeit. Auf diesen Lohn kommen die Näherinnen aber nicht mit Vollzeitarbeit, sie müssen da wahnsinnig viele Überstunden machen.

Das sind schwere Vorwürfe. Was sagt denn H&M dazu?

H&M hat uns eine lange Stellungnahme geschickt. Ganz kurz zusammengefasst: Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir arbeiten daran. Sie haben wohl in den letzten Jahren daran gearbeitet die Strukturen zu verbessern. H&M sagt, wir wollen nicht vorgeben was die Lieferanten ihren Mitarbeitern konkret in Euro oder in der jeweiligen Landeswährung bezahlen sollen. Sondern wir wollen dafür sorgen, dass es dort Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern gibt.

Das wiederum finden die Aktivisten lächerlich. Sie sagen, die Gewerkschaften da sind so schwach, die können das überhaupt nicht richtig verhandeln. H&M sagt: Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir sind auf dem Weg. Die Aktivisten sagen eben: Das reicht nicht.

H&M steht jetzt ja sehr am Pranger. Aber ist H&M denn wirklich schlimmer als andere Modeketten?

Nein, eigentlich sind die Probleme überall die gleichen. Die Modeindustrie versucht mal mehr, mal weniger halbherzig die Produktionsbedingungen zu verbessern. Es gibt ja auch seit 2014 dieses Textilbündnis, dem sich große Ketten in Deutschland angeschlossen haben, auch Billigketten wie zum Beispiel C&A, KIK und übrigens auch H&M. Die wollen quasi nachweisen, dass sie immer daran arbeiten, dass die Bedingungen für die Arbeiterinnen und auch für die Umwelt vor Ort verbessert werden. Aber die Ergebnisse, die da rauskommen, sind doch sehr gering.

Es ist aber auch ein sehr schwieriges Spannungsfeld, denn die Frage "Was ist eigentlich ein fairer Lohn?" ist eine sehr moralische Frage. H&M definiert das wie gesagt so, dass sie sagen: Wir können die Zahl, die auf dem Kontoauszug stehen muss, nicht benennen. Die Konzerne stehen da eben auf dem Standpunkt: Wir wollen uns nicht auf bestimmte Eurobeträge festlegen. Das muss vor Ort unter den lokalen Gegebenheiten verhandelt werden.

Die Nichtregierungsorganisationen wie die "Kampagne für saubere Kleidung" sagt eben, es muss zum Leben reichen und beruft sich dabei aber auf die Vorstellungen von Gewerkschaften, wie viel das denn sein muss, was zum Leben reicht. Das ist einfach ein Spannungsfeld. Wie will man sich auf Löhne einigen, die zum Leben reichen, wenn man sich auf die Definition dessen schon nicht einigen kann.