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Alle Jahre wieder haben viele ihre liebe Not mit der Zeitumstellung. Wie stark beeinflusst diese eine Stunde Änderung uns tatsächlich? Und was raubt uns sonst noch den Schlaf?

Behauptung: Man braucht Wochen, um sich von der Zeitumstellung zu erholen

Diese Aussage trifft nur auf manche Menschen zu. Wissenschaftler beschäftigen sich seit langem mit den gesundheitlichen Auswirkungen der Umstellung. Bis vor gut zehn Jahren kamen so gut wie alle Studien zu dem Ergebnis: Probleme wie Schlafstörungen sollten spätestens innerhalb von ein bis zwei Wochen behoben sein. In der jüngeren Forschung gibt es jedoch Hinweise, dass sich der biologische Rhythmus bei manchen Menschen langsamer harmonisiert, so eine Meta-Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag aus dem Jahr 2016.

Der Zeitsprung unterbricht die Anpassung an die jahreszeitlich bedingten Veränderungen. "Durch die Umstellung wird man gezwungen, das Aufwachen um eine Stunde vor oder nach hinten zu verschieben. Deshalb gerät die Harmonie zwischen dem Äußeren und der inneren Uhr durcheinander", erklärt Gregor Eichele. Der Leiter der Abteilung Gene und Verhalten am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie beschäftigt sich damit, wie Moleküle den biologischen Rhythmus beeinflussen. Die Stunde Verschiebung werde besonders von den Menschen bemerkt, die einen regelmäßigen Schlafrhythmus hätten, so Eichele. Die innere Uhr des Menschen lässt viele Prozesse in Zyklen von rund 24 Stunden ablaufen - etwa Veränderungen der Körpertemperatur und des Blutdrucks, die Ausschüttung von Hormonen sowie den Schlaf-Wach-Rhythmus.

Behauptung: Wer vor dem Schlafengehen lange aufs Smartphone schaut, schläft schlechter ein

Auch das kann zutreffen. Schuld ist der meist hohe Anteil an blauem Licht, mit dem die Bildschirme von Smartphones und Computern arbeiten. Das kurzwellige Licht bremst die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus des Körpers regelt. Bei fehlendem (Tages-)Licht wird es aus den körpereigenen Speichern ins Blut abgegeben, und man wird müde. Wer vor dem Schlafengehen aufs Handy schaut, kann außerdem durch die dabei entstehenden Gefühle wach gehalten werden. "Der größte Schlafkiller der jüngeren Geschichte ist allerdings die Entwicklung des elektrischen Lichts", so Schlafforscher Ingo Fietze von der Berliner Charité.

Behauptung: Zu wenig Schlaf macht krank

Wer dauerhaft zu wenig und/oder schlecht schläft, dessen Wohlbefinden und Gesundheit sind tatsächlich gefährdet. Dabei geht es sowohl um direkte Auswirkungen als auch um langfristige Risiken. So leiden zunächst die kognitiven Fähigkeiten: Schon nach wenigen Tagen Schlafmangel sind die meisten Menschen unkonzentrierter, vergesslicher und sie reagieren messbar langsamer.

Wenn man über einen längeren Zeitraum schlecht schläft, hat das auch gesundheitliche Auswirkungen, erklärt Schlafforscher Fietze. "Die Blutzuckerwerte erhöhen sich, das Diabetesrisiko steigt, und das Immunsystem beginnt zu schwächeln." Darüber hinaus zeigen Studien aus verschiedenen Ländern, dass Menschen, die langfristig schlecht schlafen, ein erhöhtes Risiko für verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Der Schlafbedarf ist allerdings von Mensch zu Mensch verschieden. Eine Empfehlung der "American Academy of Sleep Medicine" (AASM) lautet deshalb: Mindestens sieben Stunden Schlaf pro Nacht sollten es bei einem Erwachsenen sein - um Gesundheitsrisiken zu vermeiden.

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