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Erkennen und vorbeugen Vorhofflimmern - die unterschätzte Gefahr

1,8 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Vorhofflimmern. Das ist eine Herz-Rhythmusstörung, die gefährlich werden kann. Jeder fünfte Schlaganfall entsteht aufgrund eines Vorhofflimmerns. Fragen an Prof. Martin Borggrefe, Kardiologe und Direktor der medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim.

Ein Stethoskop liegt auf einem EKG

Vorhofflimmern wird häufig erst im EKG erkannt

Wie genau macht sich Vorhofflimmern bemerkbar?

Viele Patienten haben Symptome bei Vorhofflimmern, wie zum Beispiel unregelmäßigen Herzschlag, Kaltschweißigkeit, Luftnotattacken oder aber auch Brustenge, also Angina pectoris. Bei anderen Patienten stellt sich das Vorhofflimmern so dar, dass sie einen Leistungsknick erleiden. Zum Beispiel beim Tennisspielen bleibt plötzlich die Luft weg.
Auf der anderen Seite gibt es viele Patienten, die gar keine Symptome bei Vorhofflimmern aufweisen. Da ist eben das Problem, dass man bei diesen Patienten, die möglicherweise ein Risiko haben für einen Schlaganfall, nach Vorhofflimmern fahnden sollte. Die internationalen Empfehlungen sind, dass bei allen Patienten, die über 65 Jahre alt sind, gelegentlich der Puls getastet werden sollte, um zu sehen, ob solche Patienten Vorhofflimmern aufweisen.

Wenn ich jetzt den Verdacht habe, ich könnte Vorhofflimmern haben, gehe ich direkt zum Hausarzt, zum Kardiologen - oder ist das sogar ein Notfall?

In der Regel ist das Eingangstor für den Patienten der Hausarzt, der den Puls fühlt und dann das Vorhofflimmern im EKG festhält. Dann ist natürlich die weitere Abklärung von Vorhofflimmern und dessen Ursachen eine Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Kardiologen.

Ist die Krankheit gefährlich?

Die Krankheit ist in der Regel bei jungen Patienten nicht gefährlich. Wir kennen viele junge Patienten, die im Rahmen eines Alkoholexzesses, Schlafentzugs oder hochgradigem Koffeingenuss das Herzvorhofflimmern erleiden - das sind dann eben harmlose Geschichten. Wenn Herzvorhofflimmern beim älteren Patienten auftritt, stellt sich immer die Frage: Gibt es dafür eine Ursache, wie eine koronare Herzerkrankung, eine Bluthochdruckerkrankung oder aber sind es sogar Patienten, die eine Schilddrüsenüberfunktion haben, die bis dato nicht diagnostiziert ist. Solche Patienten weisen nicht die klassischen Symptome auf und können durch Vorhofflimmern alleine auffallen.

Wenn Sie bei einem Patienten Vorhofflimmern feststellen, wie behandeln sie ihn?

Das können Medikamente sein. Darüber hinaus sehen wir bei den Patienten mit Herzvorhofflimmern häufig, dass sie übergewichtig sind und insbesondere am Bauchumfang eine große Körperfülle aufweisen. Hier wissen wir, dass durch eine Gewichtsreduktion, körperlicher Bewegung, ausgeglichener Lebensstil und eben auch Reduktion der Alkoholaufnahme helfen kann.

Werden die Leute denn wieder ganz gesund?

Ja. Wir wissen seit etwa 30 Jahren, das Herzvorhofflimmern durch eine elektrische Aktivität in den Pulmonalvenen entsteht. Das sind keine Venen, die man sich so vorstellt, wie kleine Röhrchen. Sondern diese Venen sind von Vorhofmuskulatur umschlungen und man hat etwa vier Stück davon. Diese Muskulatur hat die Eigenschaft bei manchen Patienten hochfrequent auf den Vorhof "einzuhauen". Der Vorhof neigt dann zu Vorhofflimmern. Wenn man nun diese Pulmonalvenen isoliert - das macht man entweder mit einer Kälteverödung oder einer Hitzeverödung -, kann Herzvorhofflimmern nicht mehr ausgelöst werden. Diese Maßnahme ist den Medikamenten eindeutig überlegen.

Jetzt geben Sie uns doch mal ganz praktische Tipps, um unser Herz gesund zu halten.

Um ein Herz gesund zu halten, ist als allererstes aus meiner Sicht ein regelmäßiger Lebensstil sinnvoll. Darüber hinaus ist natürlich körperliche Bewegung und die Normalisierung des Körpergewichts sehr wichtig. Wir wissen aber auch heute, dass es sehr wichtig ist, dass Patienten in einer harmonischen Partnerschaft leben. Das hat ebenfalls einen sehr vorbeugenden Effekt.