Die Prinzen sind zurück: Henri Schmidt (l-r), Ali Zieme, Tobias Künzel, Jens Sembdner, Sebastian Krumbiegel, Mathias Dietrich, Wolfgang Lenk. Bild: LANZ UNLIMITEDSven Sindt (Foto: picture-alliance / Reportdienste, LANZ UNLIMITED/Sven Sindt)

Im Interview zur neuen Single

Die Prinzen sind zurück

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Seit 30 Jahre machen die Prinzen jetzt schon Musik. Und passend zum Jubiläum veröffentlichen die sieben Leipziger Musiker ihre neue Single "Dürfen darf man alles". Im Mai folgt das neue Album.

Die Sänger Tobias Künzel und Sebastian Krumbiegel von den Prinzen verraten im SWR1-Interview mehr zu der neuen Single "Dürfen darf man alles". Das Lied gibt einen Vorgeschmack auf das neue Album "Krone der Schöpfung", das am 21. Mai erscheinen soll.

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SWR1: "Dürfen darf man alles" - wie ist das denn zu verstehen? Das geht ja schon sehr weit.

Sebastian Krumbiegel: Ich finde nicht. Ich glaube, man darf alles machen, solange man kein Schwein ist. Solange man niemandem wehtut. Das ist ein Thema, das uns alle gerade umtreibt. In Zeiten, in denen wir darüber reden, ob es hier in großen Anführungsstrichen "Denkverbote" gibt. Oft hört man Sätze wie "Dürfen wir überhaupt noch..." und "was darf man heutzutage überhaupt noch sagen?". Dieses Thema lag für uns auf der Straße und wir sehen dieses Lied ein bisschen als Aufforderungen, einander zuzuhören. Nicht übereinander zu reden, sondern miteinander zu reden.

Tobias Künzel: "Dürfen darf man alles" ist ein Zitat von Kurt Tucholsky aus den 20er-Jahren und wie man merkt, zieht sich das Thema offensichtlich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Es war ja auch in der DDR, als wir Kinder und Jugendliche waren, ein Thema. Was darf man sagen? Was darf man machen? Und wir sind offensichtlich jetzt wieder so weit, dass man das hinterfragen sollte - hinterfragen kann und darf.

SWR1: Man spürt also den Einfluss von Corona in dem ein oder anderen Song des Albums. Wie war denn die Produktion? Technisch kann das ja nicht so einfach gewesen sein - ihr seid ja mehr als zwei Haushalte.

Tobias Künzel: Wir haben das Album stückweise aufgenommen: sehr viel haben wir bei Wolfgang Lenk, unserem musikalischen Chef in Leipzig, aufgenommen. Ein paar Sachen haben wir in Neuss und Hamburg aufgenommen und dann zusammengepuzzelt. Am Ende klingt es, wie eine komplette Band. Das erste Mal gemeinsam im Studio waren wir erst, nachdem das gesamte Album aufgenommen worden. Das war letzte Woche in Hamburg.

SWR1: Das neue Album "Krone der Schöpfung" kommt am 21. Mai raus. Was erwartet denn da die Prinzen-Fans?

Sebastian Krumbiegel: Ich glaube, die Prinzen-Fans erwartet eine im allerbesten Sinne typische Prinzen-Platte. Wir haben zwei Produzenten, die in den letzten Jahren sehr viel mit Lindenberg zusammengearbeitet haben. Die hatten es geschafft, die Essenz von Udo Lindenberg wieder einzufangen. Und genau das haben sie sich auch für uns auf die Fahnen geschrieben. Denn am Ende geht es darum, was wir als Band sind. Und das kannst du selbst vielleicht gar nicht einschätzen, weil du dich in einem Tunnel befindest und nicht die Sicht von außen hast. Deswegen ist es wichtig, Leute zu haben, die einem dann ein bisschen auf die Sprünge helfen. Ich finde das überhaupt nicht ehrenrührig, es ist wichtig, sich reinreden zu lassen. Vor allem, wenn du schon so lange unterwegs bist wie wir. Es war zwar durch die Corona-Situation nicht einfach die Platte aufzunehmen. Aber so, wie sie jetzt ist - mit zwölf neue Songs, fünf alte Hits, die wir mit Gästen aufgenommen haben - sind wir extrem glücklich mit dem, was wir da gemacht haben.

Man muss auch sagen, dass wir ein wenig einfacher geworden sind.

Tobias Künzel: Und wer genau hinhört, der wird natürlich auch das Lindenberg-Umfeld ein bisschen aus dem Album raushören. Man muss auch sagen, dass wir ein wenig einfacher geworden sind. Wir hatten in den letzten Jahren ja noch Tourneen mit Symphonieorchestern. Wolfgang Lenk hat die Arrangements immer mehr ausgeklügelt und dann bei den Texten darauf geachtet, dass das alles feingeistig ist. Jetzt haben wir zu einer gewissen frischen Schlichtheit rangewagt und auch ein bisschen bei den Texten und der Musik losgelassen. Wir freuen uns natürlich, wenn das gut ankommt.

Die Prinzen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance - United Archives)
Die Prinzen waren Chorknaben: Tobias Künzel, Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Lenk und Henri Schmidt waren im Leipziger Thomanerchor, nur Jens Sembdner "chorte fremd": im Dresdner Kreuzchor. Das war die Basis für die musikalische Qualität der Band. Picture Alliance - United Archives

SWR1: Ihr seid ja schon sehr lange dabei: Es ist euer 30. Jubiläum dieses Jahr. Wie hält man es 30 Jahre miteinander aus?

Sebastian Krumbiegel: Das fragen wir uns selbst, ehrlich gesagt. Es ist ja doch schwierig. Zumal wir kennen uns ja viel länger als 30 Jahre. Also Tobias und ich, wir kennen uns seit 1973 - da war ich gerade mal sieben Jahre alt - weil Tobias mit meinem großen Bruder zusammen in einer Klasse war. Zum Kindergeburtstag meines Bruders hab ich Tobias das erste Mal kennengelernt. Wenn du jemanden solange kennst, ist das eigentlich extrem von Vorteil. Aber manchmal kann es eben auch wirklich nerven, weil du ganz genau weißt, wie der andere jetzt reagiert. Da die Liebe frisch zu halten, dass muss man sich auch erarbeiten und wir wissen ja, was wir aneinander haben. Dasselbe wollen wir auch in unserer Single "Dürfen darf man alles" sagen. Wir müssen miteinander reden, und das ist, glaube ich, das Allerallerwichtigste in allen Lebenslagen. Es geht nicht darum, über den anderen zu tratschen. Es geht darum, mit dem anderen zu reden. Das kann man auch innerhalb der Band sehen: Ich glaube, die Liebe bleibt frisch, wenn man miteinander redet und sich zwischendurch auch mal in Ruhe lässt.

Tobias Künzel: Im Nachhinein muss man außerdem sagen, gingen die 30 Jahre extrem schnell um. Es gibt einen Familienspruch bei uns: "Bewahret einander vor Herzeleid. Kurz ist die Zeit, die ihr beisammen seid. Denn ob auch viele Jahre euch vereinen, einst werden sie wie Minuten euch scheiden." - und genauso geht es uns jetzt nach 30 Jahren.

Sebastian Krumbiegel: Ich merke gerade, ich lerne immer wieder neue Seiten an meinem Freund Tobias Künzel kennen.

Das Interview führte SWR1 Moderatorin Steffi Vitt

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