Photovoltaik-Anlage auf Hausdächern (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Robin Utrecht)

Photovoltaikanlagen

Darf ein Stromanbieter die Leistung drosseln?

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Es klingt im ersten Moment paradox: In Zeiten von Energieknappheit und teuren fossilen Brennstoffen, kürzt ein Anbieter die Leistung der Photovoltaikanlage. Ist das rechtens?

SWR1 Hörer Dieter Ströder aus Niederbreitbach im Landkreis Neuwied schildert folgenden Fall: "Wir haben eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert. Aber anstatt die volle Leistung nutzen zu dürfen hat uns der Netzbetreiber Syna aufgefordert die Leistung um 30% zu reduzieren, sodass wir nur 70% der möglichen Leistung haben. Wie kann das zu vertreten sein in den Zeiten, wo Energie knapper und immer teurer wird?

SWR1 Umweltexperte Werner Eckert hat sich den Fall angesehen und die wichtigsten Fragen beantwortet.

SWR1: Hat der Netzbetreiber, in dem Fall Syna, wirklich das Recht zu fordern, die Leistung zu reduzieren? 

SWR1 Umweltexperte Werner Eckert: Ja, das ist bei allen Solaranlagen auf üblichen Hausdächern grundsätzlich so voreingestellt und hängt nicht vom Netzbetreiber ab. Das ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt, dass Anlagen zwischen sieben und 25 Kilowatt Peak, das sind die üblichen Haus-Solaranlagen, eine sogenannte Wirkleistungsbegrenzung haben müssen. Die Alternative wäre, dass sie vom Netzbetreiber fernsteuerbar sind. Das ist aber ziemlich aufwendig und deswegen sind die allermeisten Anlagen eben mit dieser Begrenzung versehen.

SWR1: Welchen Sinn hat die Regelung und wem nutzt sie? 

Eckert: Damit wird verhindert, dass zur Mittagszeit, wenn die Sonne am intensivsten scheint und alle Solaranlagen in einem Gebiet viel Leistung bringen, die Netze überlastet werden. Aber es wird nicht einfach die Leistung auf 70 Prozent reduziert, sondern die theoretische Maximalleistung. Und die wird in der Praxis ohnehin kaum erreicht. Und wenn, dann kommt der Stromertrag nur gegen Mittag für kurze Zeit über diese 70 Prozent hinaus. Untersuchungen dazu zeigen, dass maximal drei bis fünf Prozent der Energie wirklich faktisch abgeregelt werden. Das hängt im Wesentlichen von der Ausrichtung der Solaranlage ab. Aber es werden eben nicht 30 Prozent abgregelt, wie man auf ersten Blick so vermuten könnte.

SWR1: Habe ich als Kunde mit Photovoltaikanlage irgendeine Möglichkeit, mich da zu wehren und die volle Leistung meiner Anlage zu nutzen? 

Eckert: Ja, die habe ich durchaus. Gewertet wird nämlich nur die Einspeisung, also alles, was ich selbst verbrauche, wird da gar nicht berücksichtigt. Wer am Mittag sein Auto lädt oder den Wäschetrockner laufen lässt, der vermeidet zum Beispiel, dass da irgendetwas abgeregelt wird. Oder wenn ich ein Speicher habe, dann kann ich den eben zur Sonnenzeit über Mittag bevorzugt laden. Und dann hat man den Strom auch gesichert, selbst wenn die Anlage in dieser Zeit mal mehr als die 70 Prozent der theoretischen Leistung bringt. Also ganz so schlimm, wie der Hörer vermutet, ist diese Einschränkungen durch die Wirkleistungsbegrenzung in der Praxis nicht.

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SWR