Flyer von Gegnern der Corona-Maßnahmen (Foto: SWR)

Landesärztekammer zu umstrittenen Corona-Flyern

"Am Rande des Straftatbestandes"

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Falschinformationen von Impfkritikern landen immer häufiger auch als Flyer in unseren Briefkästen. Die Landesärztekammer warnt.

Diese Flyer werden unter anderem von der umstrittenen Gruppe "Ärzte für Aufklärung" verteilt. Wir haben mit Günther Matheis, Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, darüber gesprochen. 

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SWR1: Die "Ärzte für Aufklärung" schreiben, dass mit 80.000 Toten und vier Millionen Impfgeschädigten durch eine Corona-Zwangsimpfung zu rechnen sei. Was sagen Sie zu den Informationen auf diesen Flyern?

Günther Matheis: Diese Flyer sind in meinen Augen nicht nur irreführend, sie sind auch gefährlich, weil sie auf der einen Seite die Bevölkerung verunsichern. Auf der anderen Seite verbreiten sie einfach Unwahrheiten, die wir in diesen Tagen alles andere als gebrauchen können. Für mich stehen diese Behauptungen am Rande des Straftatbestandes.

SWR1: Wer steckt hinter diesen "Ärzten für Aufklärung"?

Matheis: Das sind zum Teil echte Mediziner. Es sind auch - früher jedenfalls - ganz honorige Leute gewesen, denen man auch einiges zugetraut hat. Aber mittlerweile sind diese Leute - ich würde mal sagen - falsch abgebogen und haben die Kurve nicht mehr gekriegt, um rechtzeitig zu erkennen, was sie hier eigentlich verbreiten. Wenn sie die Realität in den Krankenhäusern sehen würden, käme der ein oder die andere vielleicht noch einmal zur Besinnung.

SWR1: Wie kommen die "Ärzten für Aufklärung" auf so eine Idee, so etwas zu verbreiten?

Matheis: Ich kann mir nur vorstellen, dass aufgrund der ersten Welle im Frühjahr vielleicht nicht jedem klar geworden ist, was uns eigentlich im Herbst und Winter bevorsteht. Damals waren die Krankenhäuser und die entsprechenden Institutionen zwar belastet, aber lange nicht so, wie heute. Wer in der Praxis, oder wo auch immer, nicht mit einem Covid-Patienten konfrontiert war, der richtige Symptome gehabt hat und schwer erkrankt war, der konnte sich überhaupt nicht vorstellen, mit was man hier in letzter Instanz konfrontiert ist. Ich glaube, es gibt unter uns keine zwei Meinungen darüber, dass diese Zahlen völliger Unsinn sind. Wir wissen, dass von Impfgeschädigten bislang überhaupt nicht die Rede sein kann. Diese Zahlen sind einfach getürkt und sollen ganz einfach diese Verunsicherung in die Bevölkerung hineintragen und die Impfung diskreditieren.

SWR1: Was macht die Landesärztekammer, um diesen Falschinformationen etwas entgegen zu setzen?

Matheis: Wir werden all das, wo wir den Eindruck haben, dass wir berufsrechtlich an diese Leute herankommen auch rigoros verfolgen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir haben in der Pfalz eine Ärztin, die gegen Corona-Auflagen in der Praxis verstoßen hat. Die Landesärztekammer ist durchaus in der Lage mit Ordnungsgeld, das im Einzelfall bis zu 50.000 Euro betragen kann, wirksam diesem Treiben entgegenzutreten. Jeder Tatbestand werden wir auch rigoros verfolgen.

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