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Rund 16 Millionen Deutsche nutzen die Corona-Warn-App und inzwischen wurden 1,6 Millionen Testergebnisse auch darüber mitgeteilt. Die Smartphone-Anwendung setzt aber auf Freiwilligkeit.

Und das ist ein Problem: Denn nur 60 Prozent der positiv getesteten Nutzer haben erlaubt, andere vor sich zu warnen. Das sind täglich also nur 500 Meldungen bei 6.000 Neuinfektionen. Ministerpräsident Markus Söder (CDU) hält die Corona-Warn-App bislang für praktisch wirkungslos und sprach von einem "zahnlosen Tiger". Sie habe kaum eine warnende Wirkung.

Corona-Warnapp auf einem Handy geöffent (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Michael Kappeler/dpa)
picture alliance/Michael Kappeler/dpa

Johannes Stange ist Leiter des IT-Service der Laborgruppe Amedes und verantwortlich dafür, dass Labore die Testergebnisse an die Corona-Warn-App übermitteln können.

SWR1: Sie hatten selbst eine Corona-Diagnose - wie zufrieden waren Sie mit der Corona-Warn-App?

Johannes Stange: Ich war persönlich sehr zufrieden. Ich hatte Symptome, bin zum Arzt gegangen und konnte mir gar nicht erklären, woher ich gegebenenfalls Corona haben könnte. Ich war sehr froh, als ich schon abends das Ergebnis in der Corona-Warn-App gesehen habe.

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Was gefällt Ihnen nicht an der App?

Höchstens die zu geringe Nutzung. Bei den Tests, die uns erreichen, haben nur etwa 20 Prozent der Patienten der Datenübertragung an die Corona-Warn-App zugestimmt. Die meisten machen das nicht aus Datenschutzgründen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Was wir an das Robert-Koch-Institut übermitteln, sind lediglich die User-ID in Form eines ellenlangen Codes und das Ergebnis, ob positiv oder negativ. Es werden keinerlei Informationen zum Patienten übertragen. Das ist auch der Grund, warum viele ihr Testergebnis nicht über die App angezeigt bekommen - sie haben der Datenübermittlung nicht zugestimmt.

Welche Punkte halten Sie für wichtig, damit die App die Pandemie-Bekämpfung wirklich unterstützen kann?

Dass die App genutzt wird und sie datenschutztechnisch sauber ist. Wichtig dabei ist, dass das entsprechend kommuniziert wird und bei den Bürgern auch ankommt. Im privaten Umfeld hört man Argumente wie, "Da ist ein Geo-Tagging und sie wissen, wo ich war". Das zeichnet die Corona-Warn-App überhaupt nicht auf. Die App kriegt nur mit, welche Mobilfunkgeräte in der Nähe waren, die diese App auch installiert haben.

Update der Corona-Warn-App

Erst am Montag war eine neue Version der App erschienen. Neu ist eine Tagebuch-Funktion. Darin können infizierte Nutzer ihre Krankheitssymptome eintragen. Mit Hilfe dieser Angaben kann der Algorithmus der App das Infektionsrisiko präziser berechnen. Außerdem kann man die Corona-Warn-App nun in einigen europäischen Ländern nutzen.

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