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Bruce Springsteen hat die Songs für sein neues Album in Rekordzeit komponiert. SWR1 Musikchef Bernd Rosinus hat es sich angehört - und spricht über eine besondere Gitarre, einen autobiographischen Song und sein persönliches Highlight.

Es gibt eine etwas verrückte Geschichte rund um die Gitarre, auf der Bruce Springsteen die Songs für das Album komponiert hat.

Ja, die Gitarre hat er von einem Fan bei einem Konzert in Amerika geschenkt bekommen. Bruce Springsteen erzählte, er habe sich gefreut, denn er sammelt Gitarren und hat sie mit nach Hause genommen. Es war eine schöne Gitarre und so hat er sie sich ins Wohnzimmer gelegt. Und irgendwann, als er das Bedürfnis hatte, Songs für ein neues Album zu komponieren, hat er sich dann diese Gitarre geschnappt und einfach angefangen zu spielen. Die Songs seien dann regelrecht aus dem Instrument rausgeflossen. Springsteen sagte, er schulde dem jungen Mann einen Gefallen - denn die Songs waren gewissermaßen in dem Instrument drin, er brauchte sie nur noch zu entdecken.

Der Titel des Albums ist "Letter to You". An wen richtet sich denn der Brief von Springsteen?

Das ist nicht ganz so einfach. Man könnte sagen, an seine Fans, an seine alten Mit-Musiker ist ein bisschen was drin. Aber ich glaube, im Prinzip ist es eigentlich ein Brief an sich selbst. Es geht um ihn. Also "Letter to You" ist eher ein Brief an sein jüngeres Ego. Normalerweise gibt’s ja auch nicht so viel autobiographische Songs von Bruce Springsteen, aber auf dieser Platte ist einer drauf, der ist sehr autobiographisch. Der bezieht sich nämlich auf seine erste Band, die Castiles.

Albumcover von Bruce Springsteen "Letter to you" (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/-/Sony Music/dpa)
picture alliance/-/Sony Music/dpa

Und da war ein Erlebnis, wenn man so will, die Initialzündung für das Album. Da hat er nämlich erzählt, dass er einen sehr engen Freund aus dieser Band hatte. Die Band wurde 1965 gegründet, das war seine Schülerband, wenn man so will. Und diesen Freund hat er noch einmal besucht, als der schon todkrank war. Und er ist dann richtig erschrocken, als der dann gestorben war. Denn das war tatsächlich der letzte Überlebende dieser Band. Er hat dann also "Last Man Standing" geschrieben - also "Der letzte Überlebende", und das war dann wie ein Dammbruch. Die anderen Titel hat er dann ganz schnell, innerhalb von sieben oder zehn Tagen komponiert.

Auf der Platte ist eine Mischung aus neuen und alten Songs?

Ja, es sind neun neue und drei alte Songs drauf. Für mich ist aber das Highlight der Platte ein alter, nämlich "Janey needs a shooter". Da hört man nämlich diesen frühen Springsteen noch raus. Er galt ja in den 70ern als der neue Bob Dylan und hat auch ein bisschen so komponiert: Erst der Text, dann die Musik. Und wenn der Text länger war, war halt der Song auch länger. Dementsprechend ist dieser Titel dann auch ziemlich lang.

Er hat immer an diesem Titel "Janey needs a shooter" rumgebastelt, hat aber nie eine Version gehabt, wo er gesagt hat - das veröffentliche ich jetzt. Deswegen gibt’s davon nur so Demo-Mitschnitte, die irgendwo im Internet kursieren, aber keine offizielle Veröffentlichung. Ja, und der ist jetzt raus und "Janey needs a shooter" finde ich eines der stärksten Stücke auf dem Album.

1984 - SWR1 Meilensteine Bruce Springsteen - "Born in the U.S.A."

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