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Zwei Wochen sind geschafft, wie viele Wochen mit geschlossenen Schulen, Kitas und Spielplätzen noch vor uns liegen - wer weiß. SWR1-Kollegin Sandra Karch ist in die dritte Woche gestartet, als Redakteurin, Mutter, Lehrerin, Animateurin, Dompteurin ...

Ich bin eine von vielen - eine Mutter, die berufstätig ist und die ihre Kinder tagsüber im Kindergarten hat. Mir geht es in diesen Wochen genauso wie vielen anderen: Ein Job und keine Kita oder Schule. Das bedeutet: ein Riesenspagat - nun, sportlich kann ich keinen Spagat, aber zum Glück gut organisieren.

+++ Tag 17: Da waren es schon drei +++

Am Ende meiner Homeoffice-Arbeitswoche Nummer drei bleibe ich dabei: Homeoffice hatte ich mir anders vorgestellt. Aber mittlerweile kann ich dem Arbeiten zuhause auch viel Gutes abgewinnen.

Homeoffice mit Kindern - sie wollen gerne auch "mitarbeiten" (Foto: SWR, S. Karch)
Homeoffice mit Kindern - sie wollen gerne auch "mitarbeiten" S. Karch

Natürlich gibt es auch bei uns immer noch die ein oder andere Diskussion mit unseren Kindern, aber wir Eltern haben eine wichtige Sache verstanden: Kinder wollen nicht bespaßt werden, sie wollen dabei sein! Wenn Mama oder Papa arbeiten, wollen sie mitarbeiten und ihnen nahe sein. Deshalb lasse ich sie jetzt viel häufiger mitmachen, mitkochen und mitleben. Und schon ist es bei uns ruhiger geworden - fast schon langweilig.

Das ganze Land ist in der gleichen Situation

Kinder haben keine Kita/Schule und viele Eltern müssen ihre Arbeit aus dem Wohnzimmer machen. Jeder, der an diesem "Experiment Homeoffice" teilnimmt, hat Verständnis, wenn die Kinder von Kollegen bei der Videobesprechung im Hintergrund Grimassen schneiden oder lustige Lieder trällern und tanzen. Man braucht sie jetzt nicht auszusperren oder vor dem Fernseher parken, damit es während der Besprechung ruhig zugeht. Viele freuen sich sogar über das fröhliche Kindertreiben im Hintergrund.

Unser Chaos geht in geordnete Wege über

Sicher, ich mag gar nicht abstreiten, dass schlafende Kinder immer noch der "Jackpot" sind, wenn man arbeitet. So können wir uns einfach besser konzentrieren. Es geht aber auch mit ihnen. Dafür gestaltet sich die Essensfrage weiter nicht einfach. Aber wenn sie mal drei Tage hintereinander nur Nudeln oder Pfannkuchen essen sollen, ist das auch nicht schlimm. Am Nachmittag lege ich ihnen Rohkoststicks und Obst auf den Tisch, auch da greifen sie zu. Eines will ich aber auch immer noch nicht akzeptieren: die Distanz zu Freunden und Familie. Sie werden weiterhin schmerzlich vermisst und allen fehlen "unsere Leute". Aber: In unseren vier Wänden haben wir Vier uns miteinander arrangiert und genießen die Nähe. 

Das "Experiment Homeoffice" wird irgendwann ein Ende haben. Gerade jetzt weiß ich gar nicht, ob ich das eher gut oder schlecht finden soll. 

+++ Tag 16: Lasst Blumen sprießen +++

Der Frühdienst ermöglicht es mir nachmittags Zeit für die Kinder zu haben, ohne dass Arbeit getan werden muss. Sobald mein Mann Feierabend hat, nimmt er sich Zeit für uns. Seine Mädels! Wir spielen, lachen, tanzen, toben, machen Scherze oder kuscheln einfach nur miteinander. Wir alle genießen diese Augenblicke. Trotzdem merke ich meinen Kindern an, dass sie ihre Freunde vermissen. Aus diesem Grund setzen wir erneut eine "Freundespiel"-Aktion in die Tat um.

In die selbstangemalten Papiertüten kommen die Blumesamen (Foto: SWR, Foto: S. Karch)
In die selbstangemalten Papiertüten kommen die Blumesamen Foto: S. Karch

Im Supermarkt habe ich Blumensamen für Bienenwiesen gekauft, außerdem kleine Papiertütchen. Diese bemalen wir gemeinsam zu Hause. Danach dürfen die Kinder in jedes Tütchen fünf Teelöffel Samen einfüllen. Dazu gibt es noch eine Spielerklärung, fertig. 

Wir machen uns auf den Weg durch unseren Stadtteil. Werfen bei allen Freunden die Tütchen in die Briefkästen. Dazu natürlich auch den Erklärzettel:

"Die Bienen werden langsam wieder aktiv und suchen nach Nahrung. Verstreue die Samen auf einem Blumenkasten auf deinem Balkon, im Garten oder neben einem Baum vor deiner Haustür. Wichtig: Bitte oft gießen. Dann hast du bald eine bunte Blumeninsel, über die sich nicht nur die Bienen freuen werden."

Auch unsere Töchter haben sich eigene kleine Tütchen befüllt und neben einem Baum in unserem Hinterhof eingegraben. Das ganze natürlich auch mit ordentlich Wasser übergossen. Schon jetzt sind meine Töchter aufgeregt und gespannt, welche Blumen bei uns bald blühen.

Gesammelte Spielideen

Und jetzt noch ein lang gewünschter Zusatz. Hier sind die Spielideen aus unserem Turmgruppenchat. Viel Spaß beim Nachspielen:

  • Spiel 1 - Fotoschatzsuche: Dafür wird ein Bonbon (Nüsse gehen auch) unter einem Gegenstand in irgendeinem Zimmer verstecken, davon ein Foto gemacht und dem Kind gezeigt. Das Kind muss suchen.
  • Spiel 2 - Stapelspiel: Stapeln, was das Zeug hält - egal was. Hauptsache hoch, das ist das Motto. Der höchste Turm gewinnt. 
  • Spiel 3 - Indoor-Schnitzeljagd: Aufgaben wie "Suche einen runden Gegenstand", "Wie viele Stufen führen von einer Etage zur nächsten", "Zähle alle Stuhlbeine zusammen". Zehn solcher Aufgaben beschäftigen die Kids eine gute Viertelstunde.
  • Spiel 4 - Steine werden Kunstwerke: Beim Spazierengehen Steine sammeln. Diese zu Hause bunt anmalen und beim nächsten Spaziergang wieder verteilen. Da, wo deine Freunde sie sehen können. 
  • Spiel 5 - Picknick im Wohnzimmer: Statt beim Mittagessen am Tisch zu sitzen, einfach mal ein Picknick im Wohnzimmer machen. Alle essen gemeinsam auf einer Decke.
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