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Die Vereine sind dicht und mit dem Freundeskreis am Bolzplatz zu kicken, ist auch nicht drin. Die Corona-Pandemie ist ein Bewegungs-Killer, vor allem bei Kindern. Das wirke sich nicht nur auf deren Sportlichkeit negativ aus, sagt Sportwissenschaftler Ingo Froböse im SWR1-Gespräch.

SWR1: Warum ist Bewegungsmangel in der Corona-Pandemie gerade bei Kindern und Jugendlichen so gefährlich?

Prof. Ingo Froböse: Bewegungsmangel ist deswegen ganz wichtig, weil es die kindliche Entwicklung negativ beeinträchtigt. Das heißt, Kinder brauchen die körperliche Aktivität und Motorik, um sich zu entwickeln und damit die Knochen und Muskeln wachsen. Damit Sehnen sich anpassen, damit überhaupt Wachstum passiert - auch das Gehirn-Wachstum, die Intelligenz, die emotionale Entwicklung. Sie müssen unterwegs sein sowie raufen, toben, springen und hüpfen. Wenn das wegfällt, dann leidet die kindliche Entwicklung.

SWR1: Laut Bundes-Notbremse dürfen Kinder unter 14 Jahren Sport in kleineren Gruppen treiben, die Älteren nicht. Macht so eine Regelung aus Ihrer Sicht überhaupt Sinn?

Prof. Ingo Froboese, Sportwissenschaftler an der Sporthochschule Koeln (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres)
Prof. Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Sporthochschule Köln, beantwortet SWR1 Hörerfragen. picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

Froböse: Es ist in der Tat so, dass Bewegung nur ein Leben lang Sinn macht. Man kann es nicht in Phasen aufteilen. Man kann auch keine Nachhilfe für kindliche Entwicklung geben. Gerade in der Phase ab 14 Jahren gibt es große Wachstumsprozesse und -schübe. Weil wir hier die Bewegung einschränken und limitieren wir dadurch die kindliche Entwicklung. Es ist absolut falsch, zu glauben, dass Motorik hier nicht wichtig wird. Nein, gerade ab 14 Jahren wird sie wichtig.

SWR1: Sie sagen also ganz klar: Die Regelung macht eigentlich keinen Sinn und auch Jugendlicher ab 15 Jahren sollte Sport machen dürfen?

Froböse: Ja, natürlich. Das ist ganz wichtig. Wir verlieren wirklich eine ganze Generation an kindlichen Sportlern. Wir wissen, dass beispielsweise unsere Talente, die normalerweise jetzt in diversen Sport-Vereinen gefördert werden, aktuell ein langes Jahr ohne ihren Sport haben. Da geht der "Sportgeneration Deutschland" ganz viel verloren.

Das bedeutet also: Kindliche Entwicklung im jugendlichen Alter braucht dringend motorische Unterstützung, motorische Reize, um sich entwickeln zu können.

Das komplette Gespräch mit dem Ingo Froböse können Sie hier nachhören. Der Sportwissenschaftler beantwortet Hörer-Fragen und verrät unter anderem, mit welcher einfachen Übung Sie im Alltag fit bleiben.

Audio herunterladen (5,6 MB | MP3)

Das Gespräch führte Frank Jenschar.

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