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Aufarbeitung des WM-Aus "Höchstens ein Reförmchen"

Zwei Monate ist es her – das peinliche WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft. Zwei Monate, in denen Bundestrainer Jogi Löw geschwiegen und das Desaster analysiert hat. Heute hat er sein Ergebnis präsentiert. ARD-Reporter Martin Roschitz hat die Pressekonferenz des DFB verfolgt und analysiert die Ergebnisse.

Hat Joachim Löw eine richtige Reform angekündigt?

Nein, für mich ist es keine Reform geworden, sondern höchstens ein Reförmchen. Löw und Bierhoff haben ein paar Fehler eingeräumt: Falsche Taktik, zuviel Ballbesitz und das Thema Özil hätten sie unterschätzt. Aber die eigentlich Botschaft hieß, dass es jetzt völlig verkehrt wäre, alles über den Haufen zu werfen. Bierhoff hat einige seiner Aufgaben an andere delegiert. Löw hat mit Sami Khedira nur einen Weltmeister aussortiert. Im Trainer- und Betreuerteam ist gar keiner rausgeflogen, sondern nur versetzt worden. Co-Trainer Thomas Schneider übernimmt die Scouting-Abteilung. Urs Siegenthaler aus der Scouting-Abteilung darf auch weiter mitmischen. Das Credo ist: Erfahrung sei die Basis für einen Neuanfang. Im Prinzip hat Uli Hoeneß recht behalten, der sagte, dass das eine Alibiveranstaltung sei und da sowieso nicht viel bei rauskommt.

Hat Löw seine Lektion nicht gelernt?

Ich glaube nicht. Ich halte ihn auch nicht mehr für den Richtigen in diesem Beruf und zu diesem Zeitpunkt. Er ist ganz offensichtlich nicht bereit für einen radikalen Schnitt. Für einen wirklichen Neuanfang braucht es schon mehr als ein paar personelle Retuschen. Jogi Löw ist heute in die Rolle des Reformers geschlüpft, weil es von ihm so verlangt wurde. Ein wenig pflichtschuldige Selbstkritik reicht nicht. So arrogant gewesen zu sein um zu glauben, dass man allein mit Ballbesitzfußball durch die Vorrunde kommt, ist unverständlich. Ein Reförmchen hier und ein Reförmchen da. Ich glaube ihm einfach nicht, dass er bereit ist seine Weltmeister-Wohlfühlwelt von 2014 zu verlassen.

Hätte er nach dem Desaster besser direkt gesagt, dass er nicht mehr der Richtige ist?

Das wäre besser gewesen. Aber eine solche Erkenntnis fällt dem ein oder anderen, nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch in der Politik, sehr schwer.

Jetzt ist in acht Tagen schon das nächste Spiel gegen Weltmeister Frankreich. Da werden wohl alle genau hinschauen, oder?

Da werden alle ganz genau hinschauen. Auch auf die neuen Nationalspieler:

  • Thilo Kehrer (Innenverteidiger, defensiver Mittelfeldspieler oder rechter Außenverteidiger), gerade von Schalke 04 zu Paris St. Germain gewechselt,
  • Außenverteidiger Nico Schulz von der TSG Hoffenheim, der auch mal im Mittelfeld spielt und
  • Kai Havertz (offensives Mittelfeld), mit 19 Jahren eines der größten Talente des deutschen Fußballs.

Von Havertz, der bei Bayer Leverkusen spielt, verspricht sich der Bundestrainer besonders viel für die Zukunft im offensiven Bereich.

Nicht mehr dabei sind neben Sami Kedhira, Sebastian Rudy, der gerade zu Schalke 04 gewechselt ist und Torhüter Kevin Trapp.

Mit schweren Vorwürfen von Rassismus ist Mesut Özil aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Hat sich Joachim Löw damit wirklich intensiv auseinandergesetzt?

Nein, das hat er nicht. Er hat die Debatte von anderen führen lassen, von Oliver Bierhoff und Reinhard Grindel.