Asexualität

Leben und lieben ohne Sex

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Asexuelle Menschen finden Andere körperlich unattraktiv, haben keine Lust auf Sex oder finden die körperliche Liebe sogar abstoßend. Dabei gilt Asexualität nicht als Krankheit oder Störung, sondern als sexuelle Orientierung.

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Irina Brüning, Sprecherin des Vereines AktivistA e.V. geht davon aus, dass etwa ein Prozent der Menschen zur Gruppe der Asexuellen gehören. Dabei, darauf verweist Brüning im SWR1-Interview, beziehen sich die vorliegenden Werte allerdings auf eine Studie aus dem Jahr 2004: "Sie sind also nicht mehr ganz taufrisch." Auch über die geschlechtliche Verteilung der Orientierung gibt es laut Brüning keine Angaben. Die Forschungen zum Thema stehen derzeit noch ganz am Anfang, so die Expertin.

Kaum gesellschaftliches Interesse

Asexualität ist derzeit, so Irina Brüning, noch kaum Thema in unserer Gesellschaft. Das liegt nach Aussagen der Expertin daran, dass der Wunsch nach körperlicher Liebe bei allen Menschen vorausgesetzt wird: "Und wenn nicht mit dem anderen Geschlecht, dann doch mit dem gleichen. Aber er oder sie ist überhaupt nicht interessiert. Das können sich viele Leute gar nicht vorstellen." Das gesellschaftliche Unverständnis, so die Expertin, führe zum Teil soweit, dass Asexuelle durch ihre Orientierung im Alltag oft stigmatisiert und als krank oder psychisch gestört diskreditiert würden.

Keine Krankheit

Dabei ist es dem Verein AktivistA e.V. wichtig, dass Asexualität nicht als Krankheit  gesehen und in der Gesellschaft thematisiert wird: "Asexualität ist eine sexuelle Orientierung, die derzeit wenig beachtet und noch weniger verstanden wird. Asexuelle Menschen haben kein Verlangen nach sexueller Interaktion, und/oder verspüren keine sexuelle Anziehung."

Brüning erklärt weiter, dass Asexualtität genauso als sexuelle Orientierung gesehen werden müsse, wie Homo- oder Hetero-Sexualität und dass sich alleine dadurch eine Therapierung oder die Einstufung von Asexualität als Krankheit oder psychische Störung verbiete.

Kontakt und Austausch mit Gleichgesinnten

Die Expertin empfiehlt Betroffenen, die sich mit ihrer Orientierung alleine gelassen oder unwohl fühlen, den Kontakt zu Gleichgesinnten. "Das geht am einfachsten vor allem in Corona Zeiten über das Internet. Aber es finden auch in ganz Deutschland regelmäßig Stammtische statt." Der Austausch mache Vieles für die Betroffenen deutlich einfacher, so Brüning weiter. Als Anlaufpunkt für die "Aces", wie sich die Asexuellen selbst nennen gilt unter anderem das Online-Forum Asexuality Visibility and Educational Network (AVEN). Dort sind inzwischen über 60.000 Mitglieder registriert. Für den deutschsprachigen Raum gibt es außerdem das AVEN-Forum als Anlaufpunkt.

Anzeichen in der Jugend

Asexuelle Menschen merken, so Irina Brüning weiter, oft schon in der Jugend, dass sie keinen Wunsch nach körperlicher Liebe und Sex verspüren. Als Beispiel nennt die Expertin eine Schwärmerei für einen Bekannten: "Und dann fragt die beste Freundin, ob sich die Schwärmende eine sexuelle Beziehung vorstellen kann. Und die Antwort: Nein, um Himmels Willen nicht. Ich finde ihn doch nur niedlich."

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Sie kommt aus Berlin, sie arbeitet als Lehrerin für Englisch und Informatik und sie ist offen und bekennend asexuell. Kati Radloff fühlt sich weder von den Männern noch von Frauen sexuell angezogen, eine Haltung, die sie mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier teilt. "Die Vorstellung, Sex zu haben", sagt sie, "ist für mich irgendwie absurd." Gleichwohl hatte sie viele Jahre eine Beziehung zu einem sexuell aktiven Mann. 2005 gründete Kati Radloff ein Internetforum für Asexuelle. Sie leitet Workshops, hält Vorträge, tritt medial in Erscheinung. Sie will anderen Asexuellen zeigen, dass sie nicht allein sind.  mehr...

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