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Wer über die Querflöte in der Rockmusik spricht, kommt nicht an Jethro Tull vorbei. Streng genommen ist Jethro Tull die einzige Rockband, die die Querflöte konsequent in den Mittelpunkt ihrer Musik gestellt hat. Ian Anderson ist der Mann mit der Querflöte. "Bourée" war 1970 ein Hit für Jethro Tull. Die Melodie stammt von Johann Sebastian Bach. Davon hatte Ian Anderson aber keine Ahnung, als er das Stück unfreiwillig zum ersten Mal gehört hat.

Die Geschichte beginnt 1969 in einer Londoner Altbauwohnung. Dort wohnt Ian Anderson. Im Stockwerk darunter lebt ein Musikstudent. Der studiert Gitarre und ist ausgesprochen fleißig. Jeden Tag übt er. Weil das Haus recht hellhörig ist, hört Ian Anderson durch den Fußboden unfreiwillig mit. Das strapaziert die Nerven, denn der Typ unter ihm spielt immer das gleiche Stück. Die Folge: Ian bekommt die Melodie nicht mehr aus dem Kopf.

Den Ohrwurm ist er nicht mehr losgeworden ...

Irgendwann  fängt er an, es selber auf seiner Flöte nachzuspielen. "Was ist das eigentlich?", fragt er einen Freund, der sich mit klassischer Musik auskennt. "Das ist die Bourée aus der Lautensuite in E-Moll von Johann Sebastian Bach", verkündet der. "Aha"- denkt Ian Anderson, "jetzt krieg ich das Ding sowieso nicht mehr aus dem Birne, dann kann ich auch gleich was draus machen."

Ob Bach das gefallen hätte?

Mit seiner Band Jethro Tull übt er das "Bourée" ein – aber ganz anders, als man es in der Musikhochschule lernen würde. Ob’s Bach gefallen hätte? Keine Ahnung!

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