STAND
AUTOR/IN

Manche Hits entstehen in Minuten, andere brauchen sehr viel Zeit und statt eines Gedankenblitzes bedarf es mühsamer Kleinarbeit. Die große Ballade "All by myself" von Eric Carmen ist ein Beispiel für so eine schwere Geburt.

Dauer

Eric Carmen war sehr ehrgeizig. Er hatte den Plan, eine große Ballade zu schreiben und damit berühmt zu werden. Die erste Idee war eine Klavierpassage.

Klarinettensolo von Rachmaninov

Zwei Monate hat Eric Carmen daran herum probiert, bis er zufrieden war. Das sollte der Mittelteil werden. Jetzt fehlte eine Gesangsmelodie. Eines Tags hörte Eric Carmen zufällig das 2. Klavierkonzert des russischen Komponisten Sergei Rachmaninov. Als die Klarinette im 2. Satz ein verträumtes Solo spielte, dachte er: 'Genau, das ist es, das nehme ich!'. Das Klavierkonzert stammte aus dem Jahr 1901 und Eric dachte sich überhaupt nichts dabei, eine so alte Melodie zu verwenden. Der Komponist war ja schon verstorben.

Win-win-Situation

"All by myself" war fertig, wurde aufgenommen und sollte veröffentlicht werden. Und dann kam das Problem: Die Erben von Rachmaninov hatten Wind bekommen und meldeten sich per Rechtsanwalt. Es wurde erklärt, dass man keineswegs eine Melodie von Sergei Rachmaninov verwenden darf. Die Verwertungsrechte liegen nämlich bei den Erben. Es wurde verhandelt. Am Ende konnte man sich einigen: die Erben bekamen zwölf Prozent der erwarteten Einnahmen. Ein faires Geschäft, denn ohne Rachmaninov, wäre "All by myself" nicht halb so gut. Eric Carmen wurde mit "All by myself" berühmt, die Menschen liebten dieses traurige Lied und die Erben von Rachmaninov haben gut mitverdient. Am Ende wurden alle glücklich mit dem traurigen "All by myself".

STAND
AUTOR/IN