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CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat ihren Verzicht auf eine Kanzlerkandidatur und Rückzug vom Amt der Parteivorsitzenden angekündigt. Bis ein geeigneter Kanzlerkandidat gefunden ist, möchte sie das Amt als Partei-Vorsitzende allerdings weiter ausführen.

Michael Lueg hat mit Professor Andreas Rödder, selbst CDU-Mitglied und Historiker an der Universität Mainz über die Stimmung in der Partei und die Entscheidung von Annegret Kramp-Karrenbauer gesprochen.

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Michael Lueg: Wie schätzen Sie den Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer ein?

Andreas Rödder: Frau Kramp-Karrenbauer hat eine sehr mutige und sehr klare Entscheidung getroffen. Sie hat diese Entscheidung getroffen, als sie sie noch selbst treffen konnte und nicht als alle restlos der Meinung waren, dass es jetzt nicht mehr anders geht.

Sie haben also damit gerechnet, dass sie sowieso "abgeschossen" worden wäre?

Es war damit zu rechnen, dass die Führungsfrage in der CDU über kurz oder lang ganz massiv wieder aufkommen würde. Und Annegret Kramp-Karrenbauer ist einer quälend langen Debatte zuvorgekommen.

Es hieß immer, sie hätte sich in der "Thüringen-Krise" nicht durchsetzen können. Glauben Sie, dass es definitiv daran gelegen hat?

Am Ende ist sie ein Opfer von Angela Merkel geworden.

Prof. Andreas Rödder, Historiker

Nein, die "Thüringen-Krise" war nur der letzte Auslöser. Am Ende ist sie ein Opfer von Angela Merkel geworden. Das was ihr auf die Füße gefallen ist, das ist das Erbe der Ära Merkel. Angela Merkel hat Annegret Kramp-Karrenbauer seit dem Dezember 2018 am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Frau Kramp-Karenbauer hat es allerdings auch nicht vermocht, der CDU den Neuanfang, die Profilierung mitzugeben, die die CDU gebraucht hätte, weil sie keine charismatische Führungspersönlichkeit ist. Aber der Grund für die Desorientierung in der CDU liegt nicht in Annegret Kramp-Karrenbauer. Der Grund liegt in der langen Amtszeit von niemand anderem als Angela Merkel.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist deshalb jetzt gescheitert. Ist damit auch die Kanzlerin Angela Merkel gescheitert?

Ja, jetzt steht die Kanzlerschaft von Angela Merkel zur Disposition.

Prof. Andreas Rödder, Historiker

Was gescheitert ist, das ist die Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerschaft in der gegenwärtigen Situation dieser Legislaturperiode. Das heißt, jeder Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer wird diese Situation nicht hinnehmen können. Insofern stellt sich mit der Frage der Nachfolge von Kramp-Karrenbauer als Parteivorsitzender zugleich die Frage der Kanzlerschaft. Ja, jetzt steht die Kanzlerschaft von Angela Merkel zur Disposition.

Einige Namen sind schon im Spiel: Friedrich Merz, Jens Spahn, Armin Laschet. Wer könnte denn Kanzler beziehungsweise CDU- Vorsitzender werden?

Nun, das sind die Namen, die im Spiel sind. Armin Laschet gilt als "Merkelianer" und wäre insofern eher ein Repräsentant des "Weiter so". Friedrich Merz und Jens Spahn stehen für eine eigene Profilierung, stehen für einen Neuanfang innerhalb der CDU. Eine starke programmatische Figur wäre auch Norbert Röttgen. Und ansonsten ist natürlich auch Markus Söder als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender im Spiel. Und ich würde mal gar nicht ausschließen, auch wenn das im Moment nicht wahrscheinlich ist, dass noch irgendein Überraschungskandidat aufkommen könnte, wenn sich bestimmte Konstellationen blockieren würden.

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