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Abschaffung der Zeitumstellung Forscher warnen vor ewiger Sommerzeit

Die Zeitumstellung abschaffen - das wollen nicht nur viele Deutsche. Auch Wissenschaftler halten das Hin und Her für Unsinn. Doch sie warnen zugleich: Gelte die sogenannte Sommerzeit künftig dauerhaft, könne das schlimme Auswirkungen haben.

Eine Frau schläft im Bett, auf dem Nachttisch steht ein Wecker.

Laut Wissenschaftlern ist eine dauerhafte Winterzeit besser für den Menschen und seinen Schlaf.

Im Sommer eine Stunde vor, im Winter eine Stunde zurück - viele Menschen leiden unter der Zeitumstellung. Die EU-Kommission will nun vorschlagen, sie abzuschaffen. Wissenschaftler begrüßen das grundsätzlich. Aus ihrer Sicht widerspricht der künstliche Wechsel der Biologie. In einer nicht repräsentativen Online-Umfrage der EU-Kommission . Mitgemacht haben damit weniger als ein Prozent der EU-Bürger. Allein drei Millionen Antworten kamen aus Deutschland. Die meisten waren für eine dauerhafte Sommerzeit.

Davor warnt Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München. Stelle man die Uhren ganzjährig auf Sommerzeit um, werde es riesige Probleme geben. "Letztendlich stellt es einen physiologischen Stress dar, der dazu führt, dass alles was wir an Krankheiten bekommen würden, wenn wir 130 Jahre alt würden, immer mehr in unsere echte Lebenszeit hineingezogen wird," sagte der Chronobiologe im Interview bei "SWR1 Leute" Ende Juli.

Krankheiten wie Diabetes, Depressionen und bestimmte Krebsarten würden durch die Schlafmangel also früher auftreten. Die Europäer würden dicker, dümmer und grantiger werden.

Sozialer Jetlag bei Schülern und Berufstätigen

Licht und Dunkelheit bestimmen unsere innere Uhr - wann wir wach und wann wir müde werden. Die wenigsten Deutschen können sich allerdings nach diesem natürlichen Rhythmus richten. Ihr Tagesablauf wird von ihrem Arbeitsbeginn und anderen Terminen bestimmt. Der Großteil braucht daher morgens einen Wecker, um pünktlich bei der Arbeit oder in der Schule zu sein. Roenneberg nennt das "sozialen Jetlag". Wenn es durch die Sommerzeit abends länger hell ist, setzt die Produktion des Schlafbotenstoffs Melatonin erst später ein. Man wird nicht rechtzeitig müde, muss aber morgens trotzdem früh aus dem Bett.

Gerhard Bold, Vorsitzender des Landesverbands Bildung und Erziehung (VBE) sieht trotzdem keinen Anlass, den Schulbeginn in Rheinland-Pfalz auf eine spätere Uhrzeit zu legen. Zwar verschließe er sich den Forschungsergebnissen nicht grundsätzlich - die Schüler sollten aber lernen, sich an soziale Verpflichtungen wie einen frühen Schulbeginn zu gewöhnen. Laut Roenneberg sei jedoch klar, dass die Schüler zu früher Stunde nicht effektiv lernen würden. Er prognostiziert: "Jedes Land, das das nicht macht, wird uns akademisch überholen." Denn vor allem Schüler und Studenten seien betroffen, weil Lernen und das Gelernte zu verarbeiten, bei zu wenig Schlaf stark eingeschränkt werde. Im Alter von etwa 20 Jahren sei zudem das Schlafbedürfnis am größten.

Auch im Berufsleben seien feste Arbeitszeiten zwischen neun und 17 Uhr heutzutage nur noch in den wenigsten Branchen nötig. Eine Änderung hier sei "viel wichtiger als dieser Schnellschuss, ganzjährig die Sommerzeit einzuführen."

Forscher plädieren für dauerhafte Winterzeit

Roenneberg und die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) sprechen sich stattdessen für eine dauerhafte Winterzeit aus. "Sie entspricht den Verhältnissen, die unter Berücksichtigung der natürlichen Lichteinflüsse für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus am günstigsten ist", sagt der DGSM-Vorsitzende Alfred Wiater. "Wenn wir im Winter am Morgen länger der Dunkelheit ausgesetzt sind, werden wir schlechter wach." Das könne Konzentration und Aufmerksamkeit beeinträchtigen und zu mehr Fehlern in der Schule und im Job führen sowie Unfälle begünstigen.

Roenneberg kritisiert außerdem, dass die Online-Befragung der EU weitgehend ohne Aufklärung geschehen sei. "Wenn EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker gesagt hätte, dass wir künftig alle ganzjährig eine Stunde früher arbeiten müssen, wären die Leute auf der Straße gewesen. Es ist aber nichts anderes. Russland habe schon einmal versucht, dauerhaft die Sommerzeit einzuführen - und sei damit gescheitert.

Die nächste Zeitumstellung findet auf jeden Fall noch statt. In der Nacht auf den 28. Oktober werden die Uhren wieder eine Stunde zurückgedreht.