Ein Mann und eine Frau halten ein Paragrafen-Zeichen über eine Hecke (Foto: Imago, Imago/Ute Grabowsky - Ute Grabowsky)

Zoff um Hecke, Handwerkerrechnung oder das Erbe Nachbarschaftsstreit ohne Gericht klären

Wer Streit mit den Nachbarn oder dem Handwerker hat, muss nicht gleich vor Gericht ziehen. Mit Mediation und Schlichtung gibt es Alternativen, die günstiger und weniger zeitfressend sein können.

Beide Verfahren sind in der Regel freiwillig. Beide Seiten müssen also an einer außergerichtlichen Lösung interessiert sein. Weil ein Gerichtsverfahren lange dauern und teuer werden kann, kann eine Mediation oder Schlichtung eine kostengünstige und schnelle Konfliktlösung sein. Erbstreitigkeiten, Zoff bei Trennungen, aber auch der Streit mit Unternehmen können so gelöst werden. Auch außerhalb des privaten Rahmens wird die Methode angewandt: Ein berühmtes Beispiel war das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21. Auch bei Tarifkonflikten kommt es häufig zu Schlichtungen.

Mediation

Bei der Mediation vermittelt ein neutraler Dritter zwischen den Konfliktparteien. Das können zum Beispiel Psychologen, Sozialarbeiter, aber auch Juristen oder Kommunikationswissenschaftler sein. Deutschlandweit bilden verschiedene Verbände Menschen zu Mediatoren aus. Das Mediationsgesetz schreibt kein bestimmtes Berufsbild für den Vermittler vor. Ein Mediator muss laut Bundesjustizministerium in eigener Verantwortung sicherstellen, dass er oder sie über das nötige Wissen und die Kenntnisse verfügt, um "sachkundig" durch die Mediation zu führen. Vereine wie der Bundesverband Mediation bieten die Möglichkeit, Mediatoren in der Nähe zu finden.

Anders als ein Schlichter, macht der Mediator keine eigenen Lösungsvorschläge, sondern unterstützt die Konfliktparteien dabei, selbstständig eine Lösung zu erarbeiten. Schlichtungsexpertin und Anwältin Manuela Reibold-Rolinger beschreibt die Rolle des Mediators so, dass er für eine faire, wertschätzende und ergebnisoffene Diskussion sorgt. Eine einfache Regel sei etwa, dass die Konfliktparteien ausreden könnten und jeder seine Sicht der Dinge frei darstelle. Ziel sei es, dass beide Seiten wieder auf die Gesprächsebene zurückfänden.

Auch das Justizministerium hebt hervor: Zentral für den Erfolg einer Mediation ist es, ein Verständnis für die Sicht der Gegenseite zu entwickeln.

Schlichtung

Einen Schritt weiter als die Mediation geht die Schlichtung, auch wenn sich das grundsätzliche Verfahren gleicht. Denn im Gegensatz zur Mediation macht der Vermittler bei der Schlichtung konkrete Lösungsvorschläge. Er fasst die Standpunkte der Parteien neutral und lösungsorientiert zusammen. Das erfordert Fachkenntnis, weshalb Schlichter diese Aufgabe meist nicht von Laien übernommen wird.

Streitlösung

Dazu kann es in beiden Verfahren nur kommen, wenn beide Seiten mit dem Ergebnis der Mediation bzw. Schlichtung einverstanden sind. Ist das der Fall, wird die Lösung schriftlich fixiert. Hält sich eine Konfliktpartei nicht daran, dann kann es zu einem Gerichtsverfahren kommen. War dann alles umsonst? Nein, sagt Schlichtungsexpertin und Anwältin Reibold-Rolinger. In einem Prozess berücksichtigten Richter, dass eine Schlichtungslösung gesprochen wurde.

Kosten

Wie teuer es wird, hängt von der Komplexität und den Konfliktparteien ab. Beim Streit zwischen Kunden und Unternehmen gibt es in vielen Fällen Schlichtungsstellen. Die sind häufig kostenlos. Eine Übersicht finden Sie hier.

Vielerorts gibt es auch ehrenamtliche Schiedsfrauen und -männer, die bei vor allem privaten Konflikten vermitteln. Hierbei fallen Gebühren von bis zu 40 Euro zuzüglich von Auslagen an.

Mediatoren oder Schlichter werden in der Regel nach Stunden bezahlt. Je nach Fachkenntnis, die für die Konfliktlösung nötig ist, können sie laut Anwältin Reibold-Rolinger zwischen 50 und 500 Euro die Stunde verlangen. Bis zu sechs Sitzungen à drei Stunden seien häufig nötig, so die Schlichtungsexpertin. Viele Rechtsschutzversicherungen würden allerdings die Kosten teilweise oder ganz übernehmen. Die Kosten für ein Gerichtsverfahren können - je nach Streitwert - schnell mehrere tausend Euro betragen.

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