Weihnachtszeit ist Spendenzeit So erkennen Sie unseriöse Spendenbriefe

Spendenbriefe flattern gerade in der Vorweihnachtszeit öfter ins Haus. Woran Sie erkennen können, ob es sich dabei um ein seriöses Anliegen handelt und wie Sie grundsätzlich mit Spendenbriefen umgehen sollten, darüber haben wir mit Burkhard Wilke dem Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) gesprochen.

Wie kommen die Organisationen an die Adressen – und wie sortiert man unseriöse Briefe aus?

DZI-GEschäftsführer Burkard Wilke (Foto: SWR, dpa/picture-alliance - Karlheinz Schindler)
Burkhard WilkeGeschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) dpa/picture-alliance - Karlheinz Schindler

Ein einfaches Erkennungsmerkmal für unseriöse Aufrufe ist, wenn die Aufmachung des Umschlags schon sehr emotional ist. Steht da zum Beispiel "Bitte spenden Sie innerhalb von zehn Tagen", ist das ein relativ eindeutiges Zeichen. Oder wenn Sie den Brief öffnen und sofort Bilder zum Beispiel von extrem abgemagerten Kindern zu sehen sind. Gleiches gilt für übertriebene Personalisierung. Taucht in einem Brief die persönliche Anrede gleich mehrfach auf, wird Ihnen also ein schlechtes Gewissen nach dem Motto: "Bitte lassen sie uns nicht im Stich" eingeredet, ist das ein klares Anzeichen für unseriöse Werbung.

Ein Kollege hat recherchiert und festgestellt, dass mit den Adressen potentieller Spender ein reger Handel betrieben wird. Ist das denn in Ordnung?

In vielen Fällen ist es in Ordnung, weil der Handel mit Adressen zunächst einmal legal ist. Natürlich müssen sich auch die Adresshändler an die Datenschutzbestimmungen halten. Aber es ist legal Adressen, die zum Beispiel durch Gewinnspiele generiert wurden weiterzugeben. Das gilt auch dann, wenn Sie bei einem Vertragsabschluss, zum Beispiel einem neuen Telefonanschluss einer Weitergabe von Adressen zu werblichen Zwecken nicht explizit widersprochen, oder der Weitergabe nicht zugestimmt haben.

Wie sollte man grundsätzlich vorgehen, wenn man spenden möchte?

Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) (Foto: Deutsches Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) -)
Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) Deutsches Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) -

Wir empfehlen sich auf eine geringe Anzahl von "Kandidaten" zu konzentrieren. Jeden bedenken zu wollen, der einen solchen Brief verschickt , ist meiner Meinung nach das falsche Rezept. Legen Sie ein Jahresbudget von zum Beispiel 100 bis 200 Euro fest und teilen sie das Budget dann auf maximal drei Organisationen auf. Überprüfen Sie, ob die ausgewählten Organisationen das DZI-Spendensiegel tragen. Um dies zu erlangen müssen die Organisationen ein freiwilliges, anspruchsvolles Prüfverfahren durchlaufen. Falls kein Spendensiegel erteilt wurde, sollten Sie darauf achten, dass die Organisation auf DZI.de weder mit einer einer kritischen Auskunft, noch in der Warnliste auftaucht.

Abgesehen von Spendenbriefen kann man auch immer im unmittelbaren Umfeld schauen, welche lokale Organisation oder Initiative man persönlich kennt. Dann ist eine Spende über die persönliche Vertrauensbrücke natürlich ebenfalls zu empfehlen.

Wenn man keine persönlich adressierten Spendenbriefe bekommen möchte, wie unterbindet man diese Briefe?

Wenn Sie überhaupt keine persönlich adressierte Spendenwerbung bekommen möchten, empfehlen wir einen Eintrag in der "Robinsonliste" des Deutschen Dialogmarketing Verband (DDV). Dort geben Sie Ihre Daten ein, bekommt dann allerdings auch von anderen seriösen Firmen keine Werbung mehr. Unseriöse Firmen werden sich im Zweifel nicht an die Vorgaben dieser Liste halten.

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