Weinachstbaum (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Weihnachten mit gutem Gewissen Ein umweltfreundlicher Weihnachtsbaum - geht das überhaupt?

Weihnachten ohne Christbaum ist für die meisten nicht vorstellbar. Jedes Jahr werden knapp 30 Millionen Bäume gefällt - eine Katastrophe für das Klima. Kann man überhaupt einen Weihnachtsbaum aufstellen ohne dabei der Umwelt zu schaden?

Jedes Jahr werden in Deutschland laut dem Hauptverband der deutschen Holzindustrie (HDH) knapp 30 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Zehn Prozent davon kommen aus dem Ausland, etwa aus Dänemark, Polen oder der Slowakei. Die meisten Bäume werden auf Großplantagen angebaut und mit Insektiziden, Herbiziden und Minderaldünger behandelt. Diese schaden der Umwelt, vor allem den Böden und Gewässern. Damit ist diese Anbaumethode für Ökosysteme nicht nachhaltig. Die vielen Chemikalienrückstände auf den Bäumen können zudem gesundheitsschädlich sein, wenn der Baum direkt im Wohnzimmer steht. Bei Bäumen aus dem Ausland ist das besonders problematisch, denn es können Pestizide eingesetzt werden, die in Deutschland verboten sind.

Am umweltfreundlichsten ist natürlich der Verzicht, doch das ist für viele undenkbar. Um also kein Weihnachten ohne Weihnachtsbaum verbringen zu müssen, gibt es noch andere Möglichkeiten als die Nordmanntanne aus dem Supermarkt. Simon Heitzler vom Naturschutzbund (NABU), Referent für nachhaltige Waldnutzung, erklärt, was sinnvolle Alternativen zur Weihnachtsbaummassenproduktion sein können.

Plastiktanne als Alternative?

Der erste Gedanke wäre wahrscheinlich, direkt auf einen künstlichen Baum zu setzen, doch das ist laut Heitzler keine gute Idee. Denn die Plastikbäume werden oft in Asien produziert. Da die Produktion energieaufwendig ist und die Bäume lange Transportwege zurücklegen, ist diese Alternative alles andere als ressourcenschonend. Es ist außerdem fraglich, wie lange in der Praxis der selbe Baum benutzt werden kann.

Dauer

Biologischer Anbau

Sinnvoller ist daher, auf ökologische Anbaumethoden zu setzen. "Es gibt regional zertifizierte Forstbetriebe, zum Beispiel FSC-Betriebe oder auch ökologische Weihnachtsbaumerzeuger wie Naturland und Bioland. Die nutzen dann keine Herbizide, düngen anders und sind auf jeden Fall nachhaltiger", sagt Heitzler. Zudem sollte man auf Regionalität achten, damit die Tannen möglichst kurze Transportwege haben. Am besten ist es natürlich direkt beim Förster oder dem Hof nachzufragen und den Baum selbst abzuholen. Die Organisation Robin Wood führt zudem eine Liste aller deutschen Betriebe die ökologische Weinachtsbäume anbauen.

Weihnachtsbaum direkt vom Hof

Neben den zertifizierten gibt es auch Höfe, die auch ohne Zertifikat auf umweltfreundliche Anbaumethoden setzen. Wer so einen Baum erwerben möchte, schaut am besten persönlich vorbei und macht sich ein Bild. Auch Gerhard Penner und sein Sohn Patrick Penner aus in Enkenbach-Alsenborn bei Kaiserslautern pflanzen seit gut zehn Jahren Weihnachtsbäume und es war von Anfang an klar: Die Bäume sollen ökologisch sinnvoll wachsen. Daher setzen sie auf ihrem Hof keinen Kunstdünger ein und achten auf eine ausreichende Begrünung. Damit der Boden auf natürliche Art gedüngt wird, gibt es auf dem Hof eine Schar von Hühnern. Sie picken und scharren auf dem Boden zwischen den Bäumen und halten ihn so fruchtbar. Auch für die Hühner ist diese Arbeit ein großes Glück, denn eigentlich sollten sie geschlachtet werden, da sie nicht mehr genug Eier produzieren. Mit der Initiative "Rettet das Huhn" wurden sie aus der Legebatterie befreit und fanden mitten zwischen Weihnachtsbäumen ein neues zu Hause.

Weihnachtsbaum-Farm (Foto: SWR, C. Mautes)
Reserviert: Dieser Baum wird pünktlich zu Weihnachten abgeholt. C. Mautes

Mit der ganzen Familie

Wer hier auf dem Hof einen Baum erwerben will, kann direkt vorbeikommen und sich auf dem offenen Feld seine Lieblingstanne aussuchen. Wer sie nicht direkt mitnehmen möchte, kann sie auch reservieren und pünktlich zu Weihnachten abholen. Der Baum wird dann durch einen kleinen Zettel an der Baumspitze markiert, damit ihn niemand ein zweites Mal aussucht. Seit Anfang November sind Tore der Plantage bereits geöffnet. Ab Mitte Dezember werden die Bäume dann frisch geschnitten und abgeholt. Die Kunden können dabei sogar selbst zur Säge greifen. "Oft kommen Eltern mit ihren Kindern und die Kinder dürfen selbst den Weihnachtsbaum absägen. Den Baum aussuchen, danach absägen, mit nach Hause nehmen und am nächsten Tag schmücken, das ist dann schon ein Event", sagt Gehard Penner.

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