Biergläser (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / dpa)

Wann ist ein Pils ein Pils? Was Sie über Bier wissen sollten

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Obergärig, naturtrüb und mit einer Stammwürze von 11 Prozent - verstehen Sie auch nur Bahnhof? Bier-Sommelière Sophia Wenzel weiß, worauf es bei einem guten Bier ankommt und was man als Laie über das liebste Getränk der Deutschen wissen sollte.

"Mit Bier geht viel mehr als mit Wein" - wenn Sophia Wenzel über Bier spricht, spürt man ihre Leidenschaft für das Getränk. "Man hat einfach eine riesige Bandbreite, ein großes Aromaspektrum und Bier ist auch bekömmlicher", sagt die gelernte Bier-Sommelière.

Doch obwohl Bier als der Deutschen liebstes Getränk gilt, kennen nur wenige die Unterschiede zwischen den unzähligen Biersorten. Was ist das Besondere an einem Kölsch? Wieso ist ein Schwarzbier schwarz? Und ist ein Pils jetzt ober- oder untergärig?

Was macht ein Pils aus? Bewegen Sie für die Antwort den Schieber nach links:

Sophia Wenzel kennt all die kleinen Geheimnisse rund um den Gerstensaft. Welches Bier am Ende des Brauvorgangs herauskommt, hängt sowohl von den Rohstoffen als auch von der Art der Herstellung ab, sagt sie. Denn es gibt sage und schreibe 800 verschiedene Bieraromen weltweit.

Jeder einzelne der vier klassischen Bestandteile, so die Expertin, sei dabei wichtig: Das Wasser, das beispielsweise unterschiedliche Härtegrade hat, das Malz, das aus vielen unterschiedlichen Getreidesorten stammen kann, der Hopfen, den es als Bitter- oder Aromahopfen gibt, und schließlich die Hefe.

Von norddeutscher Zurückhaltung und bayerischer Gemütlichkeit

Letztere ist entscheidend für den Gärprozess. Den Hefepilz gibt es in mehreren Ausprägungen; in Deutschland unterscheidet man vor allem zwei: "Die untergärige Hefe ist ein eher zurückhaltender Typ, den Norddeutschen sehr ähnlich", erklärt Sophia Wenzel. "Sie arbeitet am besten bei niedrigen 15 Grad Celcius." Anders die obergärige Hefe, wie man sie in Weizenbieren findet. "Die mag es ein bisschen gemütlicher, arbeitet bei 23 Grad und schwimmt im Gärprozess auch weiter oben, da sie - wie die Besucher auf einem guten bayerischen Volksfest - praktisch immer eingehakt ist."

Mehr als 15 Prozent Alkohol entstehen beim eigentlichen Gärprozess übrigens in der Regel nicht, denn einen höheren Alkoholgehalt überlebt die Hefe nicht. "Sie tötet sich dann praktisch selbst", so Wenzel.

Ohne Malz nichts los

Von den vier klassischen Bier-Bestandteilen sei auch das Malz, also das Getreide, interessanter als es für viele auf den ersten Blick scheint. So kann der Trocknungsprozess der Gerste beispielsweise nicht nur über ein rauchiges Aroma entscheiden, sondern trägt auch maßgeblich zur späteren Farbe des Biers bei. Für ein gutes Schwarzbier wird daher dunkle Gerste verwendet.

Neben der Qualität der Rohstoffe und der Art der Herstellung spiele jedoch noch eine dritte Komponente eine wichtige Rolle, so Wenzel. Das Marketing nämlich. "Die meisten Leute kaufen nach Etikett", sagt die Fachfrau. Und zwar nicht nur Laien, auch echte Profis blieben an einem auffälligen Bier schneller mal hängen.

Auf die Frage, was ein gutes Bier ausmacht, hat die Expertin aber eine klare Antwort: "Schmecken muss es!" Eine große Rolle spielten dabei die Gerüche, denn die seien oft mit Erinnerungen verknüpft. Ein Bier, dessen Geruch man mag, hat also schon viel gewonnen.

Stammwürze spielt für den Verbraucher keine Rolle

Als weniger wichtig sieht die Expertin die Stammwürze an - auch wenn diese oft auf den Bierflaschen angegeben wird. Gemeint ist mit der Stammwürze der Anteil an Malzzucker, der beim Maischen entsteht und später in Alkohol umgewandelt wird.

Eine Rolle spiele dieser Anteil zwar am Ende auch für den Alkoholgehalt - ein Stark- oder Bockbier weist zum Beispiel einen Stammwürzegehalt von etwa 16 Prozent auf - wirklich wichtig, so Wenzel, sei dieser aber eigentlich nur für die Berechnung der Biersteuer. Was viele nicht wissen: Mehr Prozente bedeuten im Falle eines in Rheinland-Pfalz hergestellten Bieres auch mehr Geld für die Landeskasse, denn im Gegensatz zur Tabaksteuer fließt die Biersteuer an die Länder.

Naturtrüb als Qualitätsmerkmal

Doch was trinkt eigentlich Bier-Sommelière Sophia Wenzel am liebsten? "Ein Lieblingsbier habe ich nicht", gibt sie zu. "Es gibt einfach unheimlich viele gute Kombinationen - vor allem zum Essen. Ich habe zum Beispiel vor einer Weile einen Schmorbraten mit Kirschsoße gegessen, dazu ein Porter mit seiner leichten Schokonote - sehr lecker!"

Ein gutes Bier, erklärt sie, erkenne man im Übrigen nicht - wie früher oft behauptet - an der klaren Farbe. Im Gegenteil: Wenn noch Hefe zu sehen, das Bier also naturtrüb sei, gelte das heute unter Bier-Experten als Qualitätskriterium.

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